15.01.2026

Die Sonnenblume – der Trockenheitsspezialist

Die Sommer in Österreich werden heißer und länger, Trockenperioden gehören im Osten Österreichs mittlerweile schon zu einem normalen Sommer dazu. Darunter leiden alle landwirtschaftlichen Kulturen. Doch eine Kulturart hat damit weniger Probleme – selbst unter trockensten Bedienungen, bei denen der Mais nicht einmal einen Kolben ansetzt, ist die Sonnenblume in der Lage, Ernteware zu produzieren.

Raps vs. Sonnenblume

Durch den Wegfall von Beizen wird der Anbau von Winterraps immer schwieriger. Das milde Wetter im Herbst der letzten Jahre hat dazu geführt, dass die Schädlinge sehr lange aktiv blieben und eine Vielzahl an Insektiziden Maßnahmen notwendig waren. Hinzu kommt, dass der Feldaufgang im August aufgrund der Trockenheit nicht immer gewährleistet ist. Hier kann die Sonnenblume punkten, durch die Aussaat im Frühling können Arbeitsspitzen gebrochen werden. Zumeist reicht auch eine einmalige Herbizid Anwendung – danach heißt es warten bis zum Dreschen. Auch in puncto Düngung ist die Sonnenblume sehr genügsam. Mit einer Düngung 50-70 kg/ha Stickstoff können Erträge von 3t/ha und mehr geerntet werden. Zu beachten ist jedoch der hohe Kalium Bedarf von 180-230 kg K2O/ha. Bei einem Ölgehalt von rund 50 % und mehr sind auch beachtliche Ölerträge realisierbar, welche durchaus mit denen von Winterraps im Trockengebiet vergleichbar sind.

Vorteile der Sonnenblumen

Sonnenblumen zählen zu den Kulturpflanzen, die vergleichsweise effizient mit Wasser haushalten und gleichzeitig sehr gut mit heißen Sommertagen umgehen können. Sie benötigen insgesamt nur moderate Wassermengen (400-600 mm Wasser pro Vegetationsperiode – im Vergleich: Mais braucht 500-800 mm Wasser pro Vegetationsperiode) und ist gut an warme bis heiße Klimabedingungen angepasst. Dadurch kann sie auch in Regionen angebaut werden, in denen hohe Sommertemperaturen und längere Trockenperioden auftreten.

Ein entscheidender Vorteil der Sonnenblume ist ihr tiefreichendes Wurzelsystem. Die Wurzeln dringen bis in tiefere Bodenschichten vor und ermöglichen der Pflanze, Wasserreserven zu nutzen, die anderen Kulturpflanzen oft nicht zur Verfügung stehen. Diese Eigenschaft trägt wesentlich dazu bei, dass Sonnenblumen sowohl Trockenheit als auch Hitze besser überstehen können, ohne sofort starke Ertragseinbußen zu erleiden.

Darüber hinaus zeigt die Sonnenblume physiologische Anpassungen an hohe Temperaturen. Ihre Blätter können bei starker Hitze den Gasaustausch regulieren und so den Wasserverlust begrenzen. Gleichzeitig bleibt die Photosynthese auch bei Temperaturen über 30 °C vergleichsweise stabil, solange die Wasserversorgung nicht vollständig unterbrochen ist. Dies ermöglicht der Pflanze, auch während heißer Phasen weiter zu wachsen und Samen auszubilden. Studien belegen, dass Sonnenblumen je Liter Wasser relativ hohe Erträge erzielen und ihre Wassernutzungseffizienz selbst unter Hitze- und Trockenstress auf einem soliden Niveau halten können. Zwar kann extreme Hitze während der Blütephase zu Ertragseinbußen führen, insgesamt gilt die Sonnenblume jedoch als deutlich hitzetoleranter als viele andere Nutzpflanzen.

Somit ist die Sonnenblume eine robuste, wassersparende und hitzeverträgliche Kulturpflanze. Aufgrund dieser Eigenschaften gewinnt sie im Zuge des Klimawandels zunehmend an Bedeutung für eine nachhaltige und anpassungsfähige Landwirtschaft.

Was es zu beachten gibt

Für die Unkrautregulierung im konventionellen Bereich gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen sind einige Vorauflaufmitteln zugelassen, zum anderen gibt es je nach Sorte auch im Nachauflauf noch Möglichkeiten. Derzeit gibt es im Nachauflauf zwei Möglichkeiten. Zum einen sind Hybriden mit einer Toleranz gegenüber Tribenuron auf dem Markt erhältlich. Hybriden mit dieser Eigenschaft können im Nachauflauf etwa mit Express SX behandelt werden und sind am Markt durchaus beliebt. Zum anderen gibt es Sonnenblumen, die mit Clearfield und Clearfield Plus gekennzeichnet sind und eine Toleranz gegenüber Imazamox aufweisen. Diese können mit Pulsar Plus behandelt werden, welches eine gute Bekämpfung von Ambrosia ermöglicht.

Um die Übertragung von Sklerotinia zu reduzieren sollten zu Raps, Lein und Sonnenblumen Anbaupausen von mindestens 4 Jahre eingehalten werden. Als Vorfrucht eignen sich vor allem Getreide und Hackfrüchte. Weniger geeignet sind Leguminosen, da die Stickstoffnachlieferung hier zu groß ist. Durch ihr tiefreichendes Wurzelwerk entzieht die Sonnenblume dem Boden nahezu die gesamten Wasser- und Stickstoffvorräte und für die Nachfrucht muss entsprechend aufgedüngt werden.

Kurz zusammengefasst:

Die Sonnenblume ist hinsichtlich der immer trockeneren und heißeren Sommer durchaus eine interessante Kultur, wenn man entsprechende Vermarktungsmöglichkeiten hat. Durch die gute Trockenstresstoleranz produzieren Sonnenblumen auch in sehr trockenen Jahren noch Ernteware und das bei verhältnismäßig geringem Aufwand. Dank der züchterischen Bearbeitung von Sonnenblumen ist auch der Einsatz von Nachauflaufherbiziden kein Problem.

Dominik GILLHOFER BSc
Produktentwicklung Sonnenblume
SAATBAU LINZ

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