Wintergerste einen guten Start geben

veröffentlicht am 14.09.2017

Wintergerste überraschte heuer trotz widriger Witterung mit großteils guten Erträgen. Auch wenn diese Getreideart keine großen Ansprüche stellt, sind zur Absicherung des Ertragsvermögens doch einige Grundregeln zu beachten.

Bodenstruktur soll gute Bewurzelung ermöglichen

Unter allen Getreidearten hat die Gerste das geringste Wurzelbildungsvermögen (Sommergerste noch weniger als Wintergerste). Gute Erträge beruhen jedoch auf einer guten Bewurzelung – deshalb braucht es eine gute Bodenstruktur. Aufgrund der vielfach vorherrschenden Trockenheit (Trockengare) dürfte es heuer kein Problem sein, diese Grundvoraussetzung für die Gerste zu schaffen – egal ob mit Pflug oder pfluglos. Bei der Bodenbearbeitung sollte auf alle Fälle auf eine Mindestbearbeitungstiefe von zehn bis 15 cm (je nach Bodenverhältnissen) geachtet werden. Ein feines Saatbett ist auch wichtig für eine erfolgreiche Unkrautregulierung. Eine klutige Krume schließt Unkrautsamen ein und verringert die Wirkung der Herbizide.

Noch zwei bis drei Triebe im Herbst

Tendenziell wird die Vegetationszeit im Herbst aufgrund der Klimaveränderung länger. Dem sollte durch einen standortgerechten und nicht zu frühen Anbauzeitpunkt Rechnung getragen werden. Frühe Aussaatzeitpunkte können zu Erkrankungen der Bestände führen (Gelbverzwergungsvirus), die zusätzlichen Bekämpfungsaufwand erfordern. Im Herbst 2017 stehen letztmalig Insektizidbeizen zur Verfügung, die gegen Blattläuse als Überträger der Verzwergungsviren wirken. Das Befallsrisiko lässt sich aber auch durch spätere Aussaat senken. Empfehlenswert ist, den Anbauzeitpunkt etwa um den 20. bis 22. September zu planen; erfolgreicher Wintergerstenanbau ist bis Mitte Oktober möglich. Generell erfordern die höher gelegenen, kühlen Anbaugebiete im Mühl- und Waldviertel frühere Aussaattermine, in den Gunstlagen dagegen sind auch spätere Termine noch gut möglich. Die Wintergerste sollte im Herbst noch zwei bis drei Triebe ausbilden können.

Zweizeilig, mehrzeilig oder Hybrid

Bei der Sortenwahl ist bei der Wintergerste zunächst zu entscheidend, ob es eine zweizeilige oder eine mehrzeilige Sorte sein soll; bei den Mehrzeiligen gibt es zudem noch die Sondergruppe der Hybriden (z. B. >SY LEOO). Jede Form hat ihre Vor- und Nachteile – den Ausschlag dafür, was angebaut wird, geben letztendlich der Verwendungszweck und die persönliche Vorliebe des Landwirts. Geht es rein um das Ertragsniveau, dann liegen die mehrzeiligen Gersten voran (eine Ausnahme hiervon ist jedoch die zweizeilige Sorte >LENTIA, die im Trockengebiet das Niveau der mehrzeiligen erreicht bzw. übertrifft).

Charakteristika der mehrzeiligen Sorten:

 - ein geringerer Anspruch an Boden und Düngung

 - ein leicht niedrigeres Hektolitergewicht

 - ein etwas geringerer Futterwert (durch den höheren Spelzanteil, höhere Rohfaser-Werte)

 - im Mittel höheres Ertragsniveau

Argumente, die für zweizeilige Sorten sprechen:

 - die bessere Kornausbildung

 - der höhere Futterwert

 - eine im Mittel leicht bessere Standfestigkeit

Zweizeilige Sorten brauchen etwas mehr Saatstärke und Düngung, damit sie über die Bestandsdichte ihr Ertragsoptimum ausschöpfen können. In der Krankheitsanfälligkeit gibt es keine massiven Unterschiede. Viele Sorten sind resistent gegen die bodenbürtigen Gelbmosaikviren (im österreichischen Anbau spielen diese Virosen insgesamt eine untergeordnete Rolle). Die dominierende Ramularia oder Sprenkelkrankheit ist in allen Sorten bekämpfungswürdig, wobei Netzflecken und Zwergrost in ausreichendem Maße miterfasst werden. Im Bereich der Winterbraugersten als Alternative zu den Sommerformen hat sich züchterisch auch in Österreich sehr viel getan (die Sorte >MONROE ist eine österreichische Entwicklung). Entsprechende Kontrakte werden von den Aufkäufern angeboten. Die pflanzenbaulichen Maßnahmen im Herbst sind ident mit denen bei anderen zweizeiligen Sorten.

Saatstärken

Zweizeilige Sorten sind etwas dichter zu säen,  mehrzeilige Sorten können dünner angebaut werden. Letztlich bestimmt der Zustand des Saatbetts und die Saatzeit die Saatstärke. Als Richtwerte gelten 280 bis 360 Körner/m² bei zweizeiligen sowie 180 (Hybridsorten) bis 320 Körner/m² bei den mehrzeiligen Sorten.

Zweizeilig: >ANEMONE

Mehrzeilig: >SU ELLEN

Ausgleichsdüngung zur Strohrotte

Die Wintergerste steht in vielen Betrieben nach Winterweizen. Da das Stroh heutzutage in den meisten Betrieben am Feld verbleibt, bedarf es zur optimalen Strohrotte einer Ausgleichsdüngung. Viehhaltende Betriebe können den dafür notwendigen Stickstoff über die organische Düngung auf das Feld bringen, viehlose Betriebe sollten zur Stroheinarbeitung 30 bis 40 kg/ha Stickstoff ausbringen. Darüber hinaus ist im Herbst keine Düngung erforderlich. Ist der Boden insgesamt gut mit Nährstoffen versorgt und passt die Struktur, dann kann der Stickstoffbedarf der Rotte auch über die Frühjahrsdüngung ausgeglichen werden. Phosphor und Kali können im Sommer, Herbst oder Frühjahr gegeben werden.

Pflanzenschutz besser bereits im Herbst

Je früher die Aussaat, umso dringender und wichtiger ist die Unkrautbeseitigung im Herbst. Entwickelt sich die Wintergerste gut, dann zeigt auch das Unkraut ein üppiges Wachstum (gilt auch für Winterroggen, Winterweizen und Wintertriticale). Reagiert man hier nicht rechtzeitig, dann kann die gut entwickelte Herbst-Unkrautflora im Frühjahr schnell zu einer Wasser-, Licht- und Nährstoffkonkurrenz für die Kulturpflanze werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn man im Frühjahr nicht rechtzeitig ins Feld kann. Auch die vielfältigeren Möglichkeiten des Wirkstoffwechsels im Rahmen einer Anti-Resistenz-Strategie sprechen für die Unkrautregulation im Herbst. Verspätete Unkrautbekämpfung bedeutet immer auch höhere Aufwandmengen und damit höhere Kosten. Wer z. B. Probleme mit Disteln hat, kann diese im Frühjahr wesentlich effizienter bekämpfen, wenn bereits eine Herbstbehandlung gegen alle anderen unerwünschten Begleitpflanzen erfolgte.

Der richtige Zeitpunkt für die Herbizidapplikation im Herbst ist ab dem Zweiblattstadium gekommen. Wo erforderlich (Kontrolle!) kann zugleich auch ein Insektizid gegen Blattläuse ausgebracht werden. Dies beugt Infektionen mit dem Verzwergungsvirus vor.

 

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