Produktion von Ölkürbis

veröffentlicht am 25.04.2020

War der Ölkürbis im Anbau bisher den wärmeren Regionen des Südens vorbehalten, so hat sich bedingt durch Klimaveränderung und intensive  Züchtungsbemühungen das Anbaugebiet  bis nach Oberösterreich ausgeweitet. Um mit der relativ ertragsinstabilen Kulturart Kürbis einen wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen, bedarf es der Beachtung wichtiger Spielregeln in der Kulturführung.
 

Anbau

Der Ölkürbis als „schalenlose“ Variante stellt spezielle Ansprüche an die Saatbettvorbereitung. Allgemein kann festgehalten werden, dass die Böden eher gepflügt werden sollten als gegrubbert. Der Kürbis braucht ein sauberes Saatbett. Speziell auf schweren Böden mit hohem Tongehalt ist es wichtig einer Herbstfurche dem Pflügen im Frühjahr den Vorzug zu geben. Der Keimling benötigt optimale Voraussetzungen zum Aufgang, dies ist mit einer Minimalbodenbearbeitung schwer zu bewerkstelligen. Dies bedeutet ein relativ feines Saatbett, warme Temperaturen und optimale Feuchtigkeitsverhältnisse. Frost verträgt der Keimling überhaupt nicht. Obwohl mit Versuchsreihen (Versuchsreferat der steirischen Landwirtschaftsschulen) nachgewiesen werden konnte, dass früher Anbau Mehrerträge bringen kann, ist vor allzu frühem Anbau (1. bis 2. Aprilwoche) abzuraten. Ist bei allfälligem Frost der Keimling noch unter der schützenden Erdschicht, passiert im Regelfall nichts.

Die Ablagetiefe ist je nach Witterung und Bodenart unterschiedlich zu wählen. Auf keinen Fall sollte das Saatgut „vergraben“ (tiefer als 5 cm) werden. Auf warmen sandigen Böden und bei warmer Witterung kann man auf 3-4 cm Ablagetiefe gehen. Auf kälteren Böden und bei kühler Witterung ist es wichtig nicht zu tief zu säen (max. 2-3 cm Ablagetiefe). Achtung: Wer Flexidor in der Unkrautbekämpfung einsetzt, muss mindestens auf 3 cm Ablagetiefe gehen.

Schwere, kalte und staunasse Böden sollten für den Kürbisanbau gemieden werden – der Kürbis benötigt warme und luftige Böden für eine zügige Jugendentwicklung.

Da der Unkrautdruck in Kürbisbeständen große Ertragsdepressionen bewirken kann, ist es zumindest in der konventionellen Produktion zu empfehlen rund 17.000 Kerne je Hektar zu säen. Der Kürbis muss über die Bestandesdichte einen Beitrag zur Unkrautunterdrückung leisten. Dies ist besonders im Biolandbau von großer Bedeutung, hier kann man auf bis zu 20.000 Kerne je Hektar in der Aussaat gehen.

Die angepeilte Pflanzenzahl kann über verschiedene Reihenweiten erreicht werden. Üblich sind, abgeleitet von der herkömmlichen Maissätechnik, Abstände zwischen den Reihen von 70, 140 bzw. 210 cm. Wer alte Populationssorten anbaut, kann mit einer Reihenweite von 210 cm säen, da diese Sorten langtriebig sind und den Bestand auch bei größeren Reihenabständen schließen können. Moderne Hybridsorten sind kurztriebiger und sollten daher auf engere Reihenweiten von 140 bzw. 70 cm gesät werden. Entscheidend ist hier der Unkrautdruck der Fläche. Rechnet man mit hohem Unkrautbesatz, so muss unter schwierigen Bedingungen eventuell mechanisch nachkorrigiert werden. In diesem Fall ist eine Reihenweite von 140 cm vorteilhaft, da der Bestand später schließt und die Fläche länger mit dem Traktor ohne Beschädigung der Kulturpflanze befahren werden kann. Auf unproblematischen Flächen kann mit 70 cm Reihenweite gesät werden. Hier ist die Verteilung der Kulturpflanzen auf der Fläche am gleichmäßigsten.

Entscheidend für die Wahl der Reihenweite ist also die Sortenwahl bzw. der Unkrautdruck der Fläche!

 

Düngung

Die Entzugszahlen für die Düngung können den Richtlinien für die sachgerechte Düngung entnommen werden.

Es sind dies:

N:        60-80 kg bei mittlerer Ertragserwartung (600-800 kg)

P:        50 kg bei Gehaltsklasse C

K:        180 kg bei Gehaltsklasse C

 

Zu- und Abschläge sind je nach Ertragserwartung bzw. Bodenart möglich. Eine ­Bodenuntersuchung vor einer Dünge­planung ist daher immer vorteilhaft.

