Einzelkornsaat bei Raps

veröffentlicht am 22.08.2017

Neue und äußerst interessante Entwicklungen bei Bodenbearbeitung, Aussaat und Düngung sollen auch unter Stress eine sichere Entwicklung der Rapsbestände bringen. Diese versprechen dem Landwirt ertragliche, arbeitswirtschaftliche und wirtschaftliche Vorteile.

Die Einzelkornsaat bei Raps (teilweise in Verbindung mit Strip till) ist eine Entwicklung, die in den letzten Jahren intensiver diskutiert wird: Ziel jeder Bodenbearbeitungsmaßnahme im Rapsanbau ist es, ein tief gelockertes, feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett mit nicht zu hohen Mengen an Ernterückständen im Keimhorizont zu schaffen. Die kleinen Rapskörner benötigen einen ausreichenden Bodenschluss mit kapillarer Wassernachlieferung, um schnell und vor allem gleichmäßig keimen zu können. Dies ist Voraussetzung für gleichmäßige, schnelle Feldaufgänge und ein damit einhergehendes rasches Wurzeltiefenwachstum, um eine stabile Entwicklung der Rapspflanze vor dem Winter zu gewährleisten.

Um möglichst gleichmäßige, gut entwickelte Bestände zu erreichen und diese auch unter schwierigen Bedingungen zu Höchsterträgen auf allen Standorten zu führen, unterstützt eine Einzelkornsaat mit Reihenabständen von 30 – 50 cm eine optimale Standraumverteilung.

Gleichmäßige Ablagetiefe und sehr gute Einbettung des Rapskorns durch die Einzelkornsaattechnik

Obwohl auch die Drillsaat in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte in der Einhaltung einer gleichmäßigen Ablagetiefe und bei der guten Rückverfestigung durch vor- und nachlaufende Druckrollen gemacht hat, liegen einige Vorteile der Einzelkornsätechnik auf der Hand. Die Technik der verschiedenen Anbieter garantiert eine sehr genaue Einhaltung der Ablagetiefe von 2–3 cm auf den wasserführenden Horizont über einstellbare Tiefenbegrenzer und nachlaufende Andruckrollen.

Auch bei einem etwas gröber bereiteten Saatbett gelingt eine konstante Ablage und Bedeckungshöhe des Saatguts. Die nachlaufenden kleinen Andruckrollen in der Saatrille gewährleisten einen guten Anschluss an den wasserführenden Unterboden, damit eine schnelle Keimung und maximalen Feldaufgang.

Im Optimalfall benötigt das Rapskorn ca. zwei Tage zur Keimung und wächst anschließend ca. einen Zentimeter pro Tag, könnte also unter idealen Bedingungen 5 Tage nach der Saat auflaufen.

Gleichzeitig bleibt – im Gegensatz zum flächigen Walzen nach der Saat – bei der Einzelkornsaat der Boden zwischen den Reihen locker und ermöglicht eine gute Wasserinfiltration auch bei Starkniederschlägen und vermindert dadurch Erosionsschäden.

Beste Standraumverteilung in der Reihe

Durch die mechanische oder pneumatische Kornvereinzelung kommt es zu einer optimierten Längsverteilung innerhalb der Reihe. Kräftige, gut entwickelte Einzelpflanzen sind die Folge und bilden eine tief gehende Pfahlwurzel aus, was vor allem unter Stressbedingungen wie Trockenheit oder Nährstoffmangel zu erhöhter Ertragssicherheit führt. Ein Abstand der einzelnen Körner in der Reihe von 5 cm sollte aber nicht unterschritten werden, um die Konkurrenz unter den Einzelpflanzen nicht zu stark zu erhöhen. Bei einem Reihenabstand von 45 cm entspricht eine Saatstärke von 45 Körnern/m² einem Abstand in der Reihe von 5 cm (Saatstärke von 40 Körnern/m² – Abstand in der Reihe 5,6 cm).

Bessere Auslastung vorhandener Einzelkornsätechnik aus dem Rüben- oder Sojabereich

Die meisten Betriebe verwenden die für den Rüben- oder Sojaanbau angeschafften Einzelkornsägeräte, die relativ einfach und kostengünstig auf den Rapsanbau umgerüstet werden können. Je nach Anbieter werden bei pneumatischen Geräten Vereinzelungsscheiben mit Bohrlochdurchmessern von 0,9 bis 1,3 mm verwendet.

