Aktuelle Maßnahmen bei Wintergerste

veröffentlicht am 02.04.2019

Die Wintergerste findet heuer nach den sehr trockenen Bedingungen zum Herbstanbau 2018, der lange andauernden Vegetation tief in den November hinein und dem frühen Vegetationsstart 2019 sehr gute Bedingungen zur Ertragsbildung vor.

Laut Portal der Österreichischen Hagelversicherung haben wir derzeit (Stand 28.3.) je nach Region einen Vegetationsvorsprung von ca. 14 – 18 Tagen zu 2018 und 9 – 13 Tagen zum langjährigen Durchschnitt. Auswinterungen sind kleinräumig ein Thema aber großflächig sind, trotz oftmals zu üppig entwickelter Bestände, keine gravierenden Schäden aufgetreten.

Trotz der frühen Aussaat sind wenig Schäden durch Gelbverzwergungsvirus zu verzeichnen. Die über über den Winter gebildeten starken Vergilbungen zu Wachstumsbeginn in fast allen Gebieten Österreichs haben sich vor allem im Feuchtgebiet inzwischen ausgewachsen, während da und dort im Trockengebiet durch die lockeren, trockenen Böden nach wie vor vergilbte Bestände vorzufinden sind. Dies sollte sich aber nach einsetzenden Niederschlägen, bzw. N-Düngung und ausreichender Manganversorgung rasch ändern.

In manchen Schlägen finden sich etwas mehr als sonst Einzelpflanzen mit verdickten Halmen – wenn diese aufgeschnitten werden, findet sich darin eine kleine Made. Es ist dies das Jugendstadium der Getreidehalmfliege, die in frühgesäte Wintergerstenbestände eingeflogen ist, aber keine nennenswerten Schäden verursachen sollte. Der befallene Trieb wird absterben, ausreichend vorhandene Bestockungstriebe der eher zu dichten, früh gesäten Bestände werden das ausgleichen.

Aufgrund des sehr weiten Vegetationsfortschritts ist der Termin für die 2. N-Düngung aktuell erreicht oder diese schon erledigt.

Ab dem EC 32 steigt der Nährstoffbedarf stark an, die angelegten Körner an der jetzt ca. 1 cm großen Ähre müssen ernährt werden. Je nach Ertragslage und Ertragserwartung ist jetzt auf 100 – 130 kg/ha aufzudüngen. Zur Sicherung der Kornausbildung bleiben somit zum Zeitpunkt kurz vor Grannenspitzen (EC 49) noch etwa 30 kg/ha übrig bzw. kann auf schwächer entwickelten Beständen die Düngung bereits abgeschlossen werden, um einer zu starken Triebreduktion vorzubeugen. Im Gegensatz dazu sollte in zu stark entwickelten Beständen mit der Düngung bis zum EC 32 zugewartet werden, um die Reduktion unproduktiver Triebe, die nur unnötig Nährstoffe und Wasser verbrauchen, zu gewährleisten.

Im Trockengebiet wird die Düngung der Wintergerste wegen der oftmals fehlenden Niederschläge zumeist in nur 2 Gaben erledigt – wegen der oft mangelnden Feuchtigkeit zur Auflösung des Düngers sollte damit nicht zu lange zugewartet werden. Vorsicht – wer Winterbraugerste produzieren will, sollte die 2.Gabe etwas geringer bemessen und auf jeden Fall rechtzeitig erledigen, damit es zu keinen erhöhten Proteinwerten kommt (ca. 20 – 25 % weniger als für Futtergerstenproduktion).

Die Entwicklung kann bei steigenden Temperaturen und länger werdenden Tag jetzt sehr schnell gehen. Auf Grund der idealen Bedingungen haben wir bei allen Anbauzeitpunkten (außer bei extremen Spätsaaten) relativ hohe Triebdichten, sodass auch vor allem im Feuchtgebiet hohe Bestandesdichten zu erwarten sind. Dem richtigen Halmverkürzereinsatz (je nach Standfestigkeit der Sorte) ist damit gerade in diesem Jahr eine hohe Aufmerksamkeit zu schenken um die Standfestigkeit abzusichern und damit das hohe Ertragspotenzial der Sorten zu nutzen.

Die besten Einkürzungseffekte werden im EC 31 – EC 32 erzielt. Die meisten Produkte haben eine Zulassung von EC 29 bis EC 49. Mit Moddus (bzw. Produkten die den Wirkstoff des Moddus enthalten) stehen hier erprobte und gut wirksame Produkte zur Verfügung. Bei allen Produkten ist besonders die Zulassungssituation und Mischbarkeit (Herbizide, Fungizide, Blattdünger…) zu beachten. Prodax ist ein neues Produkt und stellt eine Mischung aus einem Wirkstoff des Medax Top und dem Wirkstoff des Produktes Moddus dar. Es vereint laut Anbieter auch die Vorteile dieser beiden Produkte – temperaturunabhängigere und längere Wirkungsdauer als die der Einzelprodukte.

