02.03.2026
Soja und Schweinemast – Strukturen und Märkte
Soja, Kreislaufwirtschaft, Züchtung und Weltmarkt bestimmen, wie Dr. Johann Schlederer analysiert, die Zukunft der Schweinehaltung in Österreich – zwischen Erfolgsmodell und Preisdruck.
Um das Jahr 2000 stand die Schweineproduktion in Österreich in heftiger Kritik wegen der Verfütterung von gentechnisch verändertem Soja aus Übersee. Der Import von damals ca. 500.000 t Sojaschrot wurde zu 2/3 den Schweinebauern angelastet. Als Geschäftsführer der Österreichischen Schweinebörse stand auch ich immer wieder im Fokus der NGOs und diverser Medien. Folge dessen ließ ich keine Gelegenheit aus, mich in Sachen Sojaanbau umzusehen. Ich war unter anderem zweimal in Brasilien, um die Praxis des Anbaus in Südamerika kennenzulernen. Während für mich der ackerbauliche Aspekt bewältigbar schien, gab es für den Schweinebereich noch die Barriere, dass wir nur Sojaextraktionsschrot in der Schweinemast einsetzen können. Hintergrund dieser Gegebenheit ist der hohe Fettanteil der Sojabohne, welcher bei Direktverfütterung zu einer Verschlechterung der Fettqualität beim Schweineschlachtkörper führen würde. Als 2012 bekannt wurde, dass die stillgelegte Rapsmühle in Güssing zu einer Sojaextraktionsanlage umgebaut werden sollte, zeichnete sich für mich endlich eine Perspektive ab. Damit war der Weg frei für mein aktives Engagement zum Thema Sojaanbau in Österreich sowie beim Aufbau des ambitionierten Projektes Donausoja.

Circa 80 % des Schweinefutters werden hofeigen erzeugt.
Ohne Soja ist Schweinemast in Österreich nicht wettbewerbsfähig
Im internationalen Geschäft können unsere Schweinehalter im Betriebsgrößenvergleich nicht mithalten. In Deutschland, Holland, Dänemark oder Spanien sind die Einheiten um das 10- bis 20-fache größer, d. h., unsere Bauern können im hart umkämpften internationalen Wettbewerb die Kostendegression durch Betriebsgröße nicht erzielen. Daher muss es andere Faktoren geben, die hierzulande das Überleben der Schweinebauern sichern. Das Geheimnis, warum es eben in Österreich noch mit statistisch gezählten 16.000 Schweinehaltern noch eine 100 %ige Eigenversorgung bei Schweinefleisch gibt, ist die Kreislaufwirtschaft. Circa 80 % des Schweinefutters werden hofeigen erzeugt, zwei Drittel davon stammt von den ertragsreichen Maisfeldern.
Perfekte Eiweißversorgung braucht ausgewogenes Aminosäurenverhältnis
Daher ist Soja mit dem hohen Lysinanteil die perfekte Ergänzung zum kostengünstig erzeugbaren und stärkereichen Körnermais. Obendrein lässt sich Mais am Hof gut konservieren, lagern und für die Verfütterung aufbereiten. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass der anfallende Wirtschaftsdünger wieder auf den eigenen Mais- und Getreidefeldern zur Düngung eingesetzt wird, was maßgeblich zum gesamtbetrieblichen Erfolg unserer Schweinehalter beiträgt.
Donausoja – ein ökonomisches und ökologisches Erfolgsmodell
2013 war ich Teil einer sojaaffinen Gruppe, angeführt von Obmann Mattias Krön, die den Verein Donausoja gründete. Als Verbindungsglied zur tierischen Veredelung und zur Agrarpolitik konnte ich von Anbeginn als Obmann-Stellvertreter fungieren. Alles, was neu ist und bestehende Kreise stört, ist mühsam zu starten. So war es auch bei Donausoja. Heute, nach 12-jähriger Entwicklungsarbeit, ist Donausoja die erfolgreichste Sojainitiative Europas und ein Aushängeschild für Österreich. Dass Sojabohnen heute mit annähernd 100.000 ha die viertmeistgebaute Feldfrucht ist, hat maßgeblich mit dem Engagement des Donausojavereins zu tun. Danke auch an dieser Stelle an die heimische Eierbranche, die von Beginn weg auf Donausoja gesetzt und für den Absatz und die Verfütterung der damals neuartigen Eiweißquelle gesorgt hat.
Zuchtfortschritt ist Um und Auf
Sensationell bewerte ich die züchterische Arbeit, die bei der Sojabohne im letzten Jahrzehnt gelaufen ist. Begonnen wurde damals mit einer Ernte von 2.500 kg/ha im österreichischen Durchschnitt. Heute sprechen wir von 3.500 kg/ha und von Spitzenerträgen bis zu 5.000 kg/ha. Mittlerweile zählt in vielen Regionen Österreichs die Sojabohne zu den Feldfrüchten mit den höchsten Deckungsbeiträgen je ha Ackerland. Und aus meiner Sicht ist da sogar noch Luft nach oben. Während früher die Sojazüchtung in Ermangelung ernstzunehmender Nachfrage ein Mauerblümchendasein gefristet hat, verfolge ich das aktive Engagement heimischer Saatzuchtunternehmen mit großer Freude. Neben dem Ertrag/ha zielt die Züchtung ja auch auf zahlreiche andere Qualitätsparameter ab, wie zum Beispiel das Öl-/Eiweiß-Verhältnis, die Standfestigkeit oder die Ansatzhöhe der Schoten. An dieser Stelle ist aber auch den Landwirten zu danken, die sich intensiv mit der Effizienzsteigerung von der Aussaat bis zur Ernte beschäftigten. Weiters ist erwähnenswert, dass speziell für BIO-Betriebe die luftstickstoffbindende Sojabohne ein Glücksfall ist.
Aktueller Schweinemarkt gestaltet sich schwierig
Eine Aneinanderreihung ungünstiger Umstände ist Hintergrund der 2025 ganzjährig schleppenden Marktverhältnisse. Preiseinbußen von 10 % und mehr im Vorjahresvergleich gingen primär zu Lasten der Rentabilität in der Schweinemast. Überhänge wegen ungünstiger Feiertagslage am Beginn des Jahres, gefolgt von Marktstörungen durch MKS-Fälle in Deutschland, Ungarn und der Slowakei, ein grillgeschäftsfeindlicher, völlig verregneter Monat Juli, ein um 20 % im Vorjahresvergleich härterer Euro zum US-Dollar und chinesische Strafzölle seit 10. September. Dieses absatzfeindliche Konglomerat ließ zu keiner Zeit des Jahres eine Marktentlastung zu.
Schweinebauern zahlen Zeche für europäische Autobauer
Nachdem US-Präsident Trump Zollkriege am Weltmarkt salonfähig gemacht hat, haben die EU-Länder, federführend von Frankreich, auf EU-Ebene beschlossen, chinesische Autos mit ca. 25 % EU-Importzoll zu belasten. China reagierte mit Antidumpinguntersuchungen beim Schweinefleischimport aus dem EU-Raum, was in der Konsequenz zu Importzöllen für Schweinefleisch aus der EU zwischen 15 und 62 % mit Wirksamkeit 10. September führte. Circa 1,2 Mio. Tonnen betrug zuletzt das Exportvolumen jährlich nach China, allein mehr als 5.000 Tiefkühlcontainer befanden sich dadurch am Schiffsweg Richtung Peking. Der Schaden pro Container wird mit ca. 30.000 Euro bemessen, was allein für die am Schiff befindliche Ware mit 150 Mio. Euro geschätzt wird. Gleichzeitig kam die Produktion für Chinaware EU-weit de facto zum Stillstand, was binnen Wochen den im Herbst ohnehin reichlich versorgten Schweinefleischmarkt zum Kippen brachte. In Österreich sind von dieser Thematik fünf zum Export nach China zugelassene Schlacht- und Zerlegeunternehmen sowie 16.000 Schweinehalter betroffen. Die seit Mitte September deutlich gesunkenen Mastschweinepreise schlagen nämlich auch auf die Ferkelpreise durch, wodurch die Verluste jede Form der Schweinehaltung betreffen.

