28.10.2020

Späte Wintergetreideaussaat um jeden Preis?

Im Vergleich zu den letzten Jahren erlauben die heurigen Witterungsbedingungen nur kurze Zeitfenster für die Wintergetreideaussaat.

Wintergerste nicht mehr empfehlenswert

Immer wieder nasse Witterungsbedingungen zögern die Ernte der Vorfrüchte wie Mais oder Zuckerrübe hinaus. Eine darauffolgende Aussaat von Wintergetreide ist oft schwierig.

Speziell für Wintergerste ist der Zeitpunkt für eine optimale Aussaat bereits abgelaufen. Wintergerste sollte vor der Vegetationsruhe noch in die Bestockung gehen, was oft nur mehr in Gunstlagen ermöglicht werden kann. Falls es zu einem Wintergerstenanbau doch noch kommt, sollte das „Einschmieren“ in den Boden vermieden und die Saatstärke dementsprechend erhöht werden. Wenn Futtergetreide benötigt wird empfehlen wir auf Wintertriticale oder Futterweizen auszuweichen.

Winterweizen verträgt Spätsaat

Im Vergleich zu Wintergerste verträgt Winterweizen eine spätere Aussaat, da er im Frühjahr eine längere Vegetationszeit bis zum Schosstermin zur Verfügung hat. Auch nasse und schwierige Saatbettbedingungen geben der Weizenaussaat gegenüber der Wintergerste den Vorzug. Bei der Bodenbearbeitung zur Saatbettbereitung ist jedoch Vorsicht geboten. Zwischen tiefer Bodenbearbeitung und Aussaat sollte keinesfalls ein Niederschlag erfolgen, da ein Abtrocknen des Bodens bis zur Aussaat kaum mehr ermöglicht wird. Optimal ist eine sofortige Bodenbearbeitung mit anschließender Aussaat nach der Ernte der Vorfrucht, sofern es die Bodenbedingungen zulassen.

In den letzten Jahren haben vor allem Qualitätsweizen AURELIUS (BQ 7) und Mahlweizen TIBERIUS (BQ 4) ihre Spätsaateignung bewiesen. Die Saatstärke ist dabei zu erhöhen.

Plan B zu Wintergetreide

Auf schweren Böden mit hohen Niederschlagsmengen und einer Späternte der Vorfrucht ist die Überlegung anzustreben, einer Frühjahrskultur den Vorzug zu geben. Schäden die durch nasse Bodenbearbeitung entstehen, sind nur sehr aufwändig und über lange Zeiträume behebbar. Darüber hinaus erleiden zu späte Saaten mit schlechten Saatbettbedingungen oft Ertragseinbußen um bis zu 20%.