17.03.2017
Optimaler Einsatz von Halmverkürzern
In den feuchteren Anbaulagen Österreichs ist der Einsatz von Halmverkürzern (Halmfestigern, Halmstabilisatoren) bei Wintergetreide in den letzten Jahren fast zu einer Standardmaßnahme geworden.
Der zunehmend professionellere Pflanzenbau und die Zunahme an registrierten Produkten für diesen Zweck haben den verstärkten Einsatz dieser synthetischen Pflanzenschutzmittel begünstigt. Es geht bei der Sicherung der Standfestigkeit sowohl um eine Ernteerleichterung für den Landwirt als auch um den großen Bereich der Ertrags- und Qualitätssicherung. Lagerndes Getreideverursacht immer einen Ertrags- und vor allem Qualitätsverlust. Der Wasser- und Nährstofftransport in die Ähre verringert sich durch die umgeknickten Halme – das führt zu Schrumpfkorn und schlechtem HL-Gewicht. Der lagernde Bestand trocknet langsamer ab mit der Folge eines erhöhten Krankheitsbefalls, verstärkter Gefahr des Auswuchses bei ungünstiger Erntewitterung oder Verschmutzung des Erntegutes beim Mähdrusch.

Seit Mitte der 60er Jahre gab es nur das Produkt Stabilan mit dem Wirkstoff Chlormequat für Weizen, Hafer und Roggen. Aufgrund hoher empfohlener Aufwandmengen und damit verbundener starker Einkürzung gab es zu Beginn viele negative Effekte. Durch die verbesserte Standfestigkeit wurde auch die N-Düngung erhöht und zusammen führten diese beiden Faktoren zu einer größeren Anfälligkeit für Septoria nodorum. Wegen fehlender Fungizide konnte die Krankheit nicht bekämpft werden und Stabilan wurde daher von vielen gemieden.
Mit dem Anpassen der Aufwandmenge und der Zulassung von Fungiziden Anfang der 70er Jahre wurde Stabilan wieder mehr verwendet. Des Weiteren wurde das Splitten eingeführt, mit 2 – 3 reduzierten Teilgaben Stabilan ab EC 27, manchmal bis EC 37. Der günstige Preis des Produktes und der Erfolg dieser die Standfestigkeit verbessernden Maßnahme förderten einen breiten Einsatz bis zur Zulassung von neuen Halmverkürzern, die zusätzlich in Winter- und Sommergerste wirksam sind und auch in späteren Stadien eingesetzt werden können.
Die Einführung von ÖPUL mit Prämien für den Verzicht auf Halmverkürzer in Kombination mit anderen Verzichtsmaßnahmen, aber vor allem der Cross Compliance Bestimmungen hat den Einsatz von Halmverkürzern in den letzten Jahren doch deutlich verändert, bedingt auch durch geänderte Anwendungsbestimmungen der zugelassenen Produkte. So wurde in den letzten Jahren das Splitten verboten, d.h. Teilmengen von Halmverkürzern zu einem frühen Zeitpunkt und eine weitere Gabe desselben Produktes später auszubringen, ist nicht mehr erlaubt. Bei Kontrollen wird besonders darauf geachtet, ob die Mittel zum richtigen Zeitpunkt in der zugelassenen Kultur eingesetzt werden. Sowohl das Mischen als auch der zeitlich versetzte Einsatz von zwei oder mehr verschiedenen Halmverkürzern ist erlaubt, aber jedes Produkt darf nur einmal in jeder Kultur eingesetzt werden.

Dabei ist das Entwicklungsstadium der betreffenden Kultur zu beachten. Daraus ist deutlich ersichtlich, dass allein vom Anwendungszeitpunkt und der Zulassung für bestimmte Kulturen die einzelnen Produkte sehr unterschiedlich sind. Der Einsatz von Einzelprodukten nacheinander zum richtigen Zeitpunkt hat auch einen pflanzenbaulichen Vorteil, da Einkürzungseffekte über einen längeren Wachstumsbereich erreicht werden. Das Mischen von Stabilan mit einem anderen Halmverkürzer zu einem späteren Einsatzzeitpunkt als EC 32 ist demnach nicht gesetzeskonform und kann bei einer Kontrolle Sanktionen nach sich ziehen. Die Vorteile eines alleinigen Einsatzes von Stabilan zu einem frühen Zeitpunkt sind: die gute Wirkung – auch bei niedrigen Temperaturen, der günstige Preis, die Kombinierbarkeit mit einer Herbizidmaßnahme und die Förderung bzw. Sicherung der Bestandesdichte bei dünneren Beständen durch eine bessere Verzweigung der Pflanzen.
