Raps - Bestandesführung Herbst 2019

veröffentlicht am 13.09.2019

Der Rapsanbau 2019 ist in Österreich im Gegensatz zu 2018 großteils optimal verlaufen. Das Ertragspotenzial von Raps wird in wesentlichem Ausmaß im Herbst festgelegt - jetzt handeln!

Rapsfeld im HerbstIm Vorjahr führte die gebietsweise sehr starke Trockenheit in Verbindung mit einem sehr hohen Schädlingsdruck (vor allem Rapserdfloh und Rübsenblattwespe) zu einem verzettelten Auflauf der jungen Rapsbestände und je nach Region zu starken Schäden durch Schädlinge. Andererseits haben aber die hohen Temperaturen und die lange Vegetationszeit bis tief in den November hinein eine entsprechende Vorwinterentwicklung, trotz des zu späten Aufgangs der Bestände, sichergestellt. 

Erste Rückmeldungen aus der Praxis zeigen heuer einen sehr gleichmäßigen Aufgang in Verbindung mit ausreichenden Niederschlägen und einen derzeit niedrigeren Schädlingsdruck als im Vorjahr. Damit sind die Voraussetzungen für den Raps deutlich besser als im Vorjahr.

Das Ertragspotenzial von Raps wird in wesentlichem Ausmaß im Herbst festgelegt und muss durch geeignete Düngungs-, Unkraut und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen und einem - der Witterung und Bestandesentwicklung angepassten - Fungizid Einsatz abgesichert werden.

Düngung und Spurenelemente:

Die Grunddüngung wird zu Raps idealerweise schon zur Grundbodenbearbeitung gegeben und eingemischt, kann aber auch noch zur Aussaat oder danach gegeben werden – achten Sie bei der Kalidüngung auf trockene Bestände.

Durch die trockene Saatbettbereitung konnte tief gelockert werden (egal ob mit Pflug oder Grubber) und es ist von einer guten Wurzelentwicklung der Rapsbestände ohne gravierende Störschichten in der Wurzelzone auszugehen.

Der Stickstoffbedarf bei Winterraps liegt bei ca. 50 kg Rein-N pro Tonne Ertragserwartung. Dieser Bedarf muss in Summe aus Herbstaufnahme, Nmin im Frühjahr, Nachlieferung aus dem Boden und Zufuhr über Mineraldünger oder organische Düngung gedeckt werden. Wenn sich Raps schon deutlich vor Ende Oktober blaurot färbt und damit Nährstoffmangel zeigt, setzt er weniger Verzweigungen, weniger Knospen und Schoten an und Sie verzichten damit auf Ertrag. Aber Achtung - die blaurote Färbung muss nicht immer Stickstoffmangel sein, sondern kann auch eine Anthocyanfärbung durch tiefe Temperaturen sein.

Ein idealer Rapsbestand mit 10 – 12 Blättern und ca. 10 mm Wurzelhalsdurchmesser kann bis zu 100 kg N/ha und darüber bereits im Herbst aufnehmen. Somit braucht er je nach Bodengüte, Vorfrucht, Stroheinarbeitung oder -abfuhr und langjähriger organischer Düngung eine Düngung von ca. 30 – 50 kg N/ha im Herbst. Der Zeitpunkt und die Menge der Düngung richtet sich nach der Entwicklung und dem Saatzeitpunkt. Während bei früh gesätem Raps (v.a. Hybridraps) zugewartet werden kann, um ein Überwachsen zu vermeiden sollte später (bzw. zu spät) gesäter Raps unmittelbar zur Saat mit Dünger versorgt werden.

Bor als das wichtigste Spurenelement im Rapsanbau wird vor allem bei Trockenheit und hohen pH- Werten festgelegt. Aus diesem Grund empfehlen wir im Herbst eine einmalige Zugabe von 150 g/ ha. Es ist wie im Frühjahr darauf zu achten, dass durch den Effekt mancher Borprodukte, den pH-Wert stark zu erhöhen, die Wirksamkeit und Wirkdauer von Insektiziden deutlich herabgesetzt werden kann. Um das zu verhindern, sollte in diesen Fällen der pH-Wert wieder abgesenkt werden (z.B. durch Zugabe von Zitronensäure).

