12.06.2024

Soja als Zweitfrucht

Der Klimawandel macht es möglich guten Wein in unüblichen Regionen zu produzieren oder Soja als Zweitfrucht nach frühräumenden Wintergetreidekulturen wie Wintergerste anzubauen.

Die wichtigsten Voraussetzungen

  • Ausreichend Vegetationstage: Die Sojabohne benötigt je nach Reifegruppe 100-120 Tage an Vegetation, bis sie druschfähig wird. Neue Sojazüchtungen im extrem frühen 0000-Reifebereich, wie die Sorte ADESSA, machen den Zweitfruchtanbau überhaupt möglich.
  • Genügend Wasser für beide Kulturen (Gerste, Soja). Auf Felder mit schlechtem Wasserhaltevermögen (zB Schotterböden) wird kein Zweitfruchtanbau empfohlen, da auf diesen Standorten bei zu erwartender Trockenheit in den Sommermonaten Juli und August der Wassermangel in der Sojablüte zu erhöhten Ertragseinbußen führt. Hier gilt das Sprichwort „rain is grain“.
  • Wintergerste eignet sich als Vorfrucht am besten, da diese als erste Hauptkultur abgeerntet wird.
  • Auf stark erosionsanfälligen Flächen ist eine Begrünung mit anschließender Mulch-Direktsaat im nächsten Frühjahr sicher vorzuziehen. Man bedenke, dass nach einer Zweitfrucht weniger Strohreste für den Erosionsschutz im folgenden Frühjahr vorhanden sind.
  • Der AMA-Mehrfachantrag muss auf Doppelnutzung Wintergerste/ Sojabohne geändert werden, damit die zugelassenen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen.

Saattermin

In vielen Regionen Österreichs wie zB. Oberösterreich erfolgt die Hauptwintergerstenernte grundsätzlich von 25.6. bis 7.7.  Als Faustregel für den Zweitfruchtanbau gilt, dass bei einem Anbau um den 25.6. mit einem 20-30% niedrigerem Ertragsniveau als beim Frühjahrsanbau im April/Mai zu rechnen ist. Für jeden weiteren Tag an Verspätung beim Anbau oder Auflaufen reduziert sich der Ertrag um ca. 2% pro Tag.  (- 40 bis -50kg /ha/Tag) d.h jeder Tag zählt für den Ertrag. Wenn die Gerste unter 20% H²O und druschfähig ist, wäre eine vorgezogene Ernte empfehlenswert. Ein gewonnener Tag beim Anbau und Aufgang im Sommer entspricht zwei gewonnene Tage im Herbst bei der Ernte.

Eine Strohabfuhr ist für ein sauberes Saatbeet empfehlenswert, verspätet allerdings den Sojaanbau.

Bodenbearbeitung & Sätechnik

Um die Mähdrescherspuren oberflächig zu beseitigen ist eine schnelle, flache Bodenbearbeitung z.B. mit einer Scheibenegge (natürlich unter trockenen Bedingungen) empfehlenswert. Pflügen ist auch möglich, kostet aber viel Energie und Wasser. In Amerika wird Zweitfruchtsoja in der Regel im Notill –Verfahren angebaut um Kosten, Humus und Wasser zu sparen.

Zweitfruchtsoja stellt hohe Anforderungen an die Sätechnik, besonders in trockenen Zeiten. Die erste Wahl sind Einzelkornsämaschinen mit Andruckrollen in der Särille. Bei flacher Stoppelbearbeitung sind Coulterscheiben und Sternräumer empfehlenswert, um die Körner in den feuchten Boden ablegen zu können.

Sorte & Saatstärke

Die normale Saatstärke von 60 – 70 Körner/m2 sollte um 20% erhöht werden, da die Sojapflanzen in der Regel kürzer werden und weniger Hülsen/ Pflanze ansetzen. Frühe Sorten wie ADESSA (0000)/ABELINA (000) haben sich zum Zweitfruchtanbau bewährt, da diese Sorten sehr früh reifen und lang im Wuchs sind.

In Gunstlagen funktionieren auch die Sorten AURELINA (000) oder ADELFIA (000) als Zweitfrucht.

Ein Nachimpfen des Saatgutes mit Turbosoy ist empfehlenswert.

Um die Ernte zu erleichtern und die lockeren Körner anzudrücken, ist das Walzen der Felder von Vorteil.

Ernte

Für konventionelle Betriebe ist ein Pflanzenschutz mit den gängigen zugelassenen Sojapflanzenschutzmitteln unumgänglich, um Schwarzen Nachtschatten, Weißer Gänsefuß, Amaranth und Ausfallgetreide in den Griff zu bekommen. Spätestens bei der Ernte Ende Oktober/ Anfang November bereut man zu viel Unkräuter im erntereifen Sojabestand. Dies kann so weit führen, dass einige wenige Unkräuter/m² bei zusätzlich hoher Luftfeuchtigkeit (z.B. Nebel) die Sojaernte unmöglich machen. Falls eine Ernte unmöglich ist, bleibt immerhin eine sehr gute Vorfruchtwirkung für die Folgekultur übrig – bei einem eingearbeiteten 2,5t Sojabestand ohne Kornabfuhr entspricht dies ca. 140 kg N/ ha.

Die Ernte ist möglich sobald die Soja unter 28% H²O im Korn hat, dass ist in der Regel nach ca. 110 Vegetationstagen. Bei einem Anbau am 1. Juli, in den Gunstlagen Österreichs, ist mit einer Ernte um den 25. Oktober zu rechnen. Flexschneidwerke sind empfehlenswert, da die Pflanzen kürzer als im Frühjahrsanbau sind.

Eine Abklärung mit dem Soja-Aufkäufer ist im Vorfeld unbedingt abzustimmen, da in der Regel die meisten Trockner während der Zweitfruchtsojaernte auf Mais abgestimmt sind.

Das wichtigste Zusammengefasst:

  • ausreichend Vegetationstage (100 – 120 Tage)
  • jeder Anbautag früher zählt (1 Tag früher im Sommer = 2 gewonnene Tage im Herbst)
  • Wasser ist der wichtigste Erfolgsfaktor („rain is grain“)
  • Saatstärke um ca. 20% erhöhen
  • keine Verunkrautung dulden
  • AMA-Mehrfachantrag auf Gerste/Sojanutzung ändern
  • Kosten so niedrig wie möglich halten – z.B. Bodenbearbeitung mit Scheibenegge ist billiger und schneller als mit Pflug