Der Einsatz chloridfreier Dünger hat in verschiedenen Praxisversuchsreihen der LK Steiermark bzw. Parzellenversuchen des Versuchsreferates Steiermark keinen signifikanten bzw. betriebswirtschaftlich gerechtfertigten Vorteil erbracht. Es können daher gängige Mehrnährstoffdünger bzw. Einzeldünger verwendet werden.

Sollten Wirtschaftsdünger eingesetzt werden, ist zu beachten, dass diese nach Möglichkeit im Herbst ausgebracht und gut eingearbeitet werden sollten. Verrottungsprozesse an der Bodenoberfläche ­locken unter Umständen die Saaten­fliege an und können im Anbaujahr große ­Ausfälle beim Aufgang bewirken.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Kürbis in der Jugendentwicklung bestmöglich versorgt sein sollte. Ein rasch wirksamer Dünger ist hier von Vorteil, Nitrifikationshemmer sollten vermieden werden (die Bestände bleiben länger grün, Nachtriebe und später angelegte Früchte sind möglich, das Kraut stirbt später ab, was in der Folge Schwierigkeiten bei der Ernte verursachen kann). In der Regel wird bei engeren Reihenweiten (70 cm bzw. 140 cm) eine Reihen- bzw. Unterfußdüngung ausreichen bzw. unter Umständen sogar von Vorteil sein (schnelle Verfügbarkeit von Nährstoffen). Bei Reihenweiten von 210 cm wird man eine Flächendüngung bevorzugen. Bei 140 cm Reihenweite könnte man beide Dünge­varianten kombinieren.

Überzogene Düngermengen sind nachteilig, vor allem zu hohe Stickstoffgaben wirken entwicklungsverzögernd. Die Abreife der Bestände im Herbst dauert zu lange. Dies gilt auch für Spätgaben von Stickstoff (z.B. zur Hacke).

 

Pflanzenschutz

Der Pflanzenschutz in der Ölkürbisproduktion stellt einen wesentlichen Ertragsfaktor dar.

Es gilt, den Bestand in der Jugendentwicklung bis zum Reihenschluss bestmöglich unkrautfrei zu halten. Biobetriebe sollten durch mehrmaliges Hacken zwischen den Reihen dieses Ziel erreichen, denn hier wird der Reihenschluss schnell zum limitierenden Faktor! Unter Umständen muss mit händischem Hacken nach­geholfen werden.

In der Reihe kann man mit einer Fingerhacke bis zum dritten Laubblatt den Bestand korrigieren. Entscheidend ist dabei der Entwicklungszustand des Unkrauts.

Konventionelle Betriebe können mit Pflanzenschutzmitteln den Bestand unkrautfrei halten, wobei die Auswahl an verfügbaren Mitteln eher bescheiden ist. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Vorauflaufmittel, welche bei ausreichender Feuchtigkeit des Bodens ihre Wirkung entfalten können. Vorsicht ist geboten bei den Aufwandmengen. Die in der Liste empfohlenen Mengen sollten keinesfalls überschritten werden. In feuchten und kühlen Jahren kann es sonst zu Verträglichkeitsproblemen kommen. Vorsicht beim Einsatz von Flexidor: Mindestsaat­tiefe 3 cm!

Zum Einsatz von Fungiziden gab es seitens der LK Steiermark eine Reihe von Versuchen, die allesamt keine nennenswerten Effekte zeigen konnten.

Der Einsatz von Insektiziden erscheint nur bei massivem Blattlausdruck sinnvoll (Virusübertragung möglich). Die Registrierungen der Insektizide sind zu beachten!

 

Kulturpflege

Durch das Hacken der Bestände kann nicht nur das Un(Bei-)kraut reguliert, sondern auch Luft in den Boden eingebracht werden. Dies wiederum bewirkt eine Mineralisierung, d.h. Nährstoffe werden mobilisiert und dem Kürbis verfügbar gemacht. Das hat insbesondere für den Biolandbau besondere Bedeutung. Wichtig ist dabei nicht zu tief und zu nahe an der Kürbispflanze (mind. 10 cm Abstand) zu hacken, da sonst der Wurzelkörper der Kürbispflanze gestört wird.