Gleichmäßigerer Feldaufgang vor allem unter erschwerten Bedingungen

Wenn die oberste Bodenschicht zu stark ausgetrocknet ist und zu wenig Wasser für eine sichere Keimung enthält oder wenn sich sehr viele Ernterückstände in der Saatreihe befinden, die Keimwasser binden, kann man durch den Platz zwischen den Reihen mit einem tiefer eingestellten Räumstern die trockene Erde samt Ernterückständen aus der Saatreihe befördern. Dadurch kommt das Rapskorn in einer eingetieften Rille auf wasserführendem Horizont zu liegen und keimt dadurch sicherer. Gleichzeitig werden Ernterückstände und zu einem gewissen Teil auch Ausfallgetreidekörner aus dem Ablagehorizont befördert (vor allem in Verbindung mit Strip till) und eine ungestörte Entwicklung der Rapspflanze sichergestellt.

Zusätzlich kann diese Rille im folgenden Winter Schnee bei windigen Bedingungen besser festhalten und schützt dadurch einen näher an der Bodenoberfläche liegenden Vegetationskegel vor Auswinterung bei tiefen Temperaturen in Verbindung mit Wind.

Ausgeglichene Vorwinterentwicklung mit stabilen Einzelpflanzen und damit geringeres  Auswinterungsrisiko

Durch die exakte Ablage bei der Einzelkornsaat und den gleichmäßigen Auflauf entstehen vor allem bei Hybridsorten wie DK EXPRESSION stabile Einzelpflanzen mit einem tiefreichenden Wurzelsystem. Es kommt nicht zu einem verzettelten Auflauf, wie oft bei der Drillsaat zu beobachten ist, bei dem die später aufgelaufenen, schwächeren Pflanzen von den stärkeren unterdrückt werden und es schwierig ist, den richtigen Termin für den Wachstumsreglereinsatz im Herbst zu finden. Das alles in Verbindung mit einer guten Winterhärte der Sorten führt zu einer sehr guten Überwinterung der Rapsbestände, damit zu erhöhter Ertragssicherheit und weniger Spätverunkrautung durch Fehlstellen.

Bessere Belichtung des Bestandes durch höheren Reihenabstand im Vergleich zur Drillsaat

Durch die optimalere Belichtung im Bestand können sich die Einzelpflanzen besser entwickeln und die Bestände im Vergleich zur Drillsaat gehen weniger ins Lager. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt ist unter sehr feuchten Bedingungen auch die Durchlüftung und Abtrocknung der Bestände besser. Der größere Reihenabstand führt zu einer stärkeren Verzweigung der Einzelpflanzen zu einer verlängerten Blühphase und damit zu stabileren Erträgen. Beide Auswirkun­gen sind an und für sich positiv, können unter Umständen aber auch zu einem leichten Nachteil gegenüber dichteren Beständen bei Drillsaat werden.

Möglichkeit der Kombination mit Reihendüngungsmaßnahmen, (N, P, …) durch platzierte Unterfuß- oder Unterflurdüngung in Kombination mit Strip till Verfahren

Bei der Einzelkornsaat stehen damit vollkommen neue Möglichkeiten der Düngerplatzierung bei Raps zur Verfügung. Dies betrifft vor allem die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor, wo es durch verschärfte Düngerauflagen immer schwieriger wird, den Rapsbe­stand optimal versorgt zu wirtschaftli­chen Höchsterträgen zu bringen. Meist ist je nach Bodenversorgung, Vorfrucht und Strohmenge eine Herbstdüngung notwendig, um eine ausreichende Herbstentwicklung auch bei Spätsaaten zu gewährleisten.

Durch eine platzierte Düngung mit N und P (DAP, MAP, NP 20–20 etc.) in der Reihe (Unterfuß oder Unterflur) kommt es zu einer erhöhten Konzentration dieser Nährstoffe in der Reihe und in Verbindung damit zu einer verminder­ten Nährstofffestlegung. Im Gegensatz zur Flächendüngung wird Unkraut und Ausfallgetreide nicht mit Nährstoffen versorgt. Bei der Unterflurdüngung kommt zusätzlich der Vorteil der Attraktionswirkung von NP–Düngern auf die Wurzel zum Tragen, wodurch die Pfahl­wurzel gezielt in die Tiefe gelockt wer­den kann. Gleichzeitig kann man durch diese erhöhte Konzentration an Nähr­stoffen in der Reihe die Versorgung der Rapsbestände mit geringeren absoluten Mengen an Dünger sicherstellen und die eingesparten Nährstoffmengen in der Düngebilanz für die Ertragsbildung  im Frühjahr sparen und dort wesentlich effizienter in Ertrag umsetzen. Dieser Vorteil einer gesicherten Bestandesetablierung durch platzierte Düngung in Verbindung mit Einzelkornsaat kommt vor allem zum Tragen, je später der Aussaatzeitpunkt, je schwächer die Bodennährstoffgehalte, je trockener (oder zu nass, kühl) die Bedingungen sind, sowie auf seit Jahren pfluglos bewirtschafteten Flächen (Konzentration des eher unbeweglichen Nährstoffes Phosphor in den oberen Bodenschichten).

