18.02.2026
Schädlingsbekämpfung im Mais
Frühe Maßnahmen gegen Bodenschädlinge stärken die Jugendentwicklung und erhöhen die Bestandssicherheit im Mais.
Für einen erfolgreichen Maisanbau ist ein vollständiger Bestand entscheidend. Gerade in den ersten Wochen nach der Aussaat können Schädlinge den Feldaufgang und die Jugendentwicklung massiv beeinträchtigen und damit Ausfälle verursachen. Um Gegenmaßnahmen gezielt und rechtzeitig einsetzen zu können, lohnt ein Blick auf die wichtigsten Schädlinge und ihre typischen Schadbilder.
DIE BEDROHUNG IN DER JUGENDPHASE
Nach der Aussaat können in der frühen Entwicklungsphase des Maises verschiedene Schädlinge erhebliche Schäden verursachen. Zu den bedeutendsten gehören:
- Drahtwürmer (Agriotes spp.)
Die Larven der Schnellkäfer sind eine der stärksten und am
weitesten verbreiteten Bedrohungen und betreffen praktisch alle Kulturen der Fruchtfolge. Sie fressen an Saatkörnern, Keimlingen und später auch am Spross unter der Erdoberfläche. Es gibt verschiedene
Drahtwurmarten mit unterschiedlichen Entwicklungszyklen von zwei bis fünf Jahren, wobei Schäden oft erst ab dem zweiten Jahr auftreten. Ihre Hauptaktivität liegt im Frühjahr und Herbst; im Sommer und Winter ziehen sie sich witterungsabhängig in tiefere Bodenschichten zurück. - Erdraupen (Agrotis spp.)
Die Larven verschiedener Eulenfalterarten fressen am Stängel nahe der Bodenoberfläche und können junge Pflanzen vollständig abfressen. Das Auftreten ist eher unregelmäßig. - Fritfliege (Oscinella frit)
Die Larven der Fritfliege schädigen den Vegetationskegel der jungen Maispflanze; betroffene Pflanzen sind deformiert und entwickeln häufig keine Kolben. - Bohnenfliege (Delia platura)
Verursacht Auflaufschäden, indem die Larven das Saatkorn befallen und dadurch keine Pflanze entsteht. Der Schädling tritt besonders auf Schlägen nach Ausbringung von Wirtschaftsdünger oder bei hohem Anteil organischer Pflanzenreste aus oberflächlich eingearbeiteten Begrünungen auf. - Westlicher Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera)
Die Larven dieses Käfers ernähren sich von den Maiswurzeln und können die Standfestigkeit der Pflanzen stark beeinträchtigen. Der Wurzelfraß erfolgt von Ende Mai bis Anfang Juli.

INTEGRIERTE DRAHTWURMKONTROLLE
Da der Drahtwurmdruck zuletzt deutlich gestiegen ist, wird das Thema hier vertieft. Eine wirksame Kontrolle gelingt nur über eine integrierte Strategie entlang der gesamten Fruchtfolge, darunter:
- Monitoring: Der Einsatz von Fallen oder die Nutzung von Warndiensten (www.warndienst.at) hilft, das Auftreten und die Aktivität der Schädlinge zu überwachen.
- Kenntnis des Gegners: Die genaue Bestimmung der vorhandenen Drahtwurmarten und des Befallsdrucks ist für die Wahl der richtigen Strategie vorteilhaft.
- Gezielte Bodenbearbeitung: Durch gezielte Bodenbearbeitung können Eier und Puppen der Drahtwürmer sowie Drahtwürmer in oberen Bodenschichten nach der Getreideernte reduziert werden.
- Fruchtwechsel: Eine angepasste Fruchtfolge kann den Befallsdruck reduzieren. Drahtwürmer sollten über die gesamte Fruchtfolge zu geeigneten Zeitpunkten bekämpft werden.
- Pflanzenbauliche Maßnahmen: Eine rasche Jugendentwicklung des Maises reduziert das Schadenspotenzial. Dies wird erreicht durch einen optimalen Aussaatzeitpunkt (Bodentemperatur), eine möglichst flache Saattiefe und die Wahl von Sorten mit schneller Jugendentwicklung.

