23.09.2025

Heimische Saatgutproduktion für Ackerbau unverzichtbar

Obmann Josef Aigner im Pressegespräch mit der LK OÖ

Die heimische Saatgutwirtschaft leistet einen zentralen Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft in ganz Österreich. Von der Acker- und Grünlandbewirtschaftung über den Obst- und Gemüsebau bis hin zur Sicherung der Ernährungssouveränität steht fest: Ohne moderne, an die regionalen Bedingungen angepasste Sorten ist nachhaltige Landwirtschaft nicht machbar. In Österreich laufen aktuell 30 Zuchtprogramme, in denen mit akribischer Kleinarbeit und mit viel Herzblut an der ständigen Verbesserung des Sortenmaterials gearbeitet wird.

„Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen Sorten, auf die sie sich verlassen können – auch in schwierigen Jahren. Die Züchtungsarbeit ist daher ein wichtiger Beitrag für stabile Einkommen und Versorgungssicherheit. Zudem profitieren die Ackerbauern von der intensiven Zusammenarbeit mit den heimischen Saatgutfirmen in der Saatgutvermehrung, die sich für viele Betriebe zu einem wichtigen Einkommensstandbein entwickelt hat“, betont LK-Präsident Franz Waldenberger.

Eine besondere Rolle nimmt die SAATBAU LINZ ein. Mit über 3.000 Mitgliedern ist sie nicht nur die größte bäuerliche Genossenschaft Österreichs in der Saatgutwirtschaft, sondern auch die einzige, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Züchtung über die Vermehrung und Aufbereitung bis zur internationalen Vermarktung abdeckt. „Unser Vorteil liegt in der langfristigen Ausrichtung: Entscheidungen orientieren sich an Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenschonung und Versorgungssicherheit, nicht an kurzfristigen Börsenkursen sowie an den Absatzmöglichkeiten für Pflanzenschutzmittel“, betont Obmann Josef Aigner.

Die Saatzucht Donau ist das größte Pflanzenzüchtungsunternehmen Österreichs und gehört zu je 50 Prozent der Saatbau Linz und der Probstdorfer Saatzucht. In den beiden Zuchtstationen Reichersberg im Innviertel und Probstdorf im Marchfeld wird Getreide- und Sojazüchtung betrieben. „Der Klimawandel bringt höhere Temperaturen und bei in etwa gleichbleibenden Gesamtniederschlägen längere Trockenphasen und intensivere Starkniederschläge. Diese zukünftigen Bedingungen versuchen wir z.B. durch Selektion auf Stressstandorten in Osteuropa zu antizipieren“, erläutert Johann Birschitzky, Geschäftsführer der Saatzucht Donau.

Josef Aigner erläutert die besondere Rolle der Genossenschaft und ihr wichtiger Beitrag zur Züchtung in Österreich

Gerade in der Pflanzenzüchtung zeigt sich der Vorteil der genossenschaftlichen Strukturierung: Züchtungsziele entstehen direkt aus den praktischen Bedürfnissen der Landwirte. Rückmeldungen von den Mitgliedsbetrieben fließen unmittelbar in die Forschungsarbeit ein und stellen sicher, dass neue Sorten alltagstauglich und praxisnah sind. Überschüsse werden nicht an externe Investoren ausgeschüttet, sondern in Forschung, Beratung und Produktionsinfrastruktur reinvestiert. So entsteht ein Kreislauf, der Fortschritt in der Züchtung ermöglicht und die Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsbetriebe stärkt. Kurze Entscheidungswege und flache Hierarchien ermöglichen es zudem, Anliegen der Mitglieder rasch in strategische Maßnahmen zu übersetzen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der langfristigen Ausrichtung: Entscheidungen orientieren sich an Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenschonung und Versorgungssicherheit, nicht an kurzfristigen Börsenkursen sowie an den Absatzmöglichkeiten für Pflanzenschutzmittel. Das schafft Planungssicherheit und Resilienz, sowohl für die Landwirte als auch für die Züchtungsprogramme.

Mag. Josef AIGNER
Obmann SAATBAU LINZ eGen

Züchtungserfolge im Körnermais

 

Wie stark dieser Ansatz wirkt, zeigt das Beispiel Körnermais. SAATBAU LINZ züchtet seit vielen Jahren Sorten, die sowohl für österreichische Standorte als auch für die europäischen Märkte geeignet sind und international erfolgreich vertrieben werden.
Die Ergebnisse unabhängiger Sortenprüfungen belegen den deutlichen Fortschritt in der Körnermaiszüchtung. Die AGES-Sortenprüfung weist für Körnermais in Österreich seit Jahrzehnten einen kontinuierlichen Zuchtfortschritt aus; der jährliche Zuwachs beträgt im 30-Jahres-Mittel rund 147 Kilogramm pro Hektar. Aufgrund häufiger Wetterextreme verlangsamt sich die Steigerung in jüngerer Zeit, bleibt aber bemerkenswert robust. Zuchtfortschritt zeigt sich dabei nicht nur in höheren Erträgen, sondern auch in indirekten Verbesserungen wie besserer Pflanzengesundheit, erhöhter Standfestigkeit und gesteigerter Qualität. SAATBAU-Sorten haben diesen Fortschritt in den letzten 25 Jahren maßgeblich geprägt und erhöhen so die Ertragssicherheit sowie die Deckungsbeiträge in der Praxis.

