Grünland unter Druck – Grünlandpflege wichtiger als je zuvor!

veröffentlicht am 19.03.2020

Das Grünland war in den letzten Jahren zusehends mehreren Stressfaktoren gleichzeitig ausgesetzt. Einerseits machen die Engerlinge der Mai- und Junikäfer den Grünlandbeständen zu schaffen, andererseits sind wir vor allem nördlich der Alpen mit steigenden Temperaturen (inkl. Zunahme an Hitzetagen über 30 °C) und sinkenden Niederschlägen während der Vegetationsperiode (April bis September) konfrontiert. Diese zusätzlichen Stressfaktoren bringen das System Grünland an seine Grenzen.

Striegeln im GruenlandWährend gewisse Umweltfaktoren nicht verändert werden können, kann die Bewirtschaftung durch den Landwirt sehr wohl angepasst werden, um das Grünland fit für die Zukunft zu machen. Neben der entzugsorientierten Düngung des Grünlandes ist vor allem die Nachsaat mit standort- und nutzungsangepassten Grünlandmischungen eine wichtige Maßnahme, um unter sich ändernden Umweltfaktoren das Grünland noch erfolgreich und ertragreich bewirtschaften zu können. Durch die ertragsbetonte Bewirtschaftung von 4 bis zu 6 Schnitten wird den Gräsern die Möglichkeit genommen, sich generativ über Samen zu vermehren (Schnittzeitpunkt vor ­Samenreife). Daher ist die Nachlieferung von Samen gewünschter Arten unumgänglich, weil sich sonst unerwünschte Gräser (wie z.B. die Gemeine Rispe) und Kräuter im Bestand ausbreiten können.

Bei lückigen Beständen (handtellergroße Lücken) empfiehlt sich eine Nachsaat bereits im Frühjahr (z.B. im Zuge des Abschleppens). Ansonsten zeigt die Praxis, dass v. a. der August jener Monat ist, der die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nachsaat bringt: Der bestehende Pflanzenbestand ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so konkurrenzstark, was das Auflaufen der nachgesäten Mischung begünstigt. Gleichzeitig werden die Tage kürzer (weniger austrocknende Sonneneinstrahlung) und die Taubildung nimmt zu, was das Risiko verringert, dass die ausgebrachten Samen nach der Keimung vertrocknen. Bei der Nachsaat wird eine Ausbringungsmenge von 12–15 kg Grünlandmischung je ha empfohlen. Eine beobachtbare Bestandesverschiebung wird durch die Nachsaat allerdings erst nach einigen Jahren bei konsequenter Nachsaat zu sehen sein.

Die Sanierung des Grünlandes ist eine sehr geeignete Maßnahme, um Ungräser, wie die Gemeine Rispe, die oberirdische Ausläufer bildet, aus dem Bestand zu „kämmen“. Dabei wird mit einem Stark­striegel das Grünland kreuzweise bearbeitet und die unerwünschten Pflanzen zum Teil ausgerissen. In der Folge muss das ausgerissene organische Material von der Fläche verbracht werden (z.B. Kompostierung und Ausbringung am Acker). Die bewusst geschaffenen Bestandeslücken bilden gute Keimbedingungen für die ausgebrachten Samen. Neben dem Ausreißen der Gemeinen Rispe ist diese Sanierung aber auch hervorragend geeignet, um raschere Erfolge in der Verschiebung des Pflanzenbestandes zu erzielen. Da diese Maßnahme sehr arbeitsintensiv ist (kreuzweises Ausstriegeln, Schwaden, Abtransport, Aussaat einer geeigneten Grünlandmischung, langsames Anwalzen), sollte sie im Vorfeld gut organisiert und in Zusammenarbeit mehrerer Personen oder überbetrieblich abgewickelt werden. Bei der Sanierung sollten, wie bei einer Neuanlage des Grünlandes, 25–30 kg/ha der angepassten Grünlandmischung ausgebracht werden. Als Durchführungszeitpunkt empfiehlt sich aufgrund der oben genannten Gründe ebenfalls wieder der August.

 

DI Johannes HINTRINGER

Projektleiter Grünland, Maschinenring OÖ

 

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