30.03.2026
Aktuelle Bestandesführung bei Wintergerste
EC Stadien erkennen bei allen Getreidearten
Aktueller Wachstumsstand, Bestimmung des Entwicklungsstadiums und Empfehlungen zu Wachstumsregulierung, Düngung und Pflanzenschutz bei Wintergerste.
Nach der kühlen Phase Ende März und jetzt wieder normaler, aber in vielen Regionen zu trockener Frühjahrwitterung sind im größten Teil Österreichs die Bestände vom Vegetationsfortschritt her leicht hinter dem Jahr 2025 und je nach Region ca. 1 – 5 Tage früher als im langjährigen Vegetationsdurchschnitt. Im Gegensatz dazu war die Entwicklung der Getreidebestände im extrem frühen Jahr 2024 im April lt. Portal der ÖHV noch um fast drei Wochen weiter fortgeschritten als im langjährigen Durchschnitt.
EC Stadium erkennen
Die (wenigen) sehr früh gesäten Bestände sind etwas weiter und befinden sich ca. EC 30. Die meisten später bis sehr spät – bedingt durch die späte Körnermaisernte, gesäten Bestände sind noch Ende Bestockung. Um die in den nächsten Wochen zu setzenden Maßnahmen richtig zu terminisieren, ist es wichtig, das Stadium am eigenen Bestand zu bestimmen. Am Bild sehen wir den Bestockungsknoten, den ersten und den zweiten Halmknoten. Wäre der erste Halmknoten weniger als 1 cm vom Bestockungsknoten entfernt, hätten wir noch EC 30 – ist er mehr als 1 cm entfernt, haben wir EC 31 erreicht. Wenn der zweite Halmknoten mindestens 2 cm vom ersten Halmknoten entfernt ist, haben wir EC 32 vorliegen. Bei dieser Pflanze befinden wir uns folglich in Stadium EC 31. Die Zeitdauer von EC 31 bis EC 32 beträgt je nach Witterung ca. 10 Tage.

Wachstumsregler
Die Entwicklung ist jetzt zwar witterungsbedingt etwas verzögert, wird aber ab 15. April bei länger werdendem Tag sehr schnell gehen. Im Stadium EC 31 – EC 32 erreichen wir den idealen Zeitpunkt für den Halmverkürzereinsatz. Dem richtigen Halmverkürzereinsatz ist eine hohe Aufmerksamkeit zu schenken, um die Standfestigkeit abzusichern und damit das hohe Ertragspotenzial der Sorten voll auszuschöpfen.
Je nach Standfestigkeit der Sorte – z.B. hat die mehrzeilige Sorte ADALINA bei der Neigung zu Lagerung, auf einer Skala von 1 bis 9, die sehr gute Note 4. Die zweizeiligen Sorten SU LAUBELLA, LG CAMPUS, die neue GOLDMARIE sowie die mehrzeiligen Sorten JULIA, die virustolerante FASCINATION sowie die Winterbraugersten MONROE, SONJA und CLAUDIA die Noten 5 – 6.

Die besten Einkürzungseffekte werden im EC 31 – EC 32 erzielt. Die meisten Produkte haben eine Zulassung von EC 29 bis EC 49. Mit Moddus (bzw. Produkten die den Wirkstoff Trinexapac des Moddus enthalten) stehen hier erprobte und gut wirksame Produkte mit einer Aufwandmenge von 0,2 bis 0,8 lt/ha zur Verfügung. Bei allen Produkten ist besonders die Zulassungssituation und Mischbarkeit (Herbizide, Fungizide, Blattdünger…) zu beachten. Prodax als weiterer Wachstumsregler stellt eine Mischung aus einem Wirkstoff des Medax Top und dem Wirkstoff des Produktes Moddus dar. Es vereint laut Anbieter auch die Vorteile dieser beiden Produkte – eine etwas temperaturunabhängigere und längere Wirkungsdauer als die der Einzelprodukte (Aufwandmenge 0,5 – 1,0 kg /ha). Neben Fabulis OD stehen mittlerweile auch Produkte mit dem Wirkstoff CCC (Stabilan 400…) in der Wintergerste zur Verfügung.
