So gelingt der Sojaanbau 2019!

veröffentlicht am 03.04.2019

Die Sojabohnenanbaufläche ist von 2017 auf 2018 von 64.200 ha auf knapp 67.600 ha gewachsen, die Bio-Sojabohne nahm 2017 davon 17.700 ha ein und ist im Jahr 2018 auf 19.100 ha gestiegen.

Vor 10 Jahren, im Jahr 2008, betrug die Gesamtsojafläche in Österreich nur 18.300 ha und die Biosojafläche nur 1.600 ha. Das heißt innerhalb von 10 Jahren hat sich in Österreich die Gesamtfläche fast vervierfacht und die Bio-Sojabohne verzwölffacht!

In dieser Flächensteigerung sind sowohl bestehende Betriebe, die ihre Sojafläche deutlich gesteigert haben, als auch Neueinsteiger enthalten. Die letzten Jahre haben unter stark wechselnden Bedingungen (Kälte und Nässe, bzw. Trockenheit zum Anbau, Kälte in der Blüte, Trockenheit im Sommer…) die Anbauer immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Gerade das Jahr 2018 war nördlich der Alpen in Nieder- und Oberösterreich (und darüber hinaus in Deutschland, Tschechien und Polen) durch eine extreme Trockenheit geprägt, während der Süden Österreichs teilweise deutlich überdurchschnittliche Niederschläge erhielt.

Da aufgrund der Nachfrage nach GMO freier Sojabohne mit einer weiteren Ausweitung der Anbauflächen sowohl in Österreich als auch im übrigen Europa zu rechnen ist, stellt sich die Frage, wie bestehende Sojaanbauer die Erträge steigern bzw. die Ertragssicherheit erhöhen können und Neueinsteiger von Beginn an stabile Erträge erreichen.

 

Boden und Nährstoffe

Die Sojabohne hat höhere Temperaturansprüche zur Keimung (ca. 10 °C im Vergleich zu Mais mit ca. 8 °C) und bevorzugt durch die besondere Form der epigäischen Keimung (der Keimstängel, botanisch Hypokotyl, durchbricht die Erdoberfläche und hebt die Keimblätter empor) Böden mit guter Struktur und rascher Erwärmung. Vor allem auf schweren, kalten und zur Verschlämmung neigenden Böden können vor der Saat 500 – 800 kg/ha Misch- oder Branntkalk ausgebracht und in den Saathorizont eingearbeitet werden. Das führt zu einer Erhöhung der Krümelstabilität, weniger Verschlämmung und dadurch zu besseren Feldaufgängen und einem verbesserten Gasaustausch der Böden. Dies wiederum dient der Optimierung der Aktivität der Knöllchenbakterien die, um effizient arbeiten zu können, entsprechend Luft im Boden benötigen.

Optimal für die Aktivität der Knöllchenbakterien sind pH-Werte von 6,0 – 7,0 und gleichzeitig ist in diesem Bereich die Phosphor- und Molybdänverfügbarkeit besser. Molybdän als eines der wichtigsten Spurenelemente bei Leguminosen ist vor allem bei zu tiefen pH-Werten schlechter verfügbar.

Auf Böden mit schlechter Nährstoffversorgung (A und B Versorgung vor allem bei Phosphor) bringt auch eine dem Bedarf angepasste Düngung zur Sojabohne Mehrerträge. Phosphor ist Energieträger in der Pflanze, damit an allen wichtigen Stoffwechselvorgängen beteiligt und sehr wichtig im N2 Fixierungsprozess. Eine ausreichende P-Verfügbarkeit erhöht die Knöllchenanzahl und –größe, die Effizienz der Stickstoff-Fixierung und damit natürlich den Ertrag und den Proteingehalt.

Zu empfehlen ist das rechtzeitige Abschleppen gepflügter oder gegrubberter Böden, sobald diese ausreichend abgetrocknet sind, zur Reduktion von unnötiger Verdunstung (gerade im Trockengebiet) und zum Einebnen des Saatbettes (Grundvoraussetzung für eine verlustarme Ernte). Auch Flächen mit abfrostenden oder winterharten Zwischenfrüchten sollten rechtzeitig vor der Saat bearbeitet werden, um die Bodenerwärmung, gerade in Randlagen, sicher zu stellen. Die Bearbeitung dieser Begrünungen stellt immer einen Kompromiss zwischen größtmöglichem Erosionsschutz in Hanglagen durch wenig Bodenbearbeitung und ausreichender Bodenbearbeitung zur Bodenerwärmung dar. Durch diese Schritte werden auch erste Unkrautsamen zur Keimung angeregt und falls - je nach Frühjahrswitterung - ausreichende Zeit zur Verfügung steht, kann mit ein bis zwei leichten Striegeldurchgängen (ähnlich der Vorgehensweise im Biolandbau) das Auflaufen von Unkräutern gefördert werden. Diese können dann mit der Saatbettbereitung beseitigt werden, wodurch sich der Unkrautdruck in der Kultur reduziert.

