12.03.2026
Soja braucht Mikros für Ertrag & Qualität
Spurenelemente entscheiden über Ertrag, Protein und Öl in Soja – besonders unter Stress. Wer sie gezielt düngt, nutzt das volle Bodenpotenzial.
Wenn wir davon ausgehen, dass die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium in ausreichender Menge im Boden vorhanden sind, sollten wir die Spurenelemente wie Eisen, Bor, Zink und Molybdän nicht vergessen. Sie werden zwar nur in geringen Mengen benötigt, haben jedoch in Zeiten, in denen die Sojapflanzen Stress ausgesetzt sind, einen signifikanten Einfluss auf den Ertrag sowie den Protein- und Ölgehalt. Bei einem Ertrag von 3 t/ha werden 300 g Eisen, 120 g Zink, 110 g Bor, 100 g Mangan und 20 g Molybdän pro Hektar mit dem Erntegut abtransportiert (Universität Pelotas, Brasilien). Wir beobachten insbesondere seit den 1990er Jahren eine Reduktion der Zinkgehalte um 50 %, vor allem in viehlosen Gebieten. Spurenelemente sind in ausreichender Menge im Wirtschaftsdünger enthalten, nicht jedoch Bor. Im Folgenden werden die Symptome für eine optische Beurteilung von akuten Mangelerscheinungen dargestellt.
Mangelerscheinungen erkennen – sichtbar und verborgen
Interveinale Chlorose der oberen und jungen Blätter, gefolgt von Wachstumsstörungen. Mit zunehmendem Schweregrad verfärben sich die gelben Blätter entlang der Adern weiß. An den Blatträndern treten braun-weiße nekrotische Flecken auf.
Hellgrüne bis gelbe Bereiche zwischen den Blattadern mit deutlich grünen Blattadern. Es können nekrotische braune Flecken auftreten und es kann zu vorzeitigem Blattfall kommen.
Jüngere Blätter weisen eine Chlorose zwischen den Blattadern auf. Nekrotische braune Blattadern.
Gelbfärbung und Einrollen der Blattspitzen, Chlorose zwischen den Blattadern und Einstellung des Wachstums der Endblätter. Fleckige Blätter mit braunen nekrotischen Flecken, gebogene Blattränder und verkürzte Internodien.
Ähnlich wie bei N-Mangel sind die Blätter hellgrün-gelb und verdreht. Bei fortschreitendem Mangel werden die Blattränder, Mittelrippen und Bereiche zwischen den Adern nekrotisch.
Bodenuntersuchung, pH-Wert und Verfügbarkeit der Spurenelemente
Oft zeigen sich Mangelerscheinungen bei Sojapflanzen jedoch nicht direkt und sind an einer geringen Stickstoffeffizienz, einer höheren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten oder abiotischem Stress sowie an geringen Protein- oder Ölgehalten erkennbar. Eine Bodenuntersuchung ist für die Entscheidung über eine Spurenelementdüngung unbedingt notwendig, denn Nutzen und Schaden liegen bei Spurenelementen sehr nah beieinander. Der pH-Wert bestimmt die Aufnahme. Molybdän wäre das einzige Spurenelement, das mit steigendem pH-Wert die höchste Verfügbarkeit aufweist. Daher sollte man eine pH-Steigerung auf 6,5 bis 7 anstreben, um die Molybdänverfügbarkeit zu optimieren. Kalkversuche zeigen, dass der Einsatz von Kalk bei pH-Werten weit unter 6 zu höheren Erträgen führt und ein pH-Wert von 6,5 anzustreben wäre. Bei pH-Werten >7,2 und kalkreichen Böden ist jedoch mit einer geringeren Aufnahme der anderen Spurenelemente zu rechnen, weshalb Spurenelemente unbedingt in die Düngestrategie aufgenommen werden sollten.

Boden- und Blattdüngung: Formen, Mengen und Elemente im Detail
- Spurenelemente können über den Boden gedüngt werden. Dabei können Sulfatformen (Fe, Mn, Cu, Zn) oder Borsäure und Borax (B) zum Einsatz kommen, die auch biotauglich sind. Hier kann man direkt auf die Nährstoffverhältnisse Einfluss nehmen. So reduzieren beispielsweise sehr hohe Phosphorgehalte die Zinkverfügbarkeit oder Calcium die Borverfügbarkeit. Bei akuten Mangelerscheinungen oder in Kombination mit Pflanzenschutzmitteln (Mischbarkeit testen) können Blattdünger auf Basis von Sulfat und Borat (langsame Wirkung, biotauglich), Heptagluconsäure oder Borsäure (schnelle Wirkung, biotauglich) sowie EDTA (schnellste Wirkung) oder Borethanolamin (biotauglich) verwendet werden.
- Die Anwendung sollte kurz vor der Blüte erfolgen. Der Eisen- und Mangangehalt im Boden sollte bei 80 mg/kg (EDTA-Extraktion) liegen. Zudem sollte die Chlorose-Anfälligkeit der jeweiligen Sorte auf kalkreichen Böden berücksichtigt werden. Eisen ist an der Photosynthese, N-Fixierung und Stressregulierung in der Pflanze beteiligt. Eine Bodendüngung von 10 bis 20 kg Fe/ha oder eine Blattdüngung von 0,5 bis 1,5 kg Fe/ha ist zu empfehlen. Ein Borgehalt von 2 mg/kg (Acetatauszug) sollte im Boden angestrebt werden. Bor ist wesentlich an der Blütenbildung, der Zellwandstruktur, der Stickstoffeffizienz und der Aktivität der Knöllchenbakterien beteiligt.
- Die Bodendüngung sollte immer in Abhängigkeit vom Calciumgehalt aus der Kationenaustauschkapazität betrachtet werden. Sie wird in unserer Düngeempfehlung (AGES) berechnet. Pauschal könnte man für die Gehaltsklasse C eine Bodendüngung von 0,5 bis 1 kg B/ha und eine Blattdüngung von 400 g B/ha empfehlen. Der anzustrebende Zinkgehalt im Boden liegt bei 8 mg/kg (EDTA-Extraktion) und sollte insbesondere für Böden mit einem pH-Wert über 7,2 erreicht werden.
- Hohe Phosphorgehalte im Boden reduzieren die Zinkaufnahme, weshalb das Verhältnis von P (CAL-Extraktion) zu Zn unter 25:1 liegen sollte. Zink ist wichtig für die Aktivität von Enzymen und essenziell für die Trockenstresstoleranz. Eine Bodendüngung von 7 bis 10 kg Zn/ha oder eine Blattdüngung von 300 g Zn/ha ist möglich. Ob eine Molybdändüngung notwendig ist, hängt hauptsächlich vom pH-Wert ab (Soll: 6,5–7). Molybdän ist an der Umwandlung von leicht löslichen Stickstoffmolekülen zu Protein sowie an der Aktivität der Knöllchenbakterien beteiligt. Bei Verdacht auf Molybdänmangel, beispielsweise nach einer Blattanalyse, können 300 g Mo/ha über den Boden oder 30 g Mo/ha über das Blatt gedüngt werden.
Regionale Bodenwerte
Zur Orientierung werden in dieser Tabelle die Medianwerte der Bodenparameter für Regionen mit hohem Sojaanbau aus unseren Bodendaten dargestellt. Ein Medianwert von 2,77 bedeutet, dass 50 % der Bodenproben einen Gehalt unter diesem Wert aufweisen.

Tabelle 1
Autor
DI Armin Bajraktarevic
Abteilung Bodengesundheit und Pflanzenernährung
AGES GmbH, Wien
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