 

 

Neue Züchtungstechniken: Chancen und Risiken

 

Neue genomische Techniken wie CRISPR/Cas werden derzeit auf EU-Ebene intensiv diskutiert. Für die Landwirtschaft eröffnen diese Verfahren zweifellos Chancen. Sorten könnten schneller an den Klimawandel, an neue Krankheiten und an veränderte Standortbedingungen angepasst werden. Das stärkt die Ertragssicherheit,
reduziert den Pflanzenschutzmitteleinsatz und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit. Der vorliegende Gesetzesentwurf berücksichtigt die Kennzeichnung dieses neu entwickelten Saatgutes bis zum Landwirt. Die Saatbau Linz begrüßt ausdrücklich diese Transparenz für den Saatgutanwender, damit besteht für den Landwirt weiterhin die Wahlmöglichkeit von Sorten unterschiedlicher Züchtungsmethoden. Gleichzeitig birgt die Entwicklung Risiken.
Besonders problematisch ist die Gefahr von Patenten auf Pflanzen und Saatgut. Werden zentrale Eigenschaften durch internationale Großkonzerne patentiert, droht mittelständischen Züchtern wie der SAATBAU LINZ und den Saatgutanwendern die Einschränkung zum Zugang wichtiger genetischen Ressourcen. Damit wäre die Vielfalt in der Züchtung gefährdet und die Abhängigkeit von wenigen globalen Anbietern würde wachsen.

Die Position der SAATBAU LINZ ist klar: Wir sehen die Chancen neuer Züchtungstechniken, fordern aber ein starkes Regelwerk, das Patente auf Pflanzen einschränkt und das Züchterprivileg sichert. Nur so können mittelständische Unternehmen und Landwirte auch in Zukunft praxisnahe Sorten entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft zugeschnitten sind. Das genossenschaftliche Modell der SAATBAU LINZ ist ein Erfolgsbeispiel für Unabhängigkeit und Vielfalt – und es gilt, diese Stärken auch im Zeitalter neuer Züchtungstechnologien zu bewahren“, ist Aigner überzeugt.

Wertschöpfung und regionale Verankerung

Der Ackerbau zählt zu den bedeutendsten Bereichen der heimischen Landwirtschaft. Laut Statistik Austria erreichte der Produktionswert der pflanzlichen Erzeugung im Jahr 2024 rund 4,1 Milliarden Euro – das entspricht knapp 42 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Produktionswertes von 9,9 Milliarden Euro.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Saatgutwirtschaft (ohne Gemüse). Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft erwirtschaftete sie im Wirtschaftsjahr 2023/24 einen Inlandsumsatz von rund 203 Millionen Euro und sichert rund 1.000 Arbeitsplätze in Züchtung, Vermehrung und Aufbereitung.

Die SAATBAU LINZ trägt entscheidend zu dieser Entwicklung bei. Mit einem Umsatz von rund 262 Millionen Euro und Exporten in mehr als 40 Länder schafft sie Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette. In den vergangenen zehn Jahren lag die zusätzliche durchschnittliche jährliche Wertschöpfung der aktiven Mitglieder bei rund 4,1 Millionen Euro.
Gleichzeitig investiert die SAATBAU LINZ kontinuierlich in Forschung und Innovation: Aus zehn eigenen Züchtungsprogrammen werden jährlich rund 20 neue Sorten neu registriert – bei Soja, Winterhartweizen und Bio-Weizen zählt das Unternehmen zu den Marktführern in der EU. Die Saatgutproduktion auf rund 13.000 Hektar in Österreich unterstreicht zudem die enge Verankerung in der heimischen Landwirtschaft.

„SAATBAU LINZ ist weit mehr als ein Saatgutproduzent. Durch ihre genossenschaftliche Struktur verbindet sie die Perspektive der Landwirte mit wissenschaftlicher Exzellenz in der
Züchtung und das seit 75 Jahren. Sie ist Partner der Landwirte sowie der Lebensmittelverarbeiter, Motor regionaler Wertschöpfung und Innovationstreiber für den Ackerbau der Zukunft. Damit leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag, Landwirtschaft wettbewerbsfähig, nachhaltig und krisenfest zu halten“, so Aigner abschließend.

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