Deutlich niedriger als der Bedarf bei Bor ist der Bedarf an Molybdän. Als essentieller Pflanzennährstoff ist Molybdän an wichtigen Stoffwechselvorgängen in der Pflanze beteiligt. Molybdän nimmt unter den Mikronährstoffen eine gewisse Sonderstellung ein. Die Aufnahme durch die Pflanzen ist außerordentlich gering. Sie beträgt pro Jahr nur ca. 5 - 12 g/ha. Anders als bei Bor, Kupfer, Mangan und Zink erhöht sich mit steigendem pH-Wert die Verfügbarkeit (Kalkung). Molybdän nimmt in der Rapspflanze eine wichtige Stellung in der Stickstoffverwertung ein und ist an der Proteinbildung beteiligt. Ein Mangel kann zu Nitratanreicherungen und Deformationen in den Blättern führen. Bor und Molybdän haben auch Einfluss auf die Pollenfertilität und Pollenbildung, ein Mangel kann Befruchtungsstörungen auslösen. Die direkt am Saatkorn aufgebrachte Menge Molybdän (Opticare Beizung bei DK EXPRESSION, DK EXPEDIENT, ANGELICO und DK EXCEPTION) sichert die ausreichende Versorgung der jungen Rapspflanze im Herbst gerade unter ungünstigen Witterungs- oder Bodenverhältnissen ab, somit ist im Herbst keine zusätzliche Düngung notwendig.

Sollte vor der Saat noch keine Kalkung erfolgt sein, so besteht mit Kalkstickstoff die Möglichkeit ab dem 4. Blattstadium eine Maßnahme zur Erhöhung des pH-Werts zu setzen, mit der gleichzeitig auch phytosanitäre Effekte (z.B. gegen Kohlhernie und Schadpilze) erzielt werden kann. Auf gut abgetrocknete Rapspflanzen bei der Anwendung ist zu achten!

In jedem Fall sind natürlich die Richtlinien der sachgerechten Düngung, etwaige Düngungsverbote und die Verbotszeiträume zu beachten.

Krankheiten und Wuchsregulierung:

Alle Maßnahmen mit Fungiziden im Herbst haben einerseits das Ziel, ein Überwachsen der Bestände (Abheben des Vegetationskegels und Sprossstreckung) zu verhindern. Eine Sprossstreckung vor Winter erhöht nicht nur das Auswinterungsrisiko, sondern mindert auch die Verzweigungsleistung der Rapspflanze und schränkt den Tiefgang der Rapswurzel ein. Gleichzeitig werden durch Fungizide Infektionen mit Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) hintangehalten.

Phomainfektion bei RapsAuf dem Bild rechts sind sehr schön die Infektionen im Herbst auf den Blättern zu erkennen – auf hellem Untergrund die Pyknidien auf denen Pyknosporen gebildet werden, die vor allem über Wind und Regen verbreitet werden. Innerhalb der Pflanze ist der Pilz in der Lage, sich von der Blattspreite über den Blattstiel in Richtung Stängel und Wurzelhals auszubreiten und dort Vermorschungen hervorzurufen. Besonders bei frühen Infektionen ist ein höheres Schadpotenzial gegeben und entsprechend zu reagieren. Bekämpfungsmöglichkeiten im Frühjahr sind nur mehr in eingeschränktem Umfang möglich.

Es gibt Unterschiede bei den Fungiziden hinsichtlich ihrer Wirkungsschwerpunkte, manche haben mehr wachstumsregulatorische Wirkung, manche mehr fungizide Effekte. Die Wahl des Produktes hängt von der Anfälligkeit der Sorte, der Anbauhäufigkeit des Raps in der Fruchtfolge, der Herbstwitterung und dem bisherigen Befall bzw. von der bisherigen vegetativen Entwicklung des Rapses ab. In sehr früh gesäten, dichten Beständen sollte die Anwendung bereits ab dem 4 Blattstadium erfolgen.

Im Endeffekt ist aber doch der Schwerpunkt der Fungizidmaßnahmen die Absicherung der Winterfestigkeit während die Sortenwahl die sicherste Maßnahme gegen Phoma bleibt und das Befallsrisiko deutlich senkt (ANGELICO z.B. ist in den Einstufungen der AGES mit Note 3 um bis zu 3 Noten besser eingestuft als vergleichbare Sorten mit der Anfälligkeitsnote 6!).