Je wärmer und strahlungsintensiver das Wetter ist, umso stärker ist die einkürzende Wirkung. Achtung auch bei Kombinationen mit (v.a. Azol) Fungiziden, die ebenfalls die Wirkung verstärken und eine Aufwandmengenreduktion und somit Kosteneinsparung zulassen. Allgemein gilt – je später der Einsatz der Wachstumsregulatoren erfolgt, umso geringer ist der Effekt auf die Halmfestigung, da die einkürzende und den Halm stabilisierende Wirkung nur mehr den Neuzuwachs betrifft. Die Halmwandverdickung im unteren Bereich und die Einkürzung zwischen den unteren Internodien, die für die Verbesserung der Standfestigkeit essentiell sind, schaffen wir bei verspätetem Einsatz nicht mehr – darum rechtzeitig kürzen! Zu einem späteren Zeitpunkt bzw. bei noch immer instabilen Beständen kann mit dem Wirkstoff des Cerone (Ethephon) auch später noch eine merkbare Einkürzung zwischen Ähre und letzten Blatt erreicht werden (zugelassen je nach Produkt von EC 32 bis EC 49), ist aber eher eine Notmaßnahme bzw. in Spritzfolgen sinnvoll.
Generell gilt für alle Wachstumsregler, dass der Einsatz immer den Standortbedingungen, der Sorte und der Wasserversorgung des Standortes angepasst erfolgen sollte um Schäden zu vermeiden – das gilt vor allem auf trockenen Standorten.
Neu: Mittlerweile ist auch die teilflächenspezifische Ausbringung von Wachstumsreglern ein Thema und über Applikationskarten z.B.: bei Farmdok in Verbindung mit einer Isobus gesteuerten Spritze möglich. Mehr Aufwandmenge wo notwendig und einsparen wo weniger massige Bestände…
Düngung
Aufgrund des Vegetationsfortschritts steht die 2. N-Düngung aktuell je nach Anbauzeitpunkt, Region und Befahrbarkeit unmittelbar bevor. Diese muss unbedingt termingerecht erledigt werden – ab dem EC 32 steigt der Nährstoffbedarf stark an, die angelegten Körner an der dann ca. 1 cm großen Ähre wollen ernährt werden.
Je nach Ertragslage, Ertragserwartung und Bestandesdichte ist bei Wintergerste mit der 2. Gabe auf 100 – 130 kg N/ha aufzudüngen. Zur Sicherung der Kornausbildung bleiben somit zum Zeitpunkt kurz vor Grannenspitzen (EC 49) noch etwa 30 kg N/ha übrig bzw. wird auf schwächer entwickelten Beständen diese Düngung bereits vorgezogen und mit der 2. Gabe kombiniert, um einer zu starken Triebreduktion vorzubeugen.

Im Gegensatz dazu muss in zu stark entwickelten Beständen (2026 wenig vorhanden) mit der Düngung bis zum EC 32 zugewartet werden, um die Reduktion unproduktiver Triebe (die nur unnötig Nährstoffe und Wasser verbrauchen) zu gewährleisten. Anschließend sollte aber gerade auf trockenen Standorten bald die 3. Gabe fallen um die notwendige Feuchtigkeit zur Auflösung des Düngers zu gewährleisten.
Vorsicht: wer Winterbraugerste mit der Sorte MONROE, SONJA oder CLAUDIA produzieren will, sollte die 2. Gabe etwas geringer bemessen und auf jeden Fall rechtzeitig ausbringen, damit es zu keinen erhöhten Proteinwerten kommt (ca. 20 – 25 % weniger als für Futtergerstenproduktion).
Pflanzenkrankheiten und Spurenelemente
Die Erfahrung aus den Vorjahren bei Wintergerste zeigen, dass eine längere trockene Witterungsphase im Frühjahr den Krankheitsdruck deutlich reduzieren kann. Aktuell fallende Niederschläge können die Situation aber sehr schnell ändern. Es gilt, die Bestände zu beobachten und daraus, zusammen mit dem Witterungsverlauf, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die zurzeit in Bodennähe befindlichen vergilbten Blätter bei der Wintergerste, im Besonderen in über Winter überwachsenen und vom Spätfrost betroffenen Beständen, kommen vom Mehltau im Herbst bzw. N-Mangel im Februar, März und sollten für das Ertragsgeschehen keine Rolle spielen.