Durchwuchsraps aus dem Bodensamenvorrat beseitigen

Je nach Erntezeitpunkt der Vorfrucht und Anbauzeitpunkt des Rapses steht ein mehr oder weniger langer Zeitraum für die Stoppelbearbeitung und Saatbettbereitung zur Verfügung. Dieser Zeitraum kann für eine so genannte Scheinbestellung genutzt werden. Darunter versteht man, dass das Saatbett für den Raps mindestens zwei, besser drei Wochen vor der Saat fix fertig, gut rückverfestigt vorbereitet wird. Kurz vor der Saat kann Ausfallgetreide, aufge­laufenes Unkraut und aufgelaufener Altraps aus dem Bodensamenvorrat chemisch beseitigt werden.

Durch den Einsatz von Einzelkornsätechnik mit weiten Reihenabständen ohne weitere Saatbettbereitung wird wenig zusätzlicher Altraps und auch weniger Unkraut, bzw. Ausfallgetreide, zur Keimung gebracht, wodurch man unter Umständen bei der folgenden Unkraut- und Ungrasbekämpfung Einsparungen vornehmen kann. Vor allem kommt es aber nicht durch Auflaufen von Altraps zu einer unkontrollierbaren Bestandesentwicklung und damit einhergehenden Mindererträgen. Unter Umständen könnte durch den weiten Reihenabstand auch vorhandene Hacktechnik aus dem Rüben- oder Sojaanbau in Raps genutzt werden, um noch aufgelaufenen Altraps, Unkräuter und Boden besser zu durchlüften. Dies setzt ein weitgehend strohfreies Saatbett voraus, kann aber in Zukunft durch zusätzliche Restriktionen im Pflanzenschutzbereich an Bedeutung gewinnen!

Erleichterte Schneckenbekämpfung mit verminderter Aufwandmenge

Die Einzelkornsätechnik mit weiten Reihenabständen erlaubt es in Verbindung mit Granulatstreuern, das Schneckenkorn konzentriert auf die Reihe auszubringen und damit Mittel- und Kosteneinsparungen zu erzielen. Bei gleicher Aufwandmenge kann eine höhere Köderdichte in der Reihe und damit ein besserer Schutz der auflaufenden Jungpflanzen gewährleistet werden.

Zusätzlicher Investitionsbedarf bzw. Kosten für überbetriebliche Arbeitserledigung

Sollte die Einzelkornsätechnik auf dem Betrieb nicht vorhanden sein, führt die Anschaffung zu sehr hohen Investitionskosten oder zu Kosten für die überbetriebliche Arbeitserledigung, während die Technik für die Drillsaat zumeist auf den Betrieben vorhanden ist und deren Auslastung sinkt.

Verringerte Flächenleistung und Schlagkraft beim Anbau

Ein wesentlicher Nachteil der Einzelkornsätechnik ist die deutlich geringere Flächenleistung durch geringere Fahrgeschwindigkeiten (zumeist max. ca. 6 km/h bei mechanischen Geräten und 6–8 km/h bei pneumatischen Geräten), um eine optimale Ablagegenauigkeit zu gewährleisten.

Die Drillsaat wird in den meisten Betrieben mit Kreiseleggenkombinationen in einem Arbeitsgang durchgeführt, bei der Einzelkornsaat ist fast immer eine gesonderte Saatbettbereitung und damit ein zusätzlicher Arbeitsgang notwendig, der zusätzliche Kosten und Arbeitszeit verursacht.

