27.04.2022

EC-Stadien und aktuelle Bestandesführung bei Wintergetreide

Bestimmung des Entwicklungsstadiums bei Wintergetreide und Empfehlungen zu Wachstumsregulierung, Düngung und Pflanzenschutz

Wir sehen hier nun den Bestockungsknoten, den ersten und den zweiten Halmknoten. Wäre der erste Halmknoten weniger als 1 cm vom Bestockungsknoten entfernt hätten wir noch EC 30, ist er mehr als 1 cm entfernt haben wir EC 31 erreicht. Wenn der zweite Halmknoten mindesten 2 cm vom ersten Halmknoten entfernt ist haben wir EC 32 vorliegen.

Die Zeitdauer von EC 31 bis EC 32 beträgt je nach Witterung ca. 10 Tage. Bei dieser Pflanze befinden wir uns folglich in Stadium EC 31.

Wachstumsregler

Die Entwicklung ist zwar durch die momentan kühleren Temperaturen etwas verzögert, wird aber bei anschließendem Schönwetter, bei steigenden Temperaturen und länger werdenden Tag sehr schnell gehen. Im Stadium EC 31 – EC 32 haben wir den idealen Zeitpunkt für den Halmverkürzereinsatz erreicht, in den meisten Gebieten ist dieser schon erfolgt, nur in Randlagen noch offen. Dem richtigen Halmverkürzereinsatz (je nach Standfestigkeit der Sorte – z.B. haben LENTIA, HANNELORE oder die mehrzeilige Sorte ADALINA bei der Neigung zu Lagerung die guten Noten 2 – 4 während die Winterbraugerste MONROE die Note 6 und SU Laubella die Note 5 haben) ist eine hohe Aufmerksamkeit zu schenken, um die Standfestigkeit abzusichern und damit das hohe Ertragspotenzial der Sorten zu nutzen.

Die besten Einkürzungseffekte werden im EC 31 – EC 32 erzielt.  Die meisten Produkte haben eine Zulassung von EC 29 bis EC 49. Mit Moddus (bzw. Produkten die den Wirkstoff Trinexapac enthalten) stehen hier erprobte und gut wirksame Produkte mit einer Aufwandmenge von 0,2 bis 0,8 lt/ ha zur Verfügung. Bei allen Produkten ist besonders die Zulassungssituation und Mischbarkeit (Herbizide, Fungizide, Blattdünger…) zu beachten. Prodax als weiterer Wachstumsregler stellt eine Mischung aus einem Wirkstoff des Medax Top und dem Wirkstoff des Produktes Moddus dar. Es vereint laut Anbieter auch die Vorteile dieser beiden Produkte – eine temperaturunabhängigere und längere Wirkungsdauer als die der Einzelprodukte (Aufwandmenge 0,5 -1,0 kg /ha).

Je wärmer und strahlungsintensiver (derzeit eher nicht gegeben!) das Wetter ist, umso stärker ist die einkürzende Wirkung. Achtung auch bei Kombinationen mit Fungiziden, die ebenfalls die Wirkung verstärken können. Allgemein gilt: Je später der Einsatz der Wachstumsregulatoren erfolgt, umso geringer ist der Effekt auf die Halmfestigung, da die einkürzende und den Halm stabilisierende Wirkung nur mehr den Neuzuwachs betrifft. Die Halmwandverdickung im unteren Bereich und die Einkürzung zwischen den unteren Internodien die für die Verbesserung der Standfestigkeit essentiell sind, schaffen wir bei verspäteten Einsatz nicht mehr.

Zu einem späteren Zeitpunkt bzw. bei noch immer instabilen Beständen kann mit Cerone auch später noch eine merkbare Einkürzung zwischen Ähre und letzten Blatt erreicht werden (zugelassen von EC 32 bis EC 49).

Generell gilt für alle Wachstumsregler, dass der Einsatz immer den Standortbedingungen, Sorten und der Wasserversorgung des Standortes angepasst erfolgen sollte um Schäden zu vermeiden – das gilt vor alle bei der im Osten Österreichs herrschenden Trockenheit.

Düngung

Aufgrund des Vegetationsfortschritts ist die 2. N-Düngung aktuell je nach Anbauzeitpunkt und Region schon erfolgt, in Randlagen spätestens jetzt aber der ideale Zeitpunkt. Ab dem EC 32 steigt der Nährstoffbedarf stark an, die angelegten Körner an der dann ca. 1 cm großen Ähre müssen ernährt werden.

Je nach Ertragslage und Ertragserwartung ist bei Wintergerste mit der 2. Gabe auf 100 – 130 kg N/ha aufzudüngen. Zur Sicherung der Kornausbildung bleiben somit zum Zeitpunkt kurz vor Grannenspitzen (EC 49) noch etwa 30 kg N/ha übrig bzw. wurde auf schwächer entwickelten Beständen diese Düngung bereits vorgezogen, um einer zu starken Triebreduktion vorzubeugen. Im Gegensatz dazu musste in zu stark entwickelten Beständen mit der Düngung bis zum EC 32 zugewartet werden, um die Reduktion unproduktiver Triebe, die nur unnötig Nährstoffe und Wasser verbrauchen, zu gewährleisten. Dort sollte aber bald die 3. Gabe fallen – gerade im Trockengebiet, wegen der oft mangelnden Feuchtigkeit zur Auflösung des Düngers nicht zu lange zuwarten.

