Bestandesführung bei Raps im Frühjahr 2019

veröffentlicht am 15.02.2019

Ertrag ist im Rapsanbau nicht der einzige Erfolgsfaktor, doch gerade bei Raps als Intensivkultur mit höheren Preisen hängt die Wirtschaftlichkeit neben den Kosten der Produktion sehr stark vom Ertrag ab.

Schwankende Erträge und Preise haben neben Restriktionen im Pflanzenschutz (z. B.: Beizung) in den letzten Jahren zu stagnierenden bzw. rückläufigen Anbauflächen in Österreich geführt. Da wir auf die Preissituation und Pflanzenschutzmittelzulassungen leider nur sehr geringen Einfluss haben, gilt es gerade unter diesen Voraussetzungen für den Rapsanbauer, mit all seiner fachlichen Kompetenz, die Faktoren der Bestandesführung im Frühjahr zu optimieren. Raps hat ein gewaltiges Ertragspotenzial – nutzen wir es!

Der Rapsanbau im Herbst 2018 war einerseits gekennzeichnet durch eine gebietsweise sehr starke Trockenheit und verzettelten Auflauf der jungen Rapsbestände, andererseits durch die hohen Temperaturen und die lange Vegetationszeit bis tief in den November hinein. Dies führte dazu, dass sehr früh gesäte Bestände optimal bis zu stark entwickelt sind und teilweise mehrmals gekürzt werden mussten.

Gleichzeitig haben aber auch noch sehr spät gesäte Bestände (v. a. bei Hybridrapssorten wie DK EXPRESSION, DK EXCEPTION, ANGELICO…) eine ausreichende Herbstentwicklung erreicht, die eine gute Überwinterung sichern sollte. Die Voraussetzungen für das Rapsjahr 2019 sind also von der Entwicklung der Bestände her sehr gut - planen wir den Start rechtzeitig und optimieren wir den Betriebsmitteleinsatz um Höchsterträge zu erreichen!

Stickstoffdüngung und Spurenelemente

Durch die trockene Saatbettbereitung in Kombination mit einer trockenen Herbstwitterung ist von einer guten Wurzelentwicklung der Rapsbestände ohne gravierende Störschichten in der Wurzelzone auszugehen. Vor allem im Trockengebiet kann aufgrund der Vorjahreswitterung und damit einhergehenden geringeren Erträgen der Vorfrucht mit einem höheren N-Angebot im Boden gerechnet werden. Trotzdem ist eine rechtzeitige Andüngung der Bestände vor Vegetationsstart, aber frühestens ab 1. Februar, eine wichtige Maßnahme. Je näher sich die Düngerausbringung aufgrund schlechter Befahrbarkeit oder gesetzlicher Auflagen zum Vegetationsstart hin verschiebt, desto höher sollte der Nitratanteil des eingesetzten Düngers sein.

Der Stickstoffbedarf bei Winterraps liegt bei ca. 50 kg rein N pro Tonne Ertragserwartung. Dieser Bedarf muss in Summe aus Herbstaufnahme, Nmin, Nachlieferung aus dem Boden und Zufuhr von Mineraldünger oder organischer Düngung gedeckt werden. Die zulässige Düngermenge sollte je nach Bestandesentwicklung auf die erste Gabe zu Vegetationsbeginn und die zweite Gabe zum Schossen aufgeteilt werden. Auf Beständen, die stark entwickelt aus dem Winter kommen, sollte die erste Gabe ca. 40 % der gesamt N-Menge betragen und die zweite Gabe zum Schossen ca. 60 %. Schwächer entwickelte Bestände: 60 % zur ersten Gabe und 40 % zur zweiten Gabe. Ideal wäre, die erste Gabe vor Vegetationsbeginn auf morgens gefrorenem und tagsüber aufnahmefähigem Boden auszubringen. Beachten Sie in diesem Zusammenhang aber, dass unter diesen Verhältnissen die N-Menge, die ausgebracht werden darf, auf 60 kg/ha beschränkt ist.

Da die N-Aufnahme mit Blühende abgeschlossen ist, bringt eine Nachdüngung zur Blüte auf unter Trockenheit leidenden Beständen keinen positiven Ertragseffekt.