© Syngenta Agro GmbH, Drahtwurmgeschädigte Maispflanzen
SAATGUTBEIZUNG
Die Saatgutbeizung ist eine effektive Methode, um junge Maispflanzen von Anfang an vor Bodenschädlingen zu schützen. Bei Drahtwurmbefall ist sie für geringen bis mittleren Befallsdruck geeignet. Aktuell stehen dazu zwei wichtige Wirkstoffe zur Verfügung: Tefluthrin und Cyantraniliprole.
Force® 20 CS (Tefluthrin, Pfl.Reg.Nr: 3138-0)
Der langjährig bewährte Wirkstoff Tefluthrin (IRAC 3A) wirkt als Kontaktgift über die Bodenluft. Er diffundiert vom Saatgut in die Bodenporen und bildet eine Dampfphase. Schädlinge werden getötet oder vertrieben (Repellentwirkung), bevor sie Schaden anrichten können. Die Mikroverkapselung der Beize sorgt für eine verlangsamte Freisetzung des Wirkstoffs und somit für eine lange Wirkungsdauer. Tefluthrin bietet ein breites Wirkungsspektrum gegen praktisch alle Bodenschädlinge, einschließlich Drahtwürmer im Mais und in Zuckerrüben. Der Wirkstoff ist jedoch nicht systemisch und schützt daher oberirdische Pflanzenteile nicht ausreichend.
Fortenza® (Cyantraniliprole, Pfl.Reg.Nr: 4485-0)
Der neue Wirkstoff Cyantraniliprole (IRAC 28) gehört zur Insektizidklasse der Diamide. Er bindet an die Ryanodin-Rezeptoren in den Muskelzellen der Insekten, was zu einer unkontrollierten Freisetzung von Kalziumionen führt. Dies verursacht Muskellähmungen, führt zur unmittelbaren Einstellung der Nahrungsaufnahme und schließlich zum Tod des Schädlings.
Breites Spektrum und systemische Wirkung
Fortenza® bietet einen starken Schutz gegen zahlreiche Schädlinge. Der Wirkstoff Cyantraniliprole wird über die Wurzeln aufgenommen und systemisch in der Pflanze nach oben verlagert, sodass auch oberirdisch fressende Schädlinge wie Erdraupen und Fritfliegen erfasst werden. Bei sachgerechter Anwendung gilt Fortenza® als bienensicher und gehört zu einer neuen Wirkstoffgruppe, was das Resistenzmanagement unterstützt. Wichtig: Cyantraniliprole-behandeltes Saatgut darf auf derselben Fläche nur alle drei Jahre ausgesät werden.
BODENGRANULATE: GEZIELTER SCHUTZ VON UNTEN
Neben der Saatgutbeizung bieten Bodengranulate eine weitere wichtige Schutzmaßnahme, insbesondere bei hohem Schädlingsdruck oder wenn langanhaltender Schutz gefragt ist. Bei den Bodengranulaten kommen in der Praxis praktisch ausschließlich Wirkstoffe aus der Gruppe der synthetischen Pyrethroide (IRAC 3A, z. B. Tefluthrin, Cypermethrin, Lambda-Cyhalothrin) zum Einsatz.
Force® Evo (Pfl.Reg.Nr: 4067-0)
ist ein Mikrogranulat, das neben dem Wirkstoff Tefluthrin (IRAC 3A) zum Schutz gegen Bodenschädlinge auch wichtige Nährstoffe wie 10 % Stickstoff (MAP), 44 % Phosphor, 2 % Zink und 3 % Mangan enthält und damit den „Startereffekt“ bewirkt: Die enthaltenen Nährstoffe fördern die Jugendentwicklung des Maises deutlich. Dies ermöglicht es den Pflanzen, den Schädlingen „davonzuwachsen“. Es führt zu einem schnelleren Wachstum und einer früheren Blüte, selbst bei kühleren Temperaturen. Die Pflanzen sind weniger gestresst, die Befruchtung ist besser, und die Abtrocknung vor der Ernte erfolgt rascher. Durch das Mikrogranulat kann im Vergleich zur Beizung eine höhere Wirkstoffmenge über einen längeren Zeitraum abgegeben werden. Dadurch verlängert sich die Wirkungsdauer entscheidend. Force® Evo schützt den Mais gegen Drahtwurm und Larvenfraß des Westlichen Maiswurzelbohrers. Es ist auch zur Bekämpfung des Drahtwurms in Kartoffeln, Sorghum und Süßkartoffeln zugelassen.
Anwendungstechnik
Für eine optimale Wirkung sind eine präzise Ausbringung und gleichmäßige Verteilung entscheidend: Das Granulat wird mithilfe von Diffusoren vertikal in der Saatfurche platziert, bei Drahtwurmflächen möglichst flach (max. 3–5 cm). Eine sichere Bodenabdeckung ist unerlässlich, um die Wirksamkeit zu gewährleisten und die ungewollte Aufnahme durch Wildtiere zu verhindern.

© Syngenta Agro GmbH
BEKÄMPFUNG WEITERER
SCHÄDLINGE IM MAIS
Erdraupen
Hier bietet die Saatgutbeizung mit Fortenza® (Cyantraniliprole) einen sehr guten Schutz gegen Erdraupen, da der Wirkstoff systemisch in die Pflanze gelangt und die fressenden Larven bekämpft.
Larven des Westlichen Maiswurzelbohrers
Gegen die Larven des Westlichen Maiswurzelbohrers kommen aufgrund der erforderlichen Wirkungsdauer vor allem Bodengranulate wie Force® Evo zum Einsatz. Fruchtwechsel bleibt dabei eine zentrale Maßnahme zur Senkung des Befallsdrucks. Mehrjährige Exaktversuche und Praxiserfahrungen zeigen, dass Granulate insbesondere bei hohem Schädlingsdruck die höhere Anwendungssicherheit bieten, während Saatgutbeizen in solchen Situationen nicht immer ausreichend schützen. Bei sehr starkem Befall kann eine Kombination aus Beizung und Granulat sinnvoll sein, wobei die Granulatmenge auf 80 % reduziert werden kann.
Fazit
Die effektive Schädlingsbekämpfung in der Jugendphase des Maises ist ein komplexes Zusammenspiel aus integrierten pflanzenbaulichen Maßnahmen, moderner Saatgutbeizung und/oder gezielter Granulatanwendung. Produkte wie Fortenza® mit Cyantraniliprole bieten einen breiten, systemischen Schutz gegen eine Vielzahl von Boden- und oberirdischen Schädlingen. Bodengranulate wie Force® Evo, die Tefluthrin mit einem Nährstoff-Startereffekt kombinieren, schützen nicht nur vor Schädlingen, sondern fördern auch die Vitalität der jungen Maispflanzen. Durch die Kombination dieser Strategien und den verantwortungsvollen Umgang mit den Produkten können Landwirte einen erfolgreichen und nachhaltigen Maisanbau sicherstellen.
Autor
Ing. Paul Krennwallner
Leiter Technik, Syngenta Agro GmbH
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