Gleichzeitig erwärmt sich der lockere obere Bodenhorizont schneller als die tiefer liegenden, feuchten Bodenschichten. Zur Saat selbst wird dann möglichst nur mehr auf die angepeilte Ablagetiefe von 3 – 4 cm bearbeitet um die Kapillarität zu erhalten und einen einheitlichen Aufgang der Bestände zu erzielen. Die Bodenbearbeitung und die Samenablage in einheitlicher Tiefe des Saathorizontes fördern die Entwicklung eines gleichmäßigen Bestandes und somit auch die gleichmäßige Abreife. Last but not least dient ein feinkrümeliges Saatbett der guten Wirkung von Vorauflaufherbiziden.

 

Saat und Saatzeitpunkt:

Durch die höheren Ansprüche an die Keimtemperatur im Vergleich zu Mais sollte die Sojabohne keinesfalls zu früh bzw. vor Schlechtwetterperioden ausgesät werden. Eine Saat in ein ausreichend erwärmtes Saatbett fördert einen raschen, einheitlichen Feldaufgang, eine schnelle Jugendentwicklung, damit eine verstärkte Konkurrenzkraft gegen Unkräuter und einen früheren Blühbeginn. Auch wirkt die Inokulierung unter diesen Bedingungen besser als wenn das Saatgut zu lange in kalter Erde liegt. Generell kann gesagt werden, dass die Aussaat in eine Schönwetterphase hinein erfolgen sollte. Bei feucht-kühler Witterung nach der Aussaat leidet Sojabohne deutlich mehr als Mais und bildet ungleichmäßige, schwache Bestände aus, die ertraglich stärker unter eventuell nachfolgender Trockenheit leiden.

 

Beimpfung - Innokulierung:

Das Sojabohnensaatgut wird zumeist fix fertig beimpft angeboten, zur Erhaltung der Lebensfähigkeit der Knöllchenbakterien muss das Saatgut kühl und trocken bei möglichst wenig Lichteinfluss gelagert werden. Dazu zählt auch die Lagerung unmittelbar vor der Aussaat, denn die Knöllchenbakterien sind relativ empfindlich gegenüber Licht und Wärme, unabhängig von der Art der Inokulierung. Wer die Leistung der Knöllchenbakterien - vor allem auf jungfräulichen Sojaböden und sehr schweren, schlecht durchlüfteten Böden - steigern möchte, kann unmittelbar zur Aussaat eine zusätzliche Inokulierung mit festen oder flüssigen Präparaten (z.B Turbosoy®) durchführen. Dabei ist eine schonende Behandlung des Saatgutes Grundvoraussetzung, da mechanische Belastungen (in Schnecken, Mischmaschinen..) zu Schäden am Saatgut und damit zu Keimfähigkeitsverlusten führen können.

Welche Leistungen die Knöllchenbakterien erbringen, sieht man, wenn man den Gesamtnährstoffbedarf der Sojabohne pro Tonne Erntegut von ca. 28 kg P2O5, 55 kg K2O, 17 kg MgO und 70 – 75 kg N betrachtet. Eine gut wirksame Inokulierung stellt über die Bindung von Luftstickstoff in Kombination mit dem Stickstoff aus der Bodenmineralisierung die N-Versorgung der Sojabohne für Höchsterträge sicher.

 

Sortenwahl und Saatstärke

Aus pflanzenbaulicher Sicht sind Temperatur und Niederschlagsmenge die maßgeblichsten Faktoren der Ertragsbildung. Wählen Sie immer eine Ihrer Region angepasste Reifegruppe, auch sehr warme Jahre wie 2018 und die damit einhergehende frühe Abreife sollten nicht dazu verleiten, all zu späte Sorten auszuwählen. Ausreichende Wärmesummen sind Grundvoraussetzung für hohe Erträge und die rechtzeitige Abreife der Bestände für gute Erntegutqualitäten. Nutzen Sie den Zuchtfortschritt im frühen und mittelfrühen Reifebereich. Um das Ertragspotenzial der Sorten (je nach Reifegruppe, Standfestigkeit und Aussaattechnik) optimal auszunutzen, sollten die früheren Sorten der Reifegruppe 000 mit Saatstärken von 60 – 70 Körnern/m², die Sorten der mittleren Reifegruppe 00 mit ca. 60 Körnern/m² und die Sorten der späten Reifegruppe 0 mit 50 – 60 Körner /m² ausgesät werden. Entsprechende Zuschläge zur Saatstärke bei geplanten mechanischen Pflanzenschutzmaßnahmen wie striegeln oder hacken sind betriebsindividuell durchzuführen.

Grundsätzlich können sowohl mit der Drillsaat als auch mit der Einzelkornsaat hohe und sichere Erträge bei der Sojabohne erzielt werden, die Vor- und Nachteile der jeweiligen Technik kommen eher je nach betrieblichen Voraussetzungen, Boden und Witterung zu tragen.