Neben der Versorgung mit Stickstoff muss auch die Schwefelversorgung von Beginn an gesichert sein, da nur dadurch die optimale Verwertung der eingesetzten N-Dünger gewährleistet ist. Die ausgebrachte Menge an Schwefel sollte ca. ein Viertel der N-Düngermenge ausmachen.

Bor als das wichtigste Spurenelement im Rapsanbau wird vor allem bei Trockenheit und hohen pH- Werten festgelegt. Aus diesem Grund empfehlen wir im Herbst eine einmalige Zugabe von 150 g/ha und im Frühjahr bei den Insektizidmaßnahmen eine Zugabe von ein- bis zweimal 150 – 300 g/ha. Dabei ist darauf zu achten, dass durch den Effekt mancher Borprodukte, den pH-Wert stark zu erhöhen, die Wirksamkeit und Wirkdauer von Insektiziden deutlich herabgesetzt werden kann. Um das zu verhindern, sollte in diesen Fällen der pH-Wert wieder abgesenkt werden (z. B. durch Zugabe von Zitronensäure).

Deutlich geringer als die Borbedarfswerte liegt der Bedarf an Molybdän. Als essentieller Pflanzennährstoff ist Molybdän an wichtigen Stoffwechselvorgängen in der Pflanze beteiligt und nimmt unter den Mikronährstoffen eine gewisse Sonderstellung ein. Die Aufnahme durch die Pflanzen ist außerordentlich gering. Sie beträgt pro Jahr nur ca. 5 - 12 g/ha. Anders als bei Bor, Kupfer, Mangan und Zink erhöht sich mit steigendem pH-Wert die Verfügbarkeit. Molybdän nimmt in der Rapspflanze eine wichtige Stellung in der Stickstoffverwertung ein und ist an der Proteinbildung beteiligt. Ein Mangel kann zu Nitratanreicherungen und Deformationen in den Blättern führen. Bor und Molybdän haben auch Einfluss auf die Pollenfertilität und Pollenbildung, ein Mangel kann Befruchtungsstörungen auslösen. Die direkt am Saatkorn aufgebrachte Menge Molybdän (z. B. bei Opticare Beizung) sichert die ausreichende Versorgung der jungen Rapspflanze im Herbst gerade unter ungünstigen Witterungs- oder Bodenverhältnissen ab. Wird im Frühjahr noch eine Blattdüngung mit Molybdän geplant, sollte diese erfolgen, bevor der Raps größere Mengen an Nitratstickstoff aufnimmt.

Stängelschädlinge

Stängelschädlinge treten nicht im jeden Jahr in gleicher Stärke auf, die Witterungsbedingungen und die Anbaudichte von Raps in einer Region sind die wesentlichen Einflussfaktoren. Ab Mitte Februar, spätestens aber an den ersten sonnigen Tagen mit Temperaturen von ca. 10 °C ist das Aufstellen von Gelbschalen (mit aufgelegten Gittern), bzw. das Beachten der Warnmeldungen wichtig, um den Zuflug des Großen Rapsstängelrüsslers und des Gefleckten Kohltriebrüsslers nicht zu übersehen, wie es in einigen Regionen Österreichs im Jahr 2018 passiert ist.

Ab ca. 12 °C fliegen die ersten Großen Rapsstängelrüssler aus den Rapsflächen des Vorjahres zu und legen nach einem kurzen Reifungsfraß (manchmal nur 2 - 3 Tage) ihre Eier ab. Je nach Witterung folgt kurz darauf (oder auch übergreifend) der Gefleckte Kohltriebrüssler aus seinen Überwinterungsquartieren wie Windschutzgürteln und Waldrändern. Dieser beginnt nach einem 5 – 10 tägigen Reifungsfraß mit der Eiablage. Die Schadschwelle liegt beim Stängelrüssler bei 5 Käfern pro Schale mit Gitter und beim Kohltriebrüssler bei 10 Käfern pro Schale mit Gitter innerhalb von drei Tagen. Nach der Eiablage bohren sich die Larven in den Stängel ein und ernähren sich vom Stängelmark.