Vorsicht – wer Winterbraugerste mit der Sorte Monroe produzieren will, sollte die 2.Gabe etwas geringer bemessen und auf jeden Fall rechtzeitig erledigen, damit es zu keinen erhöhten Proteinwerten kommt (ca. 20 – 25 % weniger als für Futtergerstenproduktion).

Pflanzenkrankheiten

Die Erfahrung aus den Vorjahren bei der Wintergerste zeigen, dass eine längere trockene Witterungsphase im Frühjahr den Krankheitsdruck deutlich reduzieren kann. Aktuell in weiten Teilen Österreichs fallende Niederschläge können die Situation aber sehr schnell ändern. Es gilt, die Bestände zu beobachten und daraus, zusammen mit dem Witterungsverlauf, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die zurzeit in Bodennähe befindlichen vergilbten Blätter bei der Wintergerste, im Besonderen in überwachsenen Beständen und vom Spätfrost betroffenen Beständen, kommen vom Mehltau im Herbst bzw. N-Mangel im Februar, März. Diese sollten für das Ertragsgeschehen keine Rolle spielen.

Sehr wohl zeigen sich in einigen Beständen aber Vergilbungen durch Manganmangel der auch die Wurzelausbildung hemmt. Diesen können sie noch durch Zugabe eines Manganblattdüngers bei den nächsten Überfahrten mindern.

Viele Betriebe haben auf Grund der steigenden Marktpreise bei gleichzeitig ziemlich stabilen Pflanzenschutzmittelpreisen bereits beim Halmverkürzereinsatz ein Fungizid zugesetzt. Unabhängig von der Wetterlage, auch bei trockenen Verhältnissen, müssen wir auf alle Fälle wieder mit Ramularia, der wichtigsten Blattkrankheit der Wintergerste rechnen. Die Anfälligkeit der Sorten liegt hier im eher höheren Bereich (Note 5-8 lt. AGES Sortenliste). Leider gibt es für diese Krankheit zurzeit keine andere Möglichkeit der Ausschaltung oder Schadensminimierung als den chemischen Pflanzenschutz. Ca. 10 Tage nach dem Ährenschieben treten die ersten Symptome auf – die Infektion erfolgt aber bereits deutlich früher. Innerhalb weniger Tage kann die ganze Pflanze befallen werden! Wenn die Krankheitsmerkmale zu sehen sind, ist es für eine Bekämpfung bereits zu spät. Erschwerend hinzugekommen ist in den letzten Jahren, dass diese Krankheit gegenüber bestimmten fungiziden Wirkstoffen Resistenzen entwickelt hat und deshalb hier auf die Wahl des richtigen Produktes sehr genau geachtet werden muss.

Bei der Bekämpfung der Ramularia spielte der Wirkstoff Chlorthalonil eine entscheidende Rolle der uns nicht mehr zur Verfügung steht. Für eine effektive Bekämpfung der Krankheiten der Gerste können Einzelprodukte mit guter, breiter Wirkung gegen Blattkrankheiten (Mehltau, Rhynchosporium, Netzflecken…) mit dem Kontaktwirkstoff Folpet kombiniert werden.

Zum Einsatzzeitpunkt ist zu sagen: Wer zu Wachstumsreglermaßnahmen in EC 31-32 schon ein Fungizid zugegeben hat oder zugibt, bzw. in einer separaten Überfahrt in EC 37 – 39 ein Fungizid appliziert, kann mit dem Abreifeschutz etwas länger zuwarten. Wer keine fungizide Vorlage auf seiner Wintergerste hat, für den ist es sinnvoller etwas früher zu behandeln. In den meisten Fällen wird dann der Einsatz in der Praxis spätestens zum Grannenspitzen (EC 49 – 51) erfolgen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass in den feuchteren Anbaulagen (Westbahngebiet von St. Pölten westwärts, OÖ, Steiermark, Kärnten) eher Doppelbehandlungen in EC 37 – 39 + EC 51 – 59, in den trockenen Anbaulagen eher Einmalbehandlungen in EC 49 empfehlenswert sind, um das Ertragspotenzial ihres Bestandes abzusichern.

Tierische Schädlinge wie Getreidehähnchen treten regional verstärkt auf und müssen beobachtet werden um gegebenenfalls mit einem Insektizidzusatz reagieren zu können und zusätzliche Überfahrten bzw. Kosten zu vermeiden.

Bitte wie immer bei den Empfehlungen die Registrierungsauflagen der Pflanzenschutzmittel und die erlaubten Düngerhöchstmengen nach den Auflagen der sachgerechten Düngung beachten.

 

In diesem Sinne wünscht Ihnen die Saatbau Linz viel Erfolg und für Fragen zu Sorten und Bestandesführung stehen Ihnen unsere Mitarbeiter im Außendienst und ich gerne zur Verfügung!

Albert MÜLLNER
Beratung Pflanzenbau
SAATBAU LINZ