Zusätzliche Verunsicherung wegen ASP-Ausbruch in Spanien
Anfang Dezember wurde bekannt, dass im Schweineland Nummer eins der EU die Afrikanische Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen ausgebrochen ist. Dies hat zur Folge, dass der Export von spanischem Schweinefleisch in Drittstaaten, primär nach Asien, nur mehr sehr eingeschränkt möglich sein wird. Mengen- und Preisdruck auf den Märkten in der EU sind zu befürchten. Damit werden die Länder, die noch frei von ASP sind, wie z. B. Österreich, immer weniger. Ob sich aus diesem Umstand evtl. eine neue Exportchance für heimische Schlachtbetriebe ergeben könnte, bleibt abzuwarten, wäre aber natürlich höchst wünschenswert für unsere österreichischen Schweinebauern.
Autor
Dr. Johann Schlederer
Geschäftsführer VLV und Ö-Börse
Das könnte Sie auch interessieren

News
Sojazüchtung Reichersberg – Kompetenz für Europa
Vor knapp 20 Jahren nahm die Saatzucht Donau die Sojabohnenzüchtung in Reichersberg wieder auf – mit…
Mehr erfahren
News
Soja braucht Mikros für Ertrag & Qualität
Spurenelemente entscheiden über Ertrag, Protein und Öl in Soja – besonders unter Stress. Wer sie gezielt…
Mehr erfahren
News
Soja und Schweinemast – Strukturen und Märkte
Soja, Kreislaufwirtschaft, Züchtung und Weltmarkt bestimmen, wie Dr. Johann Schlederer analysiert, die Zukunft der Schweinehaltung in…
Mehr erfahren
News
Soja – Saatstärke und Inokulationsmethode
Wie Saatstärke und Inokulationsmethode Bestandesdichte, Ertrag und Qualität von Sojabohnen beeinflussen – Ergebnisse aus Parzellenversuchen.
Mehr erfahren
News
Schädlingsbekämpfung im Mais
Frühe Maßnahmen gegen Bodenschädlinge stärken die Jugendentwicklung und erhöhen die Bestandssicherheit im Mais.
Mehr erfahren
News
Sojainnovationen 2026
Innovative Sojainokulierung, leistungsstarke Spitzensorten und teilflächenspezifische Aussaat: Mit den Sojainnovationen 2026 eröffnen sich neue Wege zu…
Mehr erfahren
News
Vertragsmodell Sommerbraugerste LEANDRA (konventionell)
Die SAATBAU ERNTEGUT bietet für das Frühjahr 2026 wieder attraktive Vertragsmodelle mit der Sommerbraugerste LEANDRA an.
Mehr erfahren