 

Bienen

Idealerweise beginnt mit beginnendem Reihenschluss des Bestandes die Blüte. Die Hauptblüte erstreckt sich über 5-6 Wochen. Sollte der Bestand früher zu blühen beginnen, startet die Pflanze bereits ein Notprogramm! Um eine möglichst frühe und gleichmäßige Bestäubung des Bestandes zu gewährleisten ist das Vorhandensein von Bienen entscheidend. Auch Hummeln leisten einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung und können so ertragssichernd bzw. -steigernd eingesetzt werden. Sollte sich im Umkreis von wenigen Kilometern ein Bienenstand befinden, braucht man keine weiteren Völker ins Kürbisfeld zu stellen. Wer Bienenvölker aufstellen will, kann sich beim örtlichen Bienenzuchtverein informieren oder über die Landesverbände Informationen zur Bestäubungsimkerei einholen. Es gibt Imker, welche gegen einen Unkostenbeitrag Bienenvölker auf Zeit in Kulturbestände stellen.

 

Ernte

Im September/Oktober sind im Regelfall die Bestände erntereif. Dies zeigt sich darin, dass üblicherweise

- das Kraut abgestorben ist

- die Fruchtfarbe vom Grün ins satte Gelb/Grün wechselt (sortenabhängig)

- der Fruchtstiel eingetrocknet ist und sich leicht von der Frucht löst

- die Kerne dickbauchig und grün gefärbt sind und sich leicht vom Fruchtfleisch lösen.

 

Mit fortschreitender Reife beginnen auch immer mehr Früchte zu faulen. Wenn die Fruchtfäule über 10 % der Früchte ausmacht, sollte jedenfalls mit der Ernte begonnen werden, da sonst ein hoher Ernteverlust riskiert wird. Innerhalb einer Woche kann ein gesamter Bestand der Fruchtfäule erliegen.

Unabhängig davon, welche Erntetechnik verwendet wird (Igelwalze oder Mähdreschersysteme), ist es wichtig, am Feld eine Kontrolle zu den Ernteverlusten durchzuführen, da noch Nachkorrekturen zur Einstellung der Erntemaschine gemacht werden können. Bei richtiger Einstellung der Maschine und Fahrweise sollten bei Erntereife nur sehr geringe Ernteverluste auftreten (1 - 3 %).

Unmittelbar nach der Ernte sollte die Ware sofort gewaschen und getrocknet werden. Ein „Nachgären lassen“ der Kerne, damit sich das restliche Fruchtfleisch leichter löst, ist riskant und kann den Kern (und damit auch das Öl) verderben.

Der Kürbiskern muss auf mindestens 8 % Kornfeuchte heruntergetrocknet werden (Handprobe: der Kern muss beim Brechen „knacken“) um eine optimale Lagerfähigkeit zu erreichen. Die Lagerung der Kerne sollte trocken und lichtgeschützt erfolgen.

 

Fazit

Um im Kürbisanbau Erfolg zu haben bedarf es also einer Vielzahl an Maßnahmen, welche im Endeffekt den Ertrag absichern. Im Durchschnitt der Jahre sollten 600-800 kg Kerne je Hektar erzielbar sein. Auf „jungfräulichen“ Böden, welche noch nie einen Kürbis gesehen haben, sind die höchsten Erträge (1.000-1.200 kg) möglich. Mit fortschreitendem Kürbisanteil in der Fruchtfolge sinken aber im Regelfall bedingt durch Hygieneprobleme (Fruchtfäuleerreger sammeln sich im Boden an) die Erträge. Deshalb sind Fruchtfolgepausen von 3 Jahren empfehlenswert.

Besonders wichtig ist es aber, die Jugend­entwicklung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zügig voranzutreiben. Hier liegt ein Schlüssel zum ­Erfolg (= ­Ertrag).

Der zweite wichtige Punkt ist der richtige Erntezeitpunkt. Hier darf die Fruchtfäule keinesfalls übersehen werden.

Alle anderen angeführten Punkte führen zur Optimierung des Bestandes, aber Kardinalfehler werden bei Anbau und Ernte begangen. Wenn Sie diese Punkte beachten, steht (vorausgesetzt die Witterung spielt mit) einer guten Ernte nichts mehr im Wege!

 

DI Reinhold PUCHER
 
Fachberater Referat Pflanzenbau, Landwirtschaftskammer Steiermark

 

Die SAATBAU LINZ trägt mit der Sorte BEPPO einen wertvollen Beitrag zur erfolgreichen Kürbisproduktion bei. In Ertrag und Qualität gleichauf mit später reifenden Sorten kann durch die deutlich frühere Reife mit der Ernte früher begonnen und damit die Anlagen für die Reinigung und Trocknung der Kürbiskerne besser ausgenutzt werden.

Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung:

Produktmanagement Kürbis

Jakob FEICHTER

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