Rapserträge – welchen Einfluss hat die Sorte?

veröffentlicht am 14.07.2020

Die Rapserträge stagnieren in den letzten Jahren, doch woran liegt das? Wurde auf die falschen Sorten gesetzt? Wurde die Kulturführung nicht richtig gemacht?
Die Ertragsbildung beim Raps ist sehr komplex, meist sind es neben der Sorte die Wechselwirkungen von Standorteigenschaften wie Boden, Witterung und der Kulturführung (N-Düngung, Saattermin, etc.).
Der Saattermin muss auf den Betrieb abgestimmt sein, mit dem Ziel eine Vorwinterentwicklung zu erreichen, bei der die Pflanze 60–100 kg N oder mehr pro Hektar aufgenommen hat. Dafür muss die Pflanze das 6–8 Blatt Stadium sowie einen Wurzelhalsdurchmesser von mind. 5–7 mm haben.

Folgende Faustregeln sind empfehlenswert:
• Je höher und nördlicher der Raps angebaut wird, desto früher sollte man säen (vor 20. Aug.).
• Je mehr N-min im Boden vorhanden ist desto später kann gesät werden (z.B. Güllebetriebe).
• Es sollte auch immer Augenmerk auf die Großwetterlage gelegt werden, um den optimalen Saattermin zu wählen, der einen gleichmäßigen raschen Aufgang fördert.

Für homogene Aufgänge unter trockenen Bedingungen ist zu überlegen, den Raps mit der Einzelkornsämaschine zu säen, vor allem bei Mulchsaaten.
Dabei ist es wichtig, möglichst großkörniges und gleichmäßig kalibriertes Saatgut zu benutzen. Hierfür haben wir das Präzisionssaatgut der Sorte DK EXPRESSION im Sortiment, das den Anforderungen der Einzelkornsämaschinen entspricht.

Sortenwahl, Saatzeit und Entwicklung
Eine weitere wichtige Rolle spielen die Sorten und die Züchtung. Zu früh gesäte Bestände haben ein höheres Risiko von div. Krankheiten und Schädlingen Schaden zu nehmen. Der Spagat besteht darin, nicht zu früh zu säen und trotzdem eine ausreichende Vorwinterentwicklung der Rapswurzel und der Rapspflanze zu erreichen. Neue Sorten (vor allem TuY-virusresistente Sorten wie ARTEMIS) haben die Eigenschaft, eine sehr schnelle, zügige und massige Pflanzenentwicklung vor Vegetationsende zu haben, um die gewünschte Mindestentwicklung, auch bei späterem oder ungünstigem Anbau zu erreichen. Diese Mindestentwicklung ist die Grundlage für hohe Erträge und bessere Stresstoleranz.

Erfahrungen aus den letzten Jahren zeigten, dass zu starke Einkürzungsmaßnahmen bei Stress sich negativ auf den Ertrag auswirken können. Besser kamen die nicht zu stark eingekürzten, fast schon „überwachsenen“ Rapsbestände über die relativ milde Winterzeit. Viel gefährlicher waren die Spätfröste im April/Mai für die Kornanlagen.

Raps hat eine sehr gute Kompensationsfähigkeit bei guter Wurzelgrundlage und kann bei besser werdenden Bedingungen noch einiges an Ertrag über eine gesteigerte Korngröße erzielen.

Wasser als Hauptakteur
In den letzten Jahren hatte Raps sehr stark mit der Trockenheit zu kämpfen. Ausbleibende Winter- und Frühjahrsniederschläge lösen vor allem bei schlecht konditionierten Beständen mit wenig Wurzelmasse Wasserstress aus. Im Frühjahr folgt der Wasserbedarf der Trockenmasseentwicklung der Gesamtpflanze. Bis zum Blühbeginn im April sind das 6–7 t TM und von April bis Juli 10–13 t TM.
In den entscheidenden 75 Tagen zwischen Blüte und Reife ist Wasser der Erfolgsfaktor Nr. 1. In dieser Phase müssen mind. 300 mm Niederschlag oder als Feldkapazität zur Verfügung stehen. Die hohen Temperaturen und die damit verbundene höhere Verdunstung und Veratmung des Rapses sind die Hauptgründe stagnierender Erträge.

In den letzten Jahren konnten Züchter sehr gut unter Trockenheit, Hitze und Frost selektieren. Neben höchstem Kornertrag und Ölgehalt wird auf N-Effizienz, Robustheit, Trockenstresstoleranz und eine zügige Jugendentwicklung geachtet, um die Sorten bestens an die variablen Umweltbedingungen anzupassen.
Zum Faktor Ertragssicherheit zählt auch der Ausbau der vorhandenen Krankheitsresistenzen, vor allem mit dem Hintergrund, dass Pflanzenschutzmittel mehr und mehr in Kritik stehen. Phomaresistenz sowie Wasserrübenvergilbungsvirusresistenz gehören schon fast zur Standardausrüstung einer modernen Topsorte.
Das unterstreicht auch die Raps-Sortenwertprüfung der AGES, wo die Sorte ARTEMIS das Highlight dieser neuen stressgeprüften Sortengeneration darstellt.

 

Andreas AUINGER

Produktmanagement Getreide und Alternativen

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Hinweis der Boden.Wasser.Schutz.Beratung, LK OÖ, zur gewässerschonenden Rapsproduktion:

Achtung bei Herbiziden mit den „Problemwirkstoffen“ Metazachlor und Dimethachlor!

Der Einsatz des Wirkstoffes Metazachlor (Butisan, Fuego etc.) ist für Teilnehmer an der ÖPUL Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz auf Ackerflächen“ (GW 2020) bei Raps in der Gebietskulisse nicht möglich. Zusätzlich dürfen Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Metazachlor in Wasserschutz und -schongebieten nicht angewendet werden. Dasselbe gilt für den Wirkstoff Dimethachlor mit dem Produkt Colzor Trio, der ebenfalls in Wasserschutz- und -schongebieten nicht angewendet werden darf. Beide Wirkstoffe sind sehr leicht auswaschbar und werden verbreitet im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen. Aus Sicht des Grundwasserschutzes sollten beide Wirkstoffe nicht mehr verwendet werden. Informationen dazu bzw. zu den Alternativstrategien gibt’s bei der Boden.Wasser.Schutz.Beratung, LK OÖ unter 050 6902 1426 bzw. unter www.bwsb.at.