Winterweizen je nach Nutzungsrichtung führen

veröffentlicht am 03.05.2019

Aufgrund der bis zum 30. April herrschenden Trockenheit zeigen sich die Bestände je nach Region unterschiedlich entwickelt.

In den meisten Regionen sind die guten bis eher zu stark aus dem Winter gekommenen Bestände nun ideal entwickelt, während die sehr spät gesäten bzw. zu schwach in den Winter gegangenen Bestände deutlich zu schwache Bestandesdichten aufweisen.

Die Bestandesdichte und die angestrebte Nutzung (QW, MW oder FW) sowie vor allem die Sorte haben massiven Einfluss auf die weitere Bestandesführung und Abschlussdüngung.

Bei einem Sortenversuchsstandort mit 10 verschiedenen Sorten im Bezirk Oberwart, Südburgenland, wird die unterschiedliche Bestandesführung erklärt (Lageplan siehe am Ende des Beitrags).

Bestand: Vorfrucht Körnermais, gepflügt und Anbau um den 10. Oktober. Der Aufgang war gleichmäßig und schnell, das führte zu ausreichend bestockten Beständen nach Winter, die jetzt eine ideale Bestandesdichte von 450 – 600 Ähren/m ² aufweisen, die je nach Sortentyp für Höchsterträge notwendig sind.

 

Anhand der Qualitätsweizensorte >AURELIUS soll die Empfehlung zur weiteren Bestandesführung für Qualitätsweizen erläutert werden.

AURELIUS ist eine Sorte mit sehr früher Blüte und nachfolgend mittelfrüher Reife, d.h. einer sehr langen Kornfüllungsphase und damit hat sie die Fähigkeit, Höchsterträge auch unter trockenen Abreifebedingungen sicher zu erreichen.

Vom Typ her ist AURELIUS in der Bestandesführung ein Kompensationstyp – generell führen beim Qualitätsweizen zu dichte Bestände zu schwächeren Qualitäten, enttäuschen oft im Ertrag und sind auch anfälliger für Fusarium.

Für AURELIUS mit stark bestockten Beständen wurde zur ersten Gabe nach Vorfrucht Raps nur eine N-Düngung von 40 – 50 kg/ha, nach Vorfrucht Sojabohne 50 – 60 kg N und nach Vorfrucht Körnermais oder Getreide 60 – 80 kg N empfohlen und zur zweiten Gabe je nach Bestandesentwicklung in EC 31 – 32 ca. 50 – 70 kg / ha um die Kornzahl pro Ähre abzusichern

Je nach Standort und Witterung ist die N-Aufnahme des Weizens aus dem Boden mit der Blüte des Weizens annähernd beendet.

Allgemein kann man sagen – je früher gedüngt wird, desto ertragswirksamer, je später desto mehr in Richtung Qualität wirksam - darum sollte die letzte Gabe gerade unter den derzeit trockenen Bedingungen etwas früher als üblich schon vor dem Ährenschieben erfolgen, um noch rechtzeitig zur Wirkung zu kommen. Eine oft diskutierte Aufteilung der 3. Gabe in zwei Gaben zum Zeitpunkt EC 37 und EC 49-51 dürfte heuer wenig Sinn ergeben.

Für die Höhe der dritten Gabe gilt die einfache Faustregel: 10 kg Rein-N pro Tonne Ertragserwartung für einen Qualitätsweizen mit 14 % Protein, 12 kg Rein N für 15 % und ca. 14 kg Rein N für 16 %. Natürlich können zur Berechnung der dritten Gabe auch Hilfsmittel wie der N-Tester oder der N-Pilot eingesetzt werden, wenn diese vorhanden sind.

Mahl- und Futterweizen:

Schwächer bestockte Bestände oder Sorten wie >FRISKY oder >RGT REFORM, die bei der ersten Gabe um ca. 20 kg/ha höher angedüngt wurden, um die nötige Bestandesdichte zu erreichen, können jetzt zur Abschlussgabe etwas geringer gedüngt werden. Für ein Ziel von 12 % Protein sollte je nach Ertragserwartung, Vorfrucht und Mineralisierung bei RGT REFORM und TIBERIUS eine Gabe von ca. 60 kg N ausreichen.

Die Schwefelmenge sollte ca. 20 % der gedüngten N-Menge in Summe aus Bodenmineralisation und Düngung betragen. Sollten sie bisher noch keinen schwefelhaltigen Dünger verwendet haben, dient eine S-Gabe mit der Abschlussdüngung vor allem der Eiweißqualität.

Wachstumsreglermaßnahmen sollten soweit abgeschlossen sein, evt. Korrekturen sind noch mit mit Etephonhaltigen Produkten wie Cerone möglich.

Fungizidmaßnahmen können durch den derzeit eher geringen Krankheitsdruck vor allem bei gesunden Sorten vorsichtig angepasst werden. Vielfach ist nur Mehltau in nennenswertem Ausmaß vorhanden - trotzdem sollte aber der Krankheitsdruck durch Septoria tritici und Braunrost vor allem bei einsetzenden Niederschlägen nicht außer Acht gelassen werden. Der Einsatz entsprechender Azole, Carboxamide und bei Bedarf auch Kontaktwirkstoffe wie Chlorthalonil sollte den Witterungsbedingungen flexibel angepasst werden, um das Ertragspotenzial der Sorten abzusichern.

Besonderes Augenmerk gilt Infektionen mit Fusarium.

Gerade im Süden Österreichs waren 2018 durch starke Niederschläge zum Zeitpunkt der Weizenblüte und damit einhergehenden idealen Infektionsbedingungen vor allem nach Vorfrucht Mais und pflugloser Bodenbearbeitung die Befallswerte extrem hoch. Falls wieder hohe Niederschläge zum Zeitpunkt der Weizenblüte auftreten, müssten Maßnahmen mit gut wirksamen Produkten ca. 48 h vor bis 48 h nach der Blüte des Weizens erfolgen.

Abschließend noch ein Hinweis zu diesem Versuchsstandort quer über die zehn Sorten befindet sich hier ein unbehandelter Streifen mit 20 m Breite, der ohne Wachstumsregler und Fungizide aber mit gleicher Düngung wie der restliche Bestand geführt wird. Sie können hier vor Ort die Standfestigkeit und Gesundheit der Sorten vergleichen.

Bitte wie immer bei den Düngungsempfehlungen die Richtlinien der sachgerechten Düngung und bei den Pflanzenschutzempfehlungen die Anwendungsauflagen beachten.

 

In diesem Sinne noch viel Erfolg mit Ihrem Winterweizen – unabhängig davon, ob sie Qualitäts-, Mahl- oder Futterweizen produzieren wollen!

 

Für Fragen stehen ihnen unsere >Berater im Außendienst und ich gerne zur Verfügung!

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER
Tel. +43 664 142 60 05
albert.muellner@saatbau.com

 

Versuchsstandort:
Rotenturm an der Pinka, Burgenland (47^16'41"N 16°15'60" O)

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