Die Bekämpfung dieser Stängelschädlinge kann mit einem Pyrethroid der Klasse II erfolgen, werden aber bereits vermehrt auch Rapsglanzkäfer in den Gelbschalen gefunden, sollte die Bekämpfung mit einem Pyrethroid der Klasse I (z. B. Trebon 30 EC) durchgeführt werden. Bei all diesen und auch späteren Maßnahmen ist der Bienenschutz auch aus Eigeninteresse vorrangig, da wir in der Landwirtschaft Nutznießer der Bienenbestäubung sind.

Physiologische Knospenwelke und Spätfrostschäden

Spaetfrost bei RapsPhysiologische Knospenwelke tritt v. a. dann auf, wenn das Wachstum nach sehr tiefen Temperaturen rasant einsetzt – einige Knospen werden hell, bleiben im Wachstum stehen und fallen ab – oder die Rapsknospen durch Spätfröste erfrieren oder partiell geschädigt werden. Schäden die durch Spätfrost (s. Bild) in blühenden Rapsbeständen (wie in manchen Regionen Österreichs im Jahr 2016 und 2017) sowie durch physiologische Knospenwelke im Jahr 2018 verursacht wurden, können durch den Landwirt nicht verhindert werden. Wohl aber können die Auswirkungen durch eine optimale Nährstoffversorgung (N, S, K, Bor, Mg und Mo) und Schadinsektenregulation im Anschluss an diese Ereignisse gemindert werden. So hat ein durch Spätfrost geschädigte Bestand (Bild unten) im Jahr 2017 noch einen Ertrag von durchschnittlich 4.205 kg/ha im Schnitt von sieben Sorten erbracht (Quelle: Sortenversuche Raps Saatbau Linz 2017; Standort Müllner).

Unkrautbekämpfung im Frühjahr

Der wichtigste Faktor, um unerwünschte Unkräuter hintanzuhalten, ist neben einer erfolgreichen Herbstunkrautbekämpfung ein wüchsiger, gut Unkraut unterdrückender Rapsbestand. Alle Maßnahmen, die eine zügige Bestandesentwicklung fördern, reduzieren die Unkrautkonkurrenz. Sollte trotz erfolgter Herbstunkrautbekämpfung noch eine Korrekturspritzung mit Effigo oder Lontrel notwendig sein (bitte die Anwendungsempfehlungen der Pflanzenschutzmittelfirmen beachten), muss unbedingt darauf geachtet werden, dass diese rechtzeitig erfolgt. Die Blütenknospen müssen, um Schäden zu vermeiden, vor Spritzflüssigkeit geschützt werden, d. h. von den Hüllblättern noch dicht umschlossen sein, gleichzeitig dürfen aber keine Nachtfröste auftreten. Gerade in Jahren mit sehr zügiger Frühjahrsentwicklung ist dieser Zeitraum sehr kurz.

Ausfallgetreide und Gräser können noch mit zugelassenen Herbiziden bekämpft werden, wüchsige Witterung und ein eventueller Netzmittelzusatz sichern die Wirkung ab.

Krankheiten und Wachstumsregler

Durch den eher trockenen Herbst ist gerade dort, wo bei den Kürzungsmaßnahmenstarke fungizide Wirkstoffe zum Einsatz kamen, von einer geringeren Phomainfektion der Bestände auszugehen. Das  Ausgangspotenzial im Frühjahr sollte daher in Verbindung mit gering Phoma-anfälligen Sorten niedrig sein, trotzdem darf Phoma nicht außer Acht gelassen werden. Frühjahrsinfektionen, die je nach Jahreswitterung durch Frost oder Wachstumsrisse am Stängel entstehen können, sind zu verhindern. Durch den Einsatz entsprechender Fungizide mit gleichzeitig wachstumsregulierender Wirkung (einmalig oder im Splitting je nach Wasserangebot) in Kombination mit einer Insektizidmaßnahme können die Bestände sowohl gegen Phoma als auch gegen Lager abgesichert werden, um Ertragsverluste zu vermeiden. Die Auswahl des Mittels und die Aufwandmenge sollten sich nach dem Krankheitsdruck und dem Wasserangebot ihres Standortes orientieren, um Stress durch zu hohe wachstumsregulierende Aufwandmengen auszuschließen.

Die Ausgangssituation für hohe Rapserträge ist gegeben - ich wünsche Ihnen viel Erfolg für die Ernte 2019!

 

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

Tel: +43 664 142 60 05

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