03.03.2026
Sojazüchtung Reichersberg – Kompetenz für Europa
Vor knapp 20 Jahren nahm die Saatzucht Donau die Sojabohnenzüchtung in Reichersberg wieder auf – mit klaren Erfolgen und einem starken Ausblick.
Vor knapp zwei Jahrzehnten, im Jahr 2006, wurde von der Saatzucht Donau die Sojabohnenzüchtung in Reichersberg wiederaufgenommen. Ausschlaggebend dafür waren das deutlich steigende Interesse am Sojaanbau in Europa sowie die zunehmend eingeschränkte Verfügbarkeit GVO-freier Genetik aus Kanada, dem damaligen Hauptlieferanten für europäische Sojasorten. Ziel war es, eine eigenständige, langfristig abgesicherte Zuchtbasis für den europäischen Markt aufzubauen.
Mit der Übertragung der Leitung der Sojabohnenzüchtung an Ing. Bernhard Mayr im Jahr 2009 begann der systematische Ausbau des Züchtungsprogramms in Reichersberg. Gemeinsam mit dem Züchtungsteam wurden Strukturen, Prüfnetze und Selektionsstrategien konsequent weiterentwickelt und die Genetik gezielt auf die klimatischen, agronomischen und marktseitigen Anforderungen Europas ausgerichtet. Reichersberg etablierte sich damit schrittweise als zentrales Kompetenzzentrum für die Sojabohnenzüchtung innerhalb der Saatzucht Donau.

Zuchtziele
Von Anfang an stand in der Sojazüchtung ganz klar der Kornertrag im Mittelpunkt der Bemühungen. Die Sojabohne muss nämlich in Österreich und anderen Ländern Europas mit ertragsstarken Konkurrenzfrüchten wie Mais und Weizen um die Flächen konkurrieren. Daneben gibt es für die Landwirte mit Wintergerste, Raps, Zuckerrübe, Winterdurum, Kürbis etc. eine Vielzahl weiterer Optionen. Durch sehr rasche Züchtungszyklen und breite internationale Testung der Genetik, unterstützt von Modellen der genomischen Selektion, konnten in den letzten Jahren beachtliche Ertragsfortschritte erreicht werden. Abgesehen vom Ertragspotenzial ist auch die Ertragsstabilität von großer Bedeutung. Positiv wirken sich hierbei günstige agronomische Eigenschaften wie Standfestigkeit, Kältetoleranz (im Jugendstadium bzw. in Grenzlagen), Hitze- und Trockenheitstoleranz sowie Hülsenplatzfestigkeit aus. Mit Krankheiten hat die Sojabohne in Europa bislang relativ wenige Probleme. Wo möglich, wird in Zuchtgärten und Versuchen auf Toleranz gegenüber Virosen, Bakteriosen, Peronospora, Sclerotinia und Diaporthe selektiert.
Neben dem Ertrag stehen die Gehalte an den beiden maßgeblichen Inhaltsstoffen Protein und Öl im Mittelpunkt der Selektion. Diese beeinflussen einander sehr stark: Sorten mit hohem Proteingehalt weisen in der Regel einen niedrigeren Ölgehalt auf und umgekehrt. Für die Verwendung als Futtersojabohne – die nach wie vor auch im europäischen Anbau die Hauptrolle spielt – sind sowohl Sorten mit niedrigerem Protein-/höherem Ölgehalt als auch Sorten mit mittlerem Protein-/mittlerem Ölgehalt interessant. Nicht vergessen sollte man dabei, dass bei dieser Nutzung rund 20 % der Ernteware als hochwertiges Pflanzenöl in die menschliche Ernährung gehen. Auch bei Ölsaaten ist die EU-Nettoimporteur; Sojaöl kann dazu beitragen, die Versorgungslücke zu verkleinern.
Speisesojabohnen
Für die zunehmende Verwendung ganzer Sojabohnen als Rohstoff in der Lebensmittelerzeugung zieht sich ein mittelhoher bis hoher Proteingehalt als Anforderung wie ein roter Faden durch nahezu alle Verarbeiter. Darüber hinaus ist es oft schwierig, konkretere Anforderungen von Sojaverarbeitern zu erhalten. Die Nutzungsmöglichkeiten von Sojabohnen in der Lebensmittelproduktion sind sehr vielfältig und umfassen Produkte wie Tofu, Miso, Natto, Tempeh, Sojadrinks, Sojajoghurt, Texturate, Flocken, Mehle und Lecithin.
Bei vielen Verarbeitern ist eine helle Nabelfarbe erwünscht, ein hohes TKG ist in der Regel ebenfalls vorteilhaft, da die Ausbeute durch größere Körner meist positiv beeinflusst wird. Ein indirekt wirkendes Zuchtziel, das für Speisesojabohnen relevant ist, ist eine gute Standfestigkeit, da stark lagernde Sojabestände bei der Ernte zu Problemen mit Erdverkrustungen führen können. Dies ist aus Sicht der Verarbeitung ungünstig und kann zur Abstufung von Partien führen.

In Europa werden aktuell Sojasorten aus sieben Reifegruppen angebaut. In Summe hat die Saatzucht Donau über alle Reifegruppen hinweg bisher 71 Sojasorten registriert, wobei AURELINA mit Zulassungen in zehn Ländern die meisten erreicht hat.