Schädlinge:

Raps mit Gelbschale Obwohl der Druck durch Schädlinge (v.a Rapserdfloh, 3-5 mm großer, glänzend schwarzer Käfer) derzeit geringer ist als im Vorjahr, sollten Sie Ihre Bestände intensiv beobachten (Gelbschalen aufstellen, Fraßtätigkeit beobachten…) bzw. die Monitoringergebnisse unter www.warndienst.at (Rapsschädlinge) abrufen. Bei starkem Fraß an den Keim und Laubblättern (über 10 % der Blattfläche) bzw. bei Fangzahlen je Gelbschale von mehr als 50 Rapserdflöhen in 3 Wochen empfiehlt sich eine Behandlung mit registrierten Produkten.

Ansonsten sollte mit dem Insektizideinsatz der Hauptzuflug abgewartet werden, die Applikation muss sich gegen den Käfer richten bevor dieser seine Eier ablegt, da die Larven schwerer bekämpfbar sind und der Hauptschaden durch den Minierfraß der Larven im Stängel verursacht wird. Die Larven bohren sich auf dem Weg Richtung Vegetationskegel mehrmals in die Blattstiele der Laubblätter ein und wieder aus. Damit führen sie zu Wachstumsdepressionen, schaffen Eintrittspforten für Krankheitserreger und vermindern die Winterfestigkeit der Bestände. Verstärkter Erdflohdruck wird vor allem bei angrenzenden Ausfallrapsbeständen und Zwischenfruchtbeständen beobachtet.

Auch regional stärkeres Auftreten der Rübsenblattwespe, die 2018 in vielen Beständen bis zum Kahlfraß geführt hat, ist durchaus wieder möglich. Die Rübsenblattwespe tritt vor allem nach wärmeren Sommern stärker auf und ist eine 6-8 mm lange Wespe. Nach der Eiablage schlüpfen die Larven, die ca. 10-20 mm lang werden, und an der Blattfläche fressen.

Ruebsenblattwespe
Rübsenblattwespe, Larve und Schadbild

Schnecken sollten nur mehr in sehr spät gesäten Beständen ein Problem darstellen, und sind teilweise mit Randbehandlungen (vor allem wenn gepflügt wurde) in den Griff zu bekommen. Sie können aber gerade bei pfluglosem Anbau auch flächendeckend auftreten und vor allem in der Phase der Keimung bis zum Auflauf massive Schäden verursachen. Ständige Kontrolle vor allem bei feuchter Witterung und später gesäten Beständen ist notwendig.

Unkrautbekämpfung:

Der wichtigste Faktor, um unerwünschte Unkräuter hintanzuhalten ist eine erfolgreiche Herbstunkrautbekämpfung in Verbindung mit einem wüchsigen, gut Unkraut unterdrückenden Rapsbestand. Alle Maßnahmen, die eine zügige Bestandesentwicklung fördern, stärken die Konkurrenzkraft Ihres Rapsbestandes und reduzieren den Unkrautdruck. Die Unkrautbekämpfung sollte im Raps im Vorauflauf oder im frühen Nachauflauf durchgeführt werden, da die Wirkung der meisten Produkte auf keimende und kleine Unkräuter am besten ist. In diesem Fall ist das richtige Stadium der Unkräuter für den Zeitpunkt der Anwendung wichtiger als die passende Bodenfeuchte.

Es stehen ab heurigen Jahr als Neuerung aber auch Metazachlorfreie Produkte für den späteren Nachauflauf (ab dem 2 Blatt bzw. 6 Blattstadium) bzw. für Wasserschon- und schutzgebiete zur Verfügung. Nachauflauf Herbizide können einerseits gezielt auf das vorhandene Unkrautspektrum abgestimmt werden, andererseits können sie zur Korrektur eingesetzt werden, wenn es im Vor- oder frühen Nachauflauf trockenheitsbedingte Wirkungslücken geben sollte.

Ausfallgetreide und Gräser können mit zugelassenen Herbiziden bekämpft werden, wüchsige Witterung und ein eventueller Netzmittelzusatz sichern die Wirkung ab.

Fazit

Hohe Rapserträge werden im Herbst angelegt - ich wünsche Ihnen viel Erfolg, die geplanten Maßnahmen in Ihrem Rapsbestand umzusetzen und stehe für Fragen gerne zur Verfügung!

 

Albert MUELLNER

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

Tel: +43 664 142 60 05

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