Erfolgreich Raps anbauen!

veröffentlicht am 18.08.2020

Der Rapsanbau 2020 verläuft in Österreich großteils optimal. Mit der Auswahl der richtigen Sorte und optimaler Bestandesführung legen Sie den Grundstein für maximales Ertragspotenzial.

 

Für viele Pflanzen gibt es einen idealen Witterungsverlauf, der zur Ernte in hohen Erträgen resultiert. Die geänderten Klimabedingungen der letzten Jahre stellen auch für den Rapsanbau eine Herausforderung dar. Insbesondere eine starke Frühjahrstrockenheit führt auf trockenen Standorten zu empfindlichen Ertragseinbußen und zeigt auf, wie wichtig eine optimale Herbstentwicklung für Ertrag und Ertragssicherheit ist. Eine tiefe Bodenbearbeitung und exakte Aussaat muss durch geeignete Düngungs-, Unkraut sowie Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen bzw. einem - der Witterung und Bestandesentwicklung angepassten Fungizideinsatz abgesichert werden.

 

Die Grunddüngung wird zu Raps idealerweise schon zur Grundbodenbearbeitung gegeben und eingemischt, kann aber auch noch zur Aussaat oder danach gegeben werden – achten Sie bei der Kalidüngung auf trockene Bestände.

Der Stickstoffbedarf bei Winterraps liegt bei ca. 50 kg Rein-N pro Tonne Ertragserwartung. Dieser Bedarf muss in Summe aus Herbstaufnahme, Nmin im Frühjahr, Nachlieferung aus dem Boden und Zufuhr über Mineraldünger oder organische Düngung gedeckt werden. Ein idealer Rapsbestand mit 10 – 12 Blättern und ca. 10 mm Wurzelhalsdurchmesser kann bis zu 100 kg N/ha bereits im Herbst aufnehmen und bis ins Frühjahr konservieren. Somit braucht Raps je nach unterschiedlichen Bedingungen eine Düngung von ca. 30 – 50 kg N/ha im Herbst. Der Zeitpunkt und die Menge der Düngung richten sich nach der Entwicklung und dem Saatzeitpunkt.

Der Spurenelementbedarf bei Raps liegt bei ca. 600 g/ha Bor, ca. 1.700 g/ha Mangan und ca. 5 – 12 g/ha Molybdän (Quelle: Yara)

Bor als das wichtigste Spurenelement wird vor allem bei Trockenheit und hohen pH-Werten festgelegt. Wir empfehlen im Herbst eine einmalige Zugabe von 150 g/ha. Es ist darauf zu achten, dass durch den Effekt mancher Borprodukte, den pH-Wert stark zu erhöhen, die Wirksamkeit und Wirkdauer von Insektiziden deutlich herabgesetzt werden kann.

Deutlich niedriger ist der Bedarf an Molybdän. Als essentieller Pflanzennährstoff ist Molybdän an wichtigen Stoffwechselvorgängen in der Pflanze beteiligt. Eine direkt am Saatkorn aufgebrachte Menge Molybdän (Opticare Beizung bei den Hybriden ARTEMIS, DK EXPRESSION, DK EXPEDIENT, ANGELICO, der kohlhernieresistenten Hybride SY ALIBABA und der Liniensorte RANDY) sichert die ausreichende Versorgung der jungen Rapspflanze im Herbst gerade unter ungünstigen Witterungs- oder Bodenverhältnissen ab, somit ist im Herbst keine zusätzliche Düngung notwendig.

800 – 1000 kg/ha Branntkalk oberflächlich auf den vorbereiteten Acker ausgebracht und in den Boden eingearbeitet ist vorteilhaft für den Erhalt der Krümelstabilität, der Verringerung von Verschlämmungen, zur Stabilisierung des pH-Wertes sowie zur phytosanitären Wirkung  gegen Kohlhernie und in begrenztem Ausmaß gegen Schnecken. Sollte vor der Saat noch keine Kalkung erfolgt sein, so besteht mit Kalkstickstoff die Möglichkeit, ab dem 4-Blattstadium eine Maßnahme zur Erhöhung des pH-Werts zu setzen. Auf gut abgetrocknete Rapspflanzen bei der Anwendung ist zu achten!

 

Alle Maßnahmen mit Fungiziden im Herbst haben das Ziel, ein Überwachsen der Bestände (Abheben des Vegetationskegels und Sprossstreckung) zu verhindern und Infektionen mit Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) hintanzuhalten und damit die Absicherung der Winterfestigkeit. Die Sortenwahl bleibt die sicherste Maßnahme gegen Phoma und senkt das Befallsrisiko deutlich (z.B. bei ANGELICO und ARTEMIS).

Das Wasserrübenvergilbungsvirus (Turnip yellows virus – TuYV) führt zu einer verminderten Anzahl Samen pro Schote und reduziert den Ölgehalt in den Samen – zusätzlich wird die Ölqualität negativ beeinflusst, indem die Gehalte an Erucasäure und Glucosinolaten erhöht werden.

Maßnahmen dagegen sind eine gute Ackerhygiene für die gründliche Beseitigung von Ausfallraps und Ackerunkräutern um die „grünen Brücken“ für die Blattläuse als Überträger zu verringern sowie der Anbau von resistenten Sorten wie ARTEMIS oder ANGELICO.

 

Rapserdfloh, Rübsenblattwespe, Kleine Kohlfliege, Schnecken und Mäusen können den Rapsbestand im Herbst schädigen. Gegen Schnecken und Mäuse hilft eine intensive Bodenbearbeitung mit guter Rückverfestigung, gegen die Kohlfliege eine nicht zu frühe Aussaat nach dem 20. August. Beim Rapserdfloh verursachen die Larven durch den Minierfraß im Stängel den Hauptschaden und wenn die Fangzahlen und der Fraß nach dem Aufgang nicht zu hoch sind, sollte der  Insektizideinsatz zum Hauptzuflug Ende September – Anfang Oktober erfolgen.

 

Der wichtigste Faktor, um unerwünschte Unkräuter hintanzuhalten ist eine erfolgreiche Herbstunkrautbekämpfung im Vorauflauf oder im frühen Nachauflauf in Verbindung mit einem wüchsigen, gut Unkraut unterdrückenden Rapsbestand.

 

Fazit: Hohe Rapserträge werden im Herbst angelegt - über Bodenbearbeitung, Aussaat, Sortenwahl und Ackerhygiene sind viele Probleme im Vorfeld besser zu lösen als durch Pflanzenschutz!

 

Weitere wichtige Praxistipps zum Anbau von Winterraps erhalten Sie hier!

 

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

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