Soja aus Österreich – von der Nische zur Hauptkultur

veröffentlicht am 22.04.2020

In den letzten zehn Jahren hat sich die Soja-Produktion in Österreich mehr als verdoppelt. Ein Drittel davon wird nach Kriterien des biologischen Landbaus produziert.

• Mehr heimisches Soja hat viele Vorteile

• Soja aus Österreich liegt im Trend der Zeit

• Soja, ein Held am Feld

• Maßgeschneiderte Sojazüchtung aus Österreich

Fast die Hälfte der heimischen Sojabohnen wird veredelt und als Tofu, Sojadrinks oder etwa als Spezialmehl und Flocken exportiert. Sojaverarbeiter profitieren von der zunehmenden Nachfrage nach fleischloser Ernährung. Es wird allgemein erwartet, dass dieser Trend anhalten wird.
Die Sojabohne hat sich in den vergangenen Jahren von einer Nischenkultur zu einem attraktiven Fruchtfolgeglied entwickelt. 2019 rangiert Soja mit einer Anbaufläche von über 69.000 ha nach Mais, Weizen und Gerste hierzulande auf Rang vier der offiziellen Flächenstatistik. Auf einem Drittel der Sojafläche arbeiten die heimischen Landwirte nach Kriterien des biologischen Landbaus – das ist der höchste Wert in Europa. Im Vorjahr wurden in Österreich mehr als 215.000 t Sojabohnen geerntet, so viel wie nie zuvor. Die heimische Sojaernte ist damit doppelt so groß wie jene von Raps. Auch Sonnenblume, Körnererbse und Ackerbohne können der Sojabohne den Rang als wichtigste Alternativkultur in Österreich nicht einmal ansatzweise streitig machen.

Mehr heimisches Soja hat viele Vorteile
Eine gesteigerte Nachfrage seitens der Futter- und Lebensmittelwirtschaft sowie die Sensibilisierung der Gesellschaft für Nachhaltigkeitsthemen und mehr regional produzierte Produkte forcieren das Interesse am heimischen Sojaanbau. SAATBAU LINZ sieht ein Potenzial von 100.000 ha Anbaufläche mit einer Erntemenge von bis zu 350.000 t pro Jahr bis zum Jahr 2030.
Diese positive Entwicklung würde zum einen zusätzliche Produktionsmöglichkeiten und Wertschöpfung für Österreichs Bauern schaffen und zum anderen die Importabhängigkeit im Bereich Eiweißfutter reduzieren. Sojabohnen aus österreichischem Anbau weisen eine deutlich bessere Ökobilanz auf als jene aus Brasilien oder Argentinien, die sehr häufig auf gerodeten Regenwaldflächen produziert werden. Und im Gegensatz zu anderen Ländern sind Sojabohnen in Österreich seit jeher ausschließlich gentechnikfrei produziert – ein ausschlaggebendes Argument bei der Vermarktung von Sojaprodukten und Futtermitteln.

Soja aus Österreich liegt im Trend der Zeit
Pflanzliche Alternativen zu Produkten aus tierischer Produktion erfreuen sich in den letzten Jahren einer steigenden Beliebtheit. Vegetarische und vegane Ernährungsweisen haben breiten Eingang in unsere Gesellschaft gefunden. Auch eine ständig wachsende Anzahl von Flexitariern findet zunehmend Gefallen an geschmackvoller und spannender Abwechslung auf dem Speiseplan. Immer mehr Anbieter erweitern daher ihre Produktpalette um derartige Angebote und die steigende Nachfrage gibt ihnen Recht.
Der Hauptrohstoff für diese Produktionslinien ist und bleibt die Sojabohne, die sich durch ihren alles überragenden Eiweiß- und Nährstoffgehalt auszeichnet. Keine andere Eiweißpflanze kann solche Effizienz ermöglichen, weder am Feld noch in der Verarbeitung. Österreichische Betriebe haben diese Vorzüge früher als andere erkannt und sich in Europa eine Vorreiterrolle erarbeitet.
Während weltweit mehr als 80 % der Sojabohnen als Tierfutter Verwendung finden, geht in Österreich fast die Hälfte der jährlichen Sojaernte in die Produktion von Nahrungs- und Genussmitteln. Österreich nimmt damit international eine Ausnahmestellung ein.
Heimische Anbieter von Flocken oder Mehlen aus Sojabohnen haben in den letzten 25 Jahren umfangreiches Knowhow aufgebaut. Mittlerweile sind sie in Europa Marktführer bei der Belieferung von Backmittel- und Backwarenherstellern. Bei der Verarbeitung von Sojabohnen in Ölmühlen entsteht neben einem wichtigen Eiweißfuttermittel vor allem wertvolles Sojaöl.
Die SAATBAU LINZ unterstützt die heimischen Initiativen, die sich mit der Veredlung von Proteinen aus pflanzlichen Rohstoffen beschäftigen. So auch den Verein SOJA AUS ÖSTERREICH - einer Initiative von aktuell 34 österreichischen Akteuren aus allen Stufen der Soja-Wertschöpfungskette: Züchter, Landwirte, Verarbeiter, Lebensmittelproduzenten, Wissenschaftler und Kulinarikexperten.

Soja, ein Held am Feld
Neben den vielfältigen Vermarktungsmöglichkeiten für den Landwirt, zeichnet sich Soja im Anbau als Extensivkultur aus. Soja hilft dem Landwirt, eine gesunde Fruchtfolge einzuhalten und ist eine notwendige Abwechslung zu Getreide und Mais. Außer der Unkrautbekämpfung sind kein weiterer Pflanzenschutz und auch keine zusätzliche Düngung für den Stickstoffsammler notwendig. Dies trägt zur ökologischen Vorzüglichkeit der Sojabohne bei. Unter den Leguminosen weist Sojabohne mit ca. 40 % den höchsten Proteingehalt in der Trockensubstanz auf. Zudem hat die Sojabohne als wärmeliebende Kulturpflanze zweifelsohne von den geänderten Klimabedingungen der letzten Jahre profitiert.

Maßgeschneiderte Sojazüchtung aus Österreich
In Anbetracht zunehmender Wetterkapriolen sind Anbau und Ertragssicherheit moderner Sorten ein wichtiges Entscheidungsmerkmal. Im oberösterreichischen Reichersberg entwickeln Experten der SAATZUCHT DONAU (Tochterfirma der SAATBAU LINZ) unter Leitung von Ing. Bernhard MAYR mittels klassischer Züchtungsmethoden ständig neue Sojabohnen-Sorten.
Die Ansprüche sind enorm, gilt es doch, gleichzeitig den steigenden Bedürfnissen der Landwirte, der Verarbeiter und der Verbraucher gerecht zu werden.

Sojabohnen werden aufgrund ihres Wärmesummenbedarfs von der Aussaat bis zur Ernte in unterschiedliche Reifegruppen eingeteilt. Auf dem Standort in Reichersberg werden Sorten von Reifezahl 0 (spät reifende Sorten) bis 0000 (extrem frühreife Sorten) gezüchtet, wodurch sich das Sortenportfolio für sämtliche Klimazonen Europas eignet. Winterzuchtgärten auf der Südhalbkugel beschleunigen den Züchtungszyklus, der trotz alledem bis zu zehn Jahre von der ersten Kreuzung bis zum Anbau einer neuen Sorte dauert.

 

Christine SAILER-GANGL

Produktentwicklung

SAATBAU LEBENSMITTEL