Roggen - Bestandesführung 2020 je nach Entwicklung

veröffentlicht am 04.03.2020

Aufgrund der in den meisten Teilen Österreichs idealen Herbstwitterung 2019 sind die meisten Roggenbestände optimal entwickelt und bereits voll bestockt.

Von zu stark und überwachsen (sofort aufgelaufen und lange gewachsen) bis zu schwach durch verzögerten Auflauf und Trockenheit ist sowohl bei Hybrid- als auch Normalroggen alles vorhanden.

Nichtsdestotrotz gibt es aber auch Hybrid- und Normalroggenbestände die deutlich zu stark oder zu schwach in den fast nicht vorhandenen Winter gegangen sind. Welche Auswirkungen auf die Düngung und weitere Bestandesführung ergeben sich daraus?

Da in den letzten Jahren verstärkt Hybridroggen wie KWS TAYO, KWS ETERNO und SU FORSETTI ausgesät wurden, die eine bessere Bestockung und höherer Einzelährenerträge bringen, ist die Bestandesführung etwas einfacher – nichtsdestotrotz gilt es für 2020 einige Dinge zu beachten.

Vor allem uneinheitliche Bestände innerhalb einer Fläche stellen Landwirte vor Herausforderungen!

Standort:

• Boden: Felsbraunerde mit 30 Bodenpunkten,

• Seehöhe ca. 520 m; Vorfrucht Roggen – Stroh eingearbeitet.

• Anbau: unmittelbar nach Pflug mit Kreiselegge Sämaschine und Frontpacker kombiniert am 21.09. unter idealen Bedingungen mit 255 K/m²;  Sorte KWS TAYO.

• Unter solchen Bedingungen (Stroheinarbeitung, schwacher Boden…) könnte auch eine Herbstdüngung empfehlenswert sein, ist hier aber nicht erfolgt – trotzdem sind die Bestände ideal bestockt.

Idealer Bestand:

Derzeit sind 3 – 4 starke Triebe pro Pflanze zu sehen, die bei Hybridroggen ausreichend für diesen typischen Roggenstandort sind um 450-550 Ähren/m² mit 50-60 Körner/m² zu erreichen.

Diese Triebe sind zu erhalten und zu fördern, gleichzeitig soll aber unter den trockenen Bedingungen der Roggenstandorte eine zu starke weitere Bestockung verhindert werden, die nur zu unnötigen Wasserverbrauch führen würde.

Neue Nebentriebe 2. Ordnung entwickeln keine eigenen Kronenwurzeln, belasten die Nebentriebe 1. Ordnung und müssen später in der Schossphase wieder reduziert werden.

Das heißt eine erste Gabe von ca. 40-70 kg N je nach Bodenschwere und Vorfrucht und 60-80 kg zur zweiten Gabe in EC 30-32 je nach Bestandesentwicklung, Bodenfeuchte und Ertragsziel. Eine dritte Gabe ist bei Roggen nicht notwendig und für die Qualität eher negativ.

Wachstumsregler sollten in diesen Beständen eher früh und eventuell gesplittet angewendet werden, aber immer dem Wasserangebot angepasst, um keine Schäden zu produzieren.

Schwacher Bestand durch verspäteten Auflauf, Trockenheit oder schlechter Vorfrucht:

Durch den verspäteten Auflauf ist der Bestand zu schwach und muss noch bestocken. Darum früh und stark andüngen mit mindestens 50-80 kg N als NAC oder NPK. Eventuell ist zum Ende der Bestockung hin eine zusätzliche Zwischengabe mit 20-30 kg N von Vorteil, um die Bestandesdichte abzusichern.

Die Schossergabe eher schon früher im EC 30-31 geben – abhängig von der Bestandesentwicklung und Bodenfeuchte mit ca. 60-80 kg /ha.

Wachstumsreglermaßnahmen (falls geplant) nicht zu früh duchführen und dabei keine zu hohe Dosis verwenden – Mengen deutlich reduzieren!

Zusätzlich kann ein Arbeitsgang mit Walze oder Striegel die Bestockung anregen und verbessert gleichzeitig durch die Rückverfestigung die Manganverfügbarkeit.

Sollte nicht gewalzt werden kann bei Manganmangel bei der Unkrautbekämpfung gerade auf leichten Böden mit hohen pH-Werten ein Mangandünger zugegeben werden. Zumeist sind aber die Roggenböden eher Standorten mit niedrigen pH-Werten, wo Manganmangel seltener auftreten sollte.

Überwachsener Bestand:

Sollten sie deutlich überwachsene Bestände haben, die einer Getreidewiese mit 8 – 10 Trieben pro Pflanze gleichen:

In diesem Fall mit max. 30-40 kg N/ha andüngen da eine Mindestmenge zum Starten notwendig ist.

Rechtzeitig Wachstumsregler und Fungizide einsetzen – der Krankheitsdruck ist durch dichte Bestände deutlich höher.

Zweite N-Gabe voraussichtlich auf EC 32 rausschieben um die Reduktion von Nebentrieben zu gewährleisten mit einer Menge von 30-60 N/ha und eine 3. Gabe einplanen (Vorfrucht beachten).

Diese Hinweise gelten vor allem für Hybridroggen aber auch für Normalroggen, die jedoch mit deutlich geringeren Einzelährenerträgen auch bei dichteren Beständen nicht an das Ertragspotenzial der Hybridroggen herankommen.

Mutterkorn:

Mutterkorn ist die Überdauerungsform eines Pilzes (Claviceps purpurea) der Gräser und Getreide befällt und je nach Jahreseinfluss mehr oder weniger stark auftritt und durch die toxischen Inhaltsstoffe zu Schwierigkeiten in der Vermarktung der Ernteware führt.

Die Sporen des Mutterkornpilzes infizieren Gräser vor allem aber den Fremdbefruchter Roggen sowie Triticale. Vorsicht ist vor allem bei hohen Roggenanteilen in der Region bzw. bei Roggen auf Roggen geboten.

Maßnahmen gegen Mutterkorn:

• Sortenwahl: Verwendung gering anfälliger Sorten (Pollen plus Sorten wie KWS TAYO, Zumischung von Normalroggen zur Befruchtungsverbesserung bei SU FORSETTI)

• zu stark eingekürzte Bestände vermeiden, ungleich abblühende Bestände und verregnete Blühwitterung führen zu erhöhtem Mutterkornbesatz.

• Pflanzenschutzmaßnahmen ohne oder mit zu schmalen Fahrgassen vermeiden - niedergefahrene Pflanzen blühen später und werden deutlich stärker mit Mutterkorn befallen (sieht man deutlich an den Randpflanzen der Fahrgassen).

• Abhäckseln von Feldrändern als Infektionsquelle für Mutterkorn sind reduziert ebenfalls den Besatz.

Fazit: Alle Maßnahmen der Bestandesführung die eine gleichmäßige, schnelle Blüte fördern und später schossende bzw. später blühende Pflanzen vermeiden, reduzieren den Mutterkornbesatz.

 

Bitte wie immer bei den Düngungsempfehlungen das Ertragspotenzial und Ziel sowie die Richtlinien der sachgerechten Düngung betreffend Mengen und Zeitpunkte beachten.

 

Viel Erfolg im Jahr 2020 mit Ihrem Roggen und für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung!

 

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

Tel: +43 664 142 60 05

E-Mail senden