Wie ernte ich Masse mit Klasse?

veröffentlicht am 04.02.2020

Die Anforderungen an die Milchwirtschaft und Rindermast steigen stetig. Daraus resultierend spezialisieren sich die Betriebe immer mehr und können die Qualität der Maissilage nicht dem Zufall überlassen.

Maissilage ist eines der wichtigsten Grundfuttermittel in der Rinderfütterung. Ein hoher Futterwert der Maissilage ist Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Versorgung der Rinder und fördert auch die Futteraufnahme. Denn je besser die Abbaubarkeit (Verdaulichkeit) des Futters im Pansen, umso mehr können die Kühe davon fressen, und das wirkt sich positiv auf die Milchleistung aus. Der Futterwert von Maissilage wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst.

Was ist zu beachten?

Die Basis für eine Qualitätssilage wird im Frühjahr mit der richtigen Sortenentscheidung gelegt. Der Wiederkäuer kann aus den hochverdaulichen Kohlenhydraten Stärke und Zucker (Zucker wird aber zum Großteil bei der Silierung in Milchsäure umgewandelt), aber auch aus der schwerer verdaulichen Zellwand (NDF) Energie gewinnen.Es gibt Sorten wie DANUBIO, welche auf Grund ihrer agronomischen Eigenschaften immer eine stärkebetonte Silage liefern („stärkebetonte Sorte“).

Zum anderen garantieren Massenträger wie FILMENO immer hohe Grünmasseerträge. Hierbei legt die SAATBAU LINZ ein sehr hohes Augenmerk auf eine ausgezeichnete NDF-Verdaulichkeit, damit möglichst hohe Passageraten im Pansen erzielt werden können („hochrestpflanzenverdau-liche Sorte“). Für diese unterschiedlichen Sorten ergeben sich somit auch verschiedene Zielbereiche des TS-Gehaltes bei der Ernte. Abreife und Verdaulichkeit.

Wie in Abb. 1 ersichtlich steigt mit der Abreife des Maises der Stärkegehalt kontinuierlich bis zur Bildung des sogenannten Black layers (dunkel verfärbter Kornansatz) an. Zugleich verändert sich das Verhältnis Stärke/NDF auf Grund der Zellfüllung. Somit sinkt der absolute NDF Gehalt der Pflanze. Während der fortschreitenden Entwicklung der Pflanze wird immer mehr Lignin in die Zellwände eingelagert. Das bedeutet, dass bei höheren TS-Gehalten die Zellwände, sprich der NDF-Gehalt niedriger ist, aber auf Grund der Lignifizierung eine schlechtere Verdaulichkeit (NDF-Verdaulichkeit) aufweist.

Deswegen kann man sagen, dass hochrestpflanzenverdauliche Sorten wie FILMENO eine grundlegend bessere NDF-Verdaulichkeit aufweisen, aber wegen ihres absolut höheren NDF-Gehaltes nicht zu spät geerntet werden sollen.

Zellwand und Verdaulichkeit

Die dargestellte Grafik in Abb. 2 spiegelt das Verhältnis zwischen MJ NEL-VC und Trockensubstanzgehalt der gehäckselten Maispflanze wider. Der NEL-VC Wert ist ein Parameter von BLGG AgroXpetus, bei dem für die NEL-Bestimmung die Verdaulichkeit der organischen Substanz berücksichtigt wird. Hierbei wird beachtet, wie viele beständige oder unbeständige Komponenten vorhanden sind. Durch die Berücksichtigung von Zellwänden bzw. Messung der Zellwandverdaulichkeit kann der NEL-VC-Wert deutlich vom NEL-Wert abweichen.

Der Trockensubstanzgehalt spiegelt den Abreifeverlauf der Maispflanze wider. Bei extrem trockenen Bedingungen müssen aber auf Grund des hohen TS-Gehalts der Restpflanze die Zielwerte für den TS-Gehalt der Ganzpflanze nach oben korrigiert werden. Wie eingangs erläutert, steigt mit der Stärkeeinlagerung der MJ NEL-VC Wert. Es kommt aber mit Ende der Teigreife/Beginn Bildung Black layer zu einer Stagnation beziehungsweise sogar einem Rückgang der verfügbaren Energie für die Milchkuh. Ausgelöst wird dieser Knick durch die Beendigung des Umwandlungsprozesses von Zucker in Stärke der Maispflanze und zum anderen durch die stetige Lignifizierung der Gerüstsubstanz. Dieser Punkt kann je nach Witterung (vorwiegend bei Wassermangel), Sorte und Standort zwischen 36 bis 39 % TS eintreten.

DANUBIO und FILMENO

Stärkebetonte Sorten wie DANUBIO haben einen niedrigeren Gehalt an NDF, deswegen kann auch eine optimale Stärkeeinlagerung ausgenutzt werden, da die Lignifizierung nicht so stark ins Gewicht fällt. Die hochrestpflanzenverdauliche Sorte FILMENO sorgt für exzellente Milchleistungen, da durch sehr gute NDF-Verdaulichkeiten hohe Passageraten im Pansen erzielt werden können. Deswegen wird bei diesen Sorten erhöhte Aufmerksamkeit auf die Restpflanze gelegt und ein etwas früherer Erntetermin empfohlen.

Durch ein sorgfältig aufgebautes Versuchswesen kann die SAATBAU LINZ auf eine breite Datenbasis von Silomaisanalysen zurückgreifen, um den Landwirten bei der Weiterentwicklung ihrer Betriebe beratend zur Seite zu stehen.

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung!

 

Raimund BRANDSTETTER

Fachberatung Silomais, Zuckerrübe und Zwischenfrucht

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