Voraussetzungen ändern sich
Durch Veränderungen der pflanzenbaulichen Praxis nehmen Pflanzenkrankheiten zu. Viele dieser vermehrten Pilzkrankheiten haben ihre Ursache z.B. in frühen Anbauterminen im Herbst, reduzierter Bodenbearbeitung, verringerter Strohabfuhr von den Feldern sowie engen Getreidefruchtfolgen. Das Auftreten der sehr aggressiven Gelbrostrasse Warrior und die milden Winter der letzten Jahre verstärkten diese Entwicklung. Die Folge davon sind häufig notwendige Fungizideinsätze bei den Hauptgetreidearten Wintergerste und Winterweizen in den Entwicklungsstadien EC 32 – EC 39. In Kombination mit dieser Maßnahme kann nach Stabilan (in Winterweizen) zu einem etwas späteren Entwicklungszeitpunkt die nächste Gabe eines gut wirksamen Halmverkürzers ausgebracht werden. Die zur Verfügung stehenden Produkte haben eine gute Wirkung aber unterschiedliche Temperaturansprüche und sind daher nach der herrschenden Witterung zum Zeitpunkt des Einsatzes auszuwählen.
Bei allen Produkten besteht eine Beziehung zwischen Aufwandmenge, Temperatur und Wirksamkeit. Je wärmer es ist, umso aktiver ist das Wachstum und umso stärker die Einkürzung. Daneben gibt es noch eine Vielzahl anderer Einflüsse auf die Effekte der Halmverkürzer, die der Landwirt zum Teil steuern kann. Werden zum Beispiel zum Halmverkürzer und Fungizid auch noch Additive, Spurenelementdünger, AHL oder andere Substanzen dazu gemischt, könnte es zur gegenseitigen Beeinflussung mit negativen Auswirkungen kommen und das Auftreten von Blattspitzenverbräunungen (leaf spot necroses) verursachen. Wenn zusätzlich intensive Sonneneinstrahlung vorherrscht oder ein großes Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht, Spätfröste auftreten oder die Bestände durch Trockenheit bzw. Nässe (fehlende Wachsschicht) gestresst sind, können die negativen Auswirkungen erheblich sein. Der Einfluss auf den Ertrag durch Blattspitzenverbräunungen ist jedoch geringer, als wenn dieselbe Blattfläche durch eine Krankheit verloren ginge (Pilzerkrankungen rufen zum Blattflächenverlust zusätzliche physiologische Reaktionen in der Pflanze hervor).
Beim Vergleich des am meisten „nachgebauten“ Produkts Moddus mit seinen Kopien fällt auf, dass der Wirkstoff Trinexapac in verschiedenen Konzentrationen und Formulierungen verwendet wird. Daraus ergeben sich sehr unterschiedliche Zulassungsbestimmungen. Die Aufzeichnungspflicht des Pflanzenschutzmitteleinsatzes wird dadurch komplizierter und die Möglichkeiten für einen Fehler vergrößern sich. Die unterschiedlichen Formulierungen des Wirkstoffes bedingen meist auch unterschiedliche „ Beistoffe“, die sich hinsichtlich Mischbarkeit mit anderen Produkten (Fungizide, Additive, Spurenelementdünger, AHL) vom Original und untereinander unterscheiden können.
In Summe ist es vorteilhaft, dass mehr Produkte für die wichtige Maßnahme Halmverkürzung mit Verbesserung der Standfestigkeit für Getreide zur Verfügung stehen. Die dazu notwendige Fachkenntnis und der fachlich richtige Einsatz sind aber in diesem Zusammenhang ebenso gefordert, um die Vorteile dieser modernen Produktionsmittel ohne Nachteile nutzen zu können.
Franz BLUMENSCHEIN
Beratung Pflanzenbau
SAATBAU LINZ
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