In Verbindung mit Strip till beim absätzigen Verfahren RTK Lenksystem erforderlich

Beim kombinierten Verfahren aus Strip till Gerät und Einzelkornsämaschine wird die Bodenbearbeitung und die Aussaat in einem Arbeitsgang durchgeführt, dies ist aber auf schweren Böden mit schlechter Krümelung und aufgrund der hohen Maschinengewichte (vor allem bei Kombination mit Düngerausbringung) oftmals nicht möglich und führt zum absätzigen Verfahren. Dabei erfolgen die Bodenvorbereitung und die Aussaat in getrennten Arbeitsgängen, dafür ist aber meist ein automatisches Lenksystem mit RTK Genauigkeit Voraussetzung, um die gelockerten Streifen bei der Aussaat exakt wiederzufinden.

Späterer Bestandesschluss als bei Drillsaat

Bei der Einzelkornsaat mit weiten Reihenabständen erfolgt der Reihenschluss im Gegensatz zur Drillsaat trotz gleichmäßigerem Auflauf in der Reihe doch deutlich später. Dadurch ist die Wirkungssicherheit der eingesetzten Herbizide wesentlich stärker gefordert, damit es nicht zu einer erhöhten Verunkrautung zwischen den Reihen kommt. Der verspätete Bestandessschluss kann durch die fehlende Beschattung unter sehr trockenen, warmen Witterungsbedingungen auch die unproduktive Verdunstung ansteigen lassen.

Ungleichere Abreife der Bestände bzw. Reifeverzögerung

Je geringer die Saatstärke desto stärker entwickelt sich die Einzelpflanze, der größere Reihenabstand führt zu einer stärkeren Verzweigung der Rapspflanze und damit zu einer verlängerten Blühdauer aufgrund der höheren Anzahl an Seitentrieben. Die damit einhergehende, etwas spätere bzw. ungleichmäßigere Abreife setzt einen späteren Erntetermin bzw. mehr Geduld bei der Ernte voraus um Ernteverluste durch Gummischoten zu vermeiden.

Aus diesem Grund sollte auch bei Einzelkornsaat die Saatstärke nicht zu weit reduziert werden – mittlere Saatmengen die ca. 10 – max. 20 % unter der Drillsaatstärke liegen, bringen die besten Ergebnisse. Die Bestände haben dann bei Stressbedingungen ein besseres Kompensationsvermögen als bei zu weit reduzierten Saatstärken, die unter diesen Bedingungen im Ertrag abfallen können.

Gleichzeitig führen Bestandesdichten um 40–45 Körner/m² bei Einzelkornsaat und 50 Körner/m² bei Drillsaat zu einer gleichmäßigeren Abreife und leichteren Beerntbarkeit der Bestände.

 

Ständige Fortschritte in der Züchtung und Saatgutbehandlung (>OPTICARE® Premiumbeizung) erfordern beste Aussaattechnik um das Potenzial der Sorten auch auszuschöpfen und zu wirtschaftlichen Höchsterträgen zu bringen.

 Die Einzelkornsaat bietet bei Raps durch die Etablierung gleichmäßigere Bestände vor allem unter Stresssituationen und ungünstigen Saatbettbedingungen wesentliche Vorteile, um das hochwertige Betriebsmittel Saatgut, bei gleichzeitig bester Ausnutzung der Nährstoffe, effizient einzusetzen. Vielfach ist aber nach wie vor die Drillmaschine unter optimalen Bedingungen die Technik der Wahl und je nach betrieblicher Situation kostengünstiger als die Einzelkornsaat.

Zur Unterstützung für unsere Landwirte wurden 2016/17 auf drei Standorten (in Niederösterreich: Grafenegg + Mannersdorf und im Burgenland: Kroatisch Geresdorf) Versuche zur Einzelkornsaat angelegt und ausgewertet. Um die Ergebnisse weiter abzusichern und den Landwirten die Möglichkeit zu geben, sich über dieses interessante Thema selbst vor Ort ein Bild zu machen, werden 2017/18 auf vier Standorten Versuche mit der Sorte DK EXPRESSION und unterschiedlichen Saatstärken angelegt.

Diese Standorte werden ab Herbst betafelt sein und können von den Landwirten das ganze Jahr über besichtigt werden, im Sommer 2018 und bei den Fachvorträgen 2018 werden dann die Ergebnisse aus zwei Versuchsjahren präsentiert und auch hier auf der Website veröffentlicht.

Versuchsorte 2017/18:

Oberösterreich: Spatt Josef und Andreas in 4641 Steinhaus

Niederösterreich: Palkowitsch Johann in 2452 Mannersdorf und Gutsverwaltung Grafenegg in 3485 Haitzendorf – Grafenegg

Burgenland: Mersich Marcus 7361 Kroatisch Geresdorf

 

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

Tel: +43 664 142 60 05

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