07.08.2024
Nach dem Raps ist vor dem Raps
Nach der Ernte ist vor dem Anbau - ein auf Höchsterträge ausgerichteter Rapsanbau beginnt unmittelbar nach der Ernte der Rapsbestände und der Vorfrucht zu Raps.
Maßnahmen der Feldhygiene haben gerade in Zeiten fehlender insektizider Beizen und zunehmenden Restriktionen beim Einsatz von Insektiziden immense Bedeutung, da der Entwicklung von Schädlingen und Krankheiten wirksam begegnet werden kann. Gerade beim Raps entscheidet nicht nur die unmittelbare Kulturführung zu Raps, sondern die Ackerhygiene innerhalb der Fruchtfolge über den Anbauerfolg.
Im Zuge dessen gibt es drei Schwerpunkte die von Bedeutung sind:
- Vermeidung und Reduktion des Ausfallraps da innerhalb der Fruchtfolge der Raps selbst (zusammen mit seinen Leitunkräutern) zum Problemunkraut werden kann.
- Verbreitung von Krankheiten verhindern bzw. vermindern – grüne Brücke unterbrechen.
- Schädlingen (wie Ackerschnecken, Blattläusen, Rübsenblattwespen…) die Nahrungsgrundlage entziehen bzw. die Ausbreitung hemmen.
Reduktion von Ausfallraps
Kornverluste während der Rapsernte, die schnell ein 50 – 100-Faches einer normalen Saatstärke betragen können, sind oft unvermeidbar, können aber durch einen optimalen Erntetermin (vor allem nicht zu früh!) vermindert werden. Durch das ständige Auflaufen zu tief vergrabener, langjährig keimfähiger Ausfallrapskörner in den Folgejahren kommt es zu Problemen in anderen Blattfrüchten (z.B. Zuckerrübe, Sojabohne…) und bodenbürtige Krankheiten wie Kohlhernie oder Verticillium können überdauern und sich weiter ausbreiten. Darüber hinaus kann in neu gesäten Rapsbeständen das unkontrollierte Auflaufen von Ausfallraps zu hohen Bestandesdichten führen und Folgeprobleme im Bereich Auswinterung durch überwachsen, Krankheiten und Lageranfälligkeit auslösen. Um dieses Potential an Ausfallrapssamen zu reduzieren, müssen alle Maßnahmen nach der Rapsernte darauf abzielen, nicht ausgedroschene Schoten zu öffnen, alle Körner zum Keimen zu bringen und die Ausbildung von sekundärer Dormanz (Keimruhe ausgelöst durch zu tiefes einarbeiten, Lichtmangel, Trockenheit…) zu verhindern. Dies erfolgt am effektivsten durch Mulchen, flaches Einarbeiten der Ernterückstände und sofortiges rückverfestigen – Ausfallraps darf auf keinen Fall zu tief vergraben werden!
Schädlingen die Nahrungsquelle entziehen
Nach diesen ersten Arbeitsschritten gilt es die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten zu unterbrechen. Schädlinge wie Rübsenblattwespe, Erdfloh, Mäuse und vor allem Ackerschnecken finden in Ausfallraps (und unzerkleinerten Rapsstängeln) ideale Bedingungen vor. Je intensiver die Zerkleinerung der Ernterückstände erfolgt, desto weniger Deckung und Rückzugsmöglichkeit bieten diese Flächen für Schnecken und Mäuse, was wiederrum deren natürlichen Feinden wie Vögeln eine effiziente und kostenlose Reduktion ermöglicht.
Grüne Brücke unterbrechen
Eine der größten Gefahren für die Entwicklung der neu ausgesäten Rapsbestände sind vom Wind verbreitete Sporen von infizierten Ernterückständen und Ausfallrapsbeständen. Auch der Verbreitung des Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV – Turnip yellows Virus) das durch verschiedene Blattlausarten übertragen wird und aus der gleichen Virusfamilie wie das Gelbverzwergungsvirus der Gerste stammt, kann durch infizierte Ausfallrapsbestände Vorschub geleistet werden. Als Gegenmaßnahme kann hier zwar der Anbau resistenter Sorten (wie z.B. ARTEMIS, LG AUCKLAND, LG AVENGER, DK EXAURA…) erfolgen, aber auch in diesem Fall ist die Ackerhygiene eine wichtige Maßnahme die Ausbreitung zu hemmen. Spätestens zum dritten Laubblattstadium (um die Verbreitung der Kohlhernie zu verhindern da hier die benötigte Temperatursumme zur Dauersporenentwicklung des Erregers nicht erreicht wird) bzw. zum Aufgang der neu gesäten Bestände sollte der Ausfallraps durch eine flache Bodenbearbeitung beseitigt sein. Dies dient dazu Höchsterträge im Raps bei unnötigen Aufwendungen abzusichern und gleichzeitig noch nicht gekeimte Körner zum Auflaufen zu bringen.
N-Potenzial konservieren
Im Idealfall erfolgt bei der flachen Bodenbearbeitung gleichzeitig die Aussaat einer kruziferenfreien Begrünungsmischung um den durch die Zersetzung der N-reichen Ernterückstände freiwerdenden Stickstoff (die Menge kann schnell 60 – 80 kg N betragen) für die Folgefrucht Weizen oder Mais zu konservieren und vor Auswaschung zu bewahren. Diese konservierte Menge Stickstoff in Verbindung mit der sehr guten Vorfruchtwirkung des Raps ist die Basis für nachfolgend hohe Weizenerträge bei gleichzeitig sehr hoher Weizenqualität in Verbindung mit reduzierten Düngerkosten (wie gerade die letzten beiden Jahre mit leider etwas schwächeren Proteingehalten nach anderen Vorfrüchten belegen).
Unter dem Motto „Vorbeugen statt heilen“ ist die Kombination von Bodenbearbeitung, pflanzenbaulichen Maßnahmen und der Wahl der besten Sorten wie LG AUCKLAND, LG AVENGER oder DK EXAURA entscheidend für erfolgreichen Ackerbau – viel Erfolg beim Rapsanbau 2024!
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