0000-Sorten sind in Nordeuropa bzw. in sehr kühlen Lagen Mittel- und Osteuropas gefragt, überall dort, wo nur eine sehr begrenzte Vegetationszeit zur Verfügung steht. Die Saatzucht Donau konnte bisher sieben derart frühreife Sorten registrieren. ADESSA und ACASSA sind die aktuell wichtigsten Sorten.
Sorten mit Reife 000 dominieren den Anbau in einigen wichtigen Sojaanbauländern wie Österreich, Deutschland, Tschechien, Polen und der Ukraine. Gerade in diesem Bereich hat die Saatzucht Donau für einen gewaltigen Zuchtfortschritt gesorgt. In Grafik 1 ist erkennbar, dass die umweltkorrigierten und somit rein genetisch bedingten Erträge der Sorten (= Zuchtfortschritt) seit 2012 in Österreich um 43 % schneller steigen (jährlicher Mehrertrag 76 statt 53 kg/ha). Aktuell sind bereits 26 Sorten registriert, und die Saatzucht Donau ist klarer Marktführer in diesem Segment in Europa. Abaca als sehr frühe 000-Sorte und ADELFIA als spätere 000-Sorte sind die größten Sorten Europas in dieser Reifegruppe.
Die 00-Sorten werden bevorzugt im Osten und Süden Österreichs, in der Slowakei, in Ungarn, in Frankreich und in der Ukraine angebaut. Trockenheitstoleranz ist für Sorten dieser Reife besonders wichtig; Atacama und ALGEBRA zeichnen sich hier durch hohe und stabile Erträge aus. Insgesamt konnte die Saatzucht Donau in diesem Reifebereich bislang 21 Sorten zur Zulassung bringen. Auch hier hat sich die jährliche Ertragssteigerung um rund 15 % beschleunigt (51 statt 44 kg/ha).
Die Reifegruppe 0 ist in Österreich in geringerem Ausmaß in den Gunstlagen Ost- und Südösterreichs vertreten, hat jedoch größere Bedeutung in Ungarn, Frankreich, Kroatien, Rumänien und Serbien, teilweise auch in Italien. Dort werden Sorten mit Reife 0 (oder auch 00) häufig für den Zweitfruchtanbau nach Wintergerste verwendet. Mit ALLUMIA hat die Saatzucht Donau hier 2024 eine neue Spitzensorte mit hohem Ertrag und hohem Proteingehalt zur Zulassung gebracht, die sowohl für den Speise- als auch für den Futterbereich sehr interessant ist. Insgesamt konnte die Saatzucht Donau in diesem Reifebereich bisher 14 Registrierungen verzeichnen.
Sorten mit Reife 1 werden hauptsächlich in Italien, Serbien, Kroatien und Rumänien angebaut. Gerade in Südosteuropa konnten diese Sorten aufgrund von Trockenheit und Hitze ihre potenzielle Ertragsüberlegenheit in den letzten drei Jahren jedoch oft nicht ausspielen, sodass Landwirte in dieser Region zunehmend auf etwas frühere Genetik (00 oder 0) zurückgreifen. Diese Reifegruppe ist aus österreichischer Sicht züchterisch anspruchsvoll; dennoch hat die Saatzucht Donau bislang drei Zulassungen erreicht, wobei AVISIA die stärkste Sorte ist.
Die Reifegruppe 2 hat eine gewisse Bedeutung in Italien und eine geringere Bedeutung in Frankreich, Serbien und Rumänien; für eine Züchtung in Österreich ist dieser Bereich jedoch zu spät.
Marktanteile Saatzucht Donau
In sechs Sojaanbauländern Mitteleuropas ist die Saatzucht Donau mittlerweile klarer Marktführer, wie Tabelle 1 zeigt. Jedes zweite Sojafeld in Mitteleuropa ist mit einer Sorte der Saatzucht Donau bestellt. Große Zuwächse konnte das Unternehmen in den letzten Jahren in Frankreich erzielen; der Marktanteil liegt dort mittlerweile bei gut 20 %. Da keine allgemeinen Marktzahlen veröffentlicht werden, lassen sich diese Anteile nur auf Basis der eigenen Vermehrungsflächen und des geschätzten Gesamtmarktes kalkulieren. Ein großer Hoffnungsmarkt ist Italien, wo einige spätere Sorten der Saatzucht Donau aktuell sehr vielversprechende Versuchsergebnisse zeigen. Auch in Kanada, wo überwiegend GVO-Sorten angebaut werden, konnte sich die Saatzucht Donau im GVO-freien Segment – das für Exportmärkte relevant ist und in Ontario und Québec etwa 15–20 % umfasst – bereits gut positionieren.


Ausblick
Die Saatzucht Donau ist aktuell der führende Sojazüchter Europas und ist bestrebt, diese Position durch die kontinuierliche Zulassung ertragsstarker und ertragsstabiler Sorten weiter auszubauen. Im Sinne der europäischen Eiweißwende wird mit steigenden Sojaflächen in Europa gerechnet. Für die österreichischen Sojabohnensaatgutvermehrer ergeben sich damit günstige Perspektiven für die Zukunft.

DI Johann Birschitzky
Geschäftsführer, Saatzucht Donau
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