 

Vorteile der Drillsaat:

  • die Anbautechnik von Getreide kann verwendet werden - Kostenreduktion, hohe Flächenleistung, keine zusätzliche Investition

  • schnellere Bodenbedeckung – weniger Erosion

  • dadurch weniger Austrocknung zwischen den Reihen

  • weniger Probleme mit Unkraut durch schnelleren Bestandesschluss

  • bessere Verteilung der Pflanzen auf der Fläche – bei 13 cm Reihenweite und 60 K/m² ist der Abstand in der Reihe bei exakter Ablage 13 cm = Quadratverband

  • optimale Ausnutzung von Licht, Wasser und Nährstoffen

 

Nachteile der Drillsaat:

  • die Verteilung der Körner innerhalb der Reihe ist nicht immer optimal, Haufenbildung…

  • bei trockener Witterung zur Aussaat ist die Rückverfestigung der Saatreihe nicht so optimal wie bei der Einzelkornsaat

  • die Tiefenführung der Schare und damit Kornablage ist ungleichmäßiger und damit auch der Aufgang

  • keine Möglichkeiten zu hacken -  mechanische Unkrautbekämpfung nur durch Striegeln möglich

 

Vorteile der Einzelkornsaat:

  • exakte Ablagetiefe und Ablageabstände innerhalb der Reihe

  • bessere Durchlüftung des Bestandes – rascheres Abtrocknen, weniger Krankheiten

  • eventuell leichte Reduktion der Saatstärke (5 – 10 %) durch bessere Verzweigung möglich (nur bei verzweigenden Sorten)

  • besserer Feldaufgang besonders unter nicht optimalen Bedingungen (Trockenheit, Verschlämmung…)

  • bessere Eignung für Minimalbodenbearbeitung durch Schneidscheiben und Sternradräumer für Ernterückstände

  • platzierte Düngung mit Phosphor Dünger möglich

  • gute Möglichkeiten der mechanischen Unkrautbekämpfung – Hacke

 

Nachteile der Einzelkornsaat:

  • späterer Reihenschluss mit weniger Beschattung zwischen den Reihen – Unkrautproblem (Spätverunkrautung eventuell stärker)

  • späterer Reihenschluss – mehr Erosionsprobleme

  • Austrocknung zwischen den Reihen – eventuell gerade dann, wenn in der Phase der Kornfüllung Wasser knapp ist

  • enger Abstand in der Reihe von Korn zu Korn, z.B. bei 45 cm Reihenweite und 60 K/m² ein Abstand von 3,7 cm in der Reihe

  • eventuell Reduzierung des Inokulats bei pneumatischen Einzelkornsägeräten und Trockeninokulierung

 

Unkrautregulierung

Aufgrund der mäßigen Konkurrenzkraft gegen Unkräuter und dem Vorhandensein von Unkräutern die die Ernte unmöglich machen (wie z.B. schwarzer Nachtschatten) ist eine erfolgreiche mechanische oder chemische Unkrautregulierung für einen ertragreichen Sojabohnenanbau unabdingbar. Es steht nur eine eingeschränkte Anzahl an Herbiziden zur Verfügung. Die Rahmenbedingungen wie Unkrautdruck, Wetter, Entwicklungsstadium… haben einen wesentlichen Einfluss und in den meisten Fällen wird eine einmalige Behandlung nicht ausreichen. Bei passenden Verhältnissen (Bodenfeuchtigkeit, keine Vorhersage von großen Niederschlagsmengen…) sollten unbedingt die Möglichkeiten im Vorauflauf genutzt werden.

Bei der Behandlung im Nachauflauf dürfen die Unkräuter keinesfalls zu groß sein. Aufgrund der Resistenzentwicklung bei einigen Unkräutern in den letzten Jahren empfiehlt es sich, den Anwendungsempfehlungen der Offizialberatung und der Pflanzenschutzmittelfirmen aufmerksam zu folgen.

Gleichzeitig gilt es auch mechanische Maßnahmen in konventionelle Strategien einzubinden, um eine sichere Kontrolle schwer bekämpfbarer Unkräuter zu ermöglichen und die Entwicklung von Resistenzen hintanzuhalten. Zusätzlich zur Unkrautregulierung führt das Brechen von Krusten zu einer intensiveren Bodendurchlüftung und damit einer besseren Wirkung der Beimpfung.

 

Fazit

Die bestmögliche Kombination der unterschiedlichen Maßnahmen wird durch Sie als Betriebsleiter je nach Standort, Bodenart, Frühjahrswitterung, Unkraut- und Kostensituation erfolgen und in Kombination mit einer möglichst verlustfreien Ernte zu stabilen Erträgen und einer weiteren Attraktivität des Sojaanbaus führen.

>Sojabohnensorten (konv.) der SAATBAU LINZ

>Bio-Sojabohnensorten der SAATBAU LINZ

 

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

Tel: +43 664 142 60 05

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