Standortabhängige Bestandesführung bei Wintergerste

veröffentlicht am 03.05.2019

Anhand der beiden Beständen mit der zweizeiligen Sorte LENTIA die wir schon in unserem >Beitrag zu Vegetationsbeginn vorgestellt haben, werden weitere Maßnahmen erklärt.

Der zu Winterende 2019 ideal bis etwas zu schwach entwickelte >LENTIA Bestand hat sich mittlerweile aufgrund der Bestandesführung soweit entwickelt, dass wir die Zielährenzahl von ca. 800 – 950 Ähren pro m² erreicht haben. Der nach Winter ideal entwickelte Bestand ist bereits beim Grannenspitzen, während der zu dünne Bestand in der Entwicklung noch etwas dahinter ist.

Nach Winter extrem überwachsener Bestand: Die Aussaat war Ende September nach Vorfrucht Raps, wir hatten zu Vegetationsbeginn 8 – 10 Triebe pro Pflanze – der Bestand war deutlich zu dicht und schwierig zu führen.

Nach reduzierter Andüngung und etwas zeitverzögerter 2. Gabe im EC 32 und entsprechendem Wachstumsreglereinsatz präsentiert sich dieser Bestand noch immer etwas zu dicht, lässt aber im Gegensatz zum Frühjahr Höchsterträge erwarten.

Sollten Sie eine Düngerstrategie mit 3. Gaben anwenden, dann wäre jetzt der Zeitpunkt, die Düngung abzuschließen. Zielführend ist eine 3. N-Gabe bei Wintergerste vor allem für Betriebe, welche die Gerste selbst am Betrieb verwerten, bzw. zur Verbesserung des Hektolitergewichts.

Wachstumsregler:

Diese Bestände sind aufgrund der guten Standfestigkeit der Sorte LENTIA und entsprechender Anwendung von Wachstumsreglern in der Standfestigkeit soweit abgesichert, dass keine Maßnahmen mehr erforderlich sind.

Sollten Sie aber eine Sorte mit schwächerer Standfestigkeit gewählt haben oder noch ein Bedarf für Einkürzung bestehen, so können Sie noch mit einem Etephonhaltigen Wachstumsregler wie z.B. Cerone in einer Aufwandmenge von 0,3 – 0,5 lt/ha reagieren wodurch eine merkbare Einkürzung zwischen Ähre und letzten Blatt erreicht werden kann.

Pflanzenkrankheiten:

Die Erfahrung aus den Vorjahren zeigt, dass eine längere trockene Witterungsphase den Krankheitsdruck im Getreide deutlich reduzieren kann. Dadurch ist der Krankheitsdruck im Vergleich zu anderen Jahren moderater. Es ist aber bekannt, dass in vielen Beständen vor allem Mehltau bereits im Herbst aufgetreten ist. Es gilt, die Bestände zu beobachten und daraus, in Abhängigkeit vom Witterungsverlauf, die richtigen Maßnahmen zu setzen.

Unabhängig von der Wetterlage - auch bei trockenen Verhältnissen - muss aber auf alle Fälle wieder mit Ramularia, der wichtigsten Blattkrankheit der Wintergerste gerechnet werden. Die Anfälligkeit der Sorten liegen hier im eher höheren Bereich (Note 5-8 lt. AGES Sortenliste). Leider gibt es für diese Krankheit zurzeit keine andere Möglichkeit der Ausschaltung oder Schadensminimierung als den chemischen Pflanzenschutz.

Ca. 10 Tage nach dem Ährenschieben treten die ersten Symptome auf (die Infektion erfolgt aber bereits deutlich früher) und innerhalb weniger Tage kann die ganze Pflanze befallen werden – wenn die Krankheitsmerkmale zu sehen sind, ist es bereits zu spät.

Erschwerend hinzugekommen ist in den letzten Jahren, dass diese Krankheit gegenüber bestimmten fungiziden Wirkstoffen Resistenzen entwickelt hat und deshalb hier auf die Wahl des richtigen Produktes sehr genau geachtet werden muss. In der Bekämpfung der Ramularia spielt der Wirkstoff Chlorthalonil eine entscheidende Rolle.

Für eine effektive Bekämpfung der Krankheiten der Gerste können Einzelprodukte mit guter, breiter Wirkung gegen Blattkrankheiten (Mehltau, Rhynchosporium, Netzflecken…) mit Chlorthalonil kombiniert werden oder Kombinationspräparate eingesetzt werden.

Der Kontaktwirkstoff Chlorthalonil hilft, die Ramularia in Griff zu bekommen. Dabei ist die Strategie gezielt so auszuwählen, dass die Auflagen, die mit dem Einsatz dieses Wirkstoffes verbunden sind, auch eingehalten werden.

Zum Einsatzzeitpunkt ist zu sagen: wer zu Wachstumsreglermaßnahmen in EC 31-32 schon ein Fungizid zugegeben, oder in einer separaten Überfahrt im Fahnenblattstadium ein Fungizid appliziert hat, kann mit dem chlorthalonilhältigen Abreifeschutz etwas länger zuwarten. Wer keine fungizide Maßnahme für die Wintergerste durchgeführt hat, für den ist es sinnvoller, etwas früher zu behandeln. In den meisten Fällen wird der Einsatz spätestens zum Grannenspitzen in EC 49 – 51 erfolgen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass in den feuchteren Anbaulagen (Westbahngebiet von St. Pölten westwärts, OÖ, Steiermark, Kärnten) eher Doppelbehandlungen in EC 37 – 39 + EC 51 – 59, in den trockenen Anbaulagen eher Einmalbehandlungen in EC 49 empfehlenswert sind, um das Ertragspotenzial Ihres Bestandes abzusichern.

 

Tierische Schädlinge wie Getreidehähnchen treten wieder verstärkt auf und müssen beobachtet werden, um gegebenenfalls mit einem Insektizidzusatz reagieren zu können und zusätzliche Überfahrten zu vermeiden.

 

Bitte wie immer bei den Empfehlungen die Registrierungsauflagen der Pflanzenschutzmittel beachten.

 

In diesem Sinne wünscht ihnen die SAATBAU LINZ eine gute Ernte!

 

Für Fragen stehen ihnen unsere >Berater im Außendienst und ich gerne zur Verfügung!

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER
Tel. +43 664 142 60 05
albert.muellner@saatbau.com

 

Versuchsstandort:
Rotenturm an der Pinka, Burgenland (47^16'41"N 16°15'60" O)

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