Allgemein gilt - je später der Einsatz der Wachstumsregulatoren erfolgt, umso geringer der Effekt auf die Halmfestigung, da die einkürzende und den Halm stabilisierende Wirkung nur mehr den Neuzuwachs betrifft. Die Halmwandverdickung im unteren Bereich und die Einkürzung zwischen den unteren Internodien die für die Verbesserung der Standfestigkeit essentiell sind, schaffen wir bei verspätetem Einsatz nicht mehr. Zu einem späteren Zeitpunkt bzw. bei noch immer instabilen Beständen kann mit Cerone auch später noch eine merkbare Einkürzung zwischen Ähre und letzten Blatt erreicht werden (zugelassen bis EC 49). Generell gilt für fast alle Wachstumsregler, dass der Einsatz immer den Standortbedingungen, Sorten und der Wasserversorgung des Standortes angepasst erfolgen sollte, um Schäden zu vermeiden.

Die Erfahrung aus den Vorjahren zeigt, dass eine längere trockene Witterungsphase den Krankheitsdruck im Getreide deutlich reduzieren kann. Aus heutiger Sicht kann für den weiteren Verlauf der Entwicklung noch keine Aussage getroffen werden, wir wissen aber, das in vielen Beständen vor allem Mehltau bereits im Herbst aufgetreten ist. Es gilt, die Bestände zu beobachten und aus dem heraus, zusammen mit dem Witterungsverlauf, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die zurzeit in Bodennähe befindlichen vergilbten Blätter bei der Wintergerste, im Besonderen in überwachsenen Beständen, kommen von Mehltau im Herbst bzw. N-Mangel im Februar und sollten für das Ertragsgeschehen keine Rolle spielen.

Sehr wohl zeigen sich in einigen Beständen aber Vergilbungen durch Manganmangel der auch die Wurzelausbildung hemmt, diesen können sie durch Zugabe eines Manganblattdüngers bei Herbizid- oder Wachstumsreglermaßnahmen beheben. Über die Notwendigkeit bei anstehenden Halmverkürzereinsatz bereits ein Fungizid beizumischen entscheidet die aktuelle Wetterlage, Mehltaubefall vom Herbst her sollte auf jeden Fall beobachtet werden.

Unabhängig von der Wetterlage, auch bei trockenen Verhältnissen, müssen wir aber auf alle Fälle wieder mit Ramularia, der wichtigsten Blattkrankheit der Wintergerste rechnen. Die Anfälligkeit der Sorten liegt hier im eher höheren Bereich (Note 5-8 lt. AGES Sortenliste). Leider gibt es für diese Krankheit zurzeit keine andere Möglichkeit der Ausschaltung oder Schadensminimierung als den chemischen Pflanzenschutz. Ca. 10 Tage nach dem Ährenschieben treten die ersten Symptome auf (die Infektion erfolgt aber bereits deutlich früher) und innerhalb weniger Tage kann die ganze Pflanze befallen werden – wenn die Krankheitsmerkmale zu sehen sind, ist es bereits zu spät. Erschwerend hinzugekommen ist in den letzten Jahren, dass diese Krankheit gegenüber bestimmten fungiziden Wirkstoffen Resistenzen entwickelt hat und deshalb hier auf die Wahl des richtigen Produktes sehr genau geachtet werden muss. In der Bekämpfung der Ramularia spielt der Wirkstoff Chlorthalonil eine entscheidende Rolle. Für eine effektive Bekämpfung der Krankheiten der Gerste können Einzelprodukte mit guter, breiter Wirkung gegen Blattkrankheiten (Mehltau, Rhynchosporium, Netzflecken…) mit Chlorthalonil kombiniert werden oder Kombinationspräparate eingesetzt werden.

Der Kontaktwirkstoff Chlorthalonil hilft die Ramularia in Griff zu bekommen. Dabei ist die Strategie gezielt so auszuwählen, dass die Auflagen, die mit dem Einsatz dieses Wirkstoffes verbunden sind, auch eingehalten werden. Diese Auflagen sind der Produktbeschreibung zu entnehmen und auch im Internet/AGES/Pflanzenschutzmittelregister nachzulesen.

Zum Einsatzzeitpunkt ist zu sagen: wer zu Wachstumsreglermaßnahmen in EC 31-32 schon ein Fungizid zugegeben, oder in einer separaten Überfahrt in EC 37 – 39 ein Fungizid appliziert hat, kann mit dem chlorthalonilhältigen Abreifeschutz etwas länger zuwarten. Wer keine fungizide Vorlage auf seiner Wintergerste hat, für den ist es sinnvoller etwas früher zu behandeln. In den meisten Fällen wird sich der Einsatz in der Praxis spätestens zwischen EC 49 – 51 erfolgen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass in den feuchteren Anbaulagen (Westbahngebiet von St. Pölten westwärts, OÖ, Steiermark, Kärnten) eher Doppelbehandlungen in EC 37 – 39 + EC 51 – 59, in den trockenen Anbaulagen eher Einmalbehandlungen in EC 49 empfehlenswert sind, um das Ertragspotential ihres Bestandes abzusichern.

Tierische Schädlinge wie Läuse, vor allem aber Getreidehähnchen müssen beobachtet werden um gegebenenfalls mit einem Insektizidzusatz reagieren zu können und zusätzliche  Überfahrten zu vermeiden.

 

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

Tel: +43 664 142 60 05

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