Sehr wohl zeigen sich in einigen Beständen aber Vergilbungen durch Manganmangel, gerade auf lockeren Böden erkennbar daran, dass die Fahrspuren dunkler gefärbt sind. Auftreten auf humosen, hochgefrorenen Böden und auf Böden mit hohen pH-Werten – dieser hemmt auch die Wurzelausbildung. Sollte sich der Mangel nach den Niederschlägen nicht bessern, können sie diesem durch Zugabe eines Manganblattdüngers bei einer Überfahrt gegensteuern. Manganchelate sind zwar etwas teurer, wirken aber schneller und sind in Mischungen zumeist besser verträglich als Sulfate.

Manganmangel bei Wintergerste
Im Gegensatz zu Manganmangel tritt Molybdänmangel eher auf Böden mit niedrigen pH-Werten auf und ist in der Pflanze für eine gute Ausnutzung des gedüngten Stickstoffs verantwortlich. Der Bedarf im Getreide liegt nur bei 8 – 12 g/ha – gerade bei den aktuell stark steigen Düngerpreisen kann mit einer geringen Gabe in der Schossphase die N Ausnutzung bei allen Getreidearten (nicht nur bei der Wintergerste) optimiert werden.
Viele Betriebe haben, bzw. werden beim Halmverkürzereinsatz ein Fungizid zusetzen, vor allem auch deshalb, da in einigen Regionen erste Netzfleckeninfektionen auftreten. Unabhängig von der Wetterlage, auch bei trockenen Verhältnissen, müssen wir auf alle Fälle wieder mit Ramularia, der wichtigsten Blattkrankheit der Wintergerste rechnen. Die Anfälligkeit der Sorten liegt hier im eher höheren Bereich (Note 5 – 8 lt. AGES Sortenliste). Leider gibt es für diese Krankheit zurzeit keine andere Möglichkeit der Ausschaltung oder Schadensminimierung als den chemischen Pflanzenschutz. Circa 10 Tage nach dem Ährenschieben treten die ersten Symptome auf – die Infektion erfolgt aber bereits deutlich früher und innerhalb weniger Tage kann die ganze Pflanze befallen werden – wenn die Krankheitsmerkmale zu sehen sind, ist es für eine Bekämpfung bereits zu spät. Erschwerend hinzugekommen ist in den letzten Jahren, dass diese Krankheit gegenüber bestimmten fungiziden Wirkstoffen Resistenzen entwickelt hat und deshalb hier auf die Wahl des richtigen Produktes sehr genau geachtet werden muss.
Bei der Bekämpfung der Ramularia spielte der mittlerweile verbotenen Wirkstoff Chlorthalonil eine entscheidende Rolle. Für eine effektive Bekämpfung der Krankheiten der Gerste sollten daher Einzelprodukte mit guter, breiter Wirkung gegen Blattkrankheiten (Mehltau, Rhynchosporium, Netzflecken…) mit dem Kontaktwirkstoff Folpet kombiniert werden.
Einsatzzeitpunkt
Zum Einsatzzeitpunkt ist zu sagen: wer zu Wachstumsreglermaßnahmen in EC 31 – 32 schon ein Fungizid zugeben wird, beziehungsweise in einer separaten Überfahrt in EC 37 – 39 ein Fungizid appliziert, kann mit dem Abreifeschutz etwas länger zuwarten. Wer keine fungizide Vorlage auf seiner Wintergerste hat, für den ist es sinnvoller etwas früher zu behandeln. In den meisten Fällen wird dann der Einsatz in der Praxis spätestens zum Grannenspitzen (EC 49 – 51) erfolgen. Zusammengefasst kann man sagen, dass in den feuchteren Anbaulagen (Westbahngebiet von St. Pölten westwärts, OÖ, Burgenland Süd, Steiermark, Kärnten und angrenzendes Slowenien) eher Doppelbehandlungen in EC 37 – 39 + EC 51 – 59, in den trockenen Anbaulagen aber eher Einmalbehandlungen in EC 49 empfehlenswert sind, um das Ertragspotenzial ihres Bestandes abzusichern.
Tierische Schädlinge wie Getreidehähnchen treten regional unterschiedlich auf und müssen beobachtet werden um gegebenenfalls mit einem Insektizidzusatz bei anderen Maßnahmen reagieren zu können um zusätzliche Überfahrten bzw. Kosten zu vermeiden.
Bitte wie immer bei den Empfehlungen die Registrierungsauflagen der Pflanzenschutzmittel und die erlaubten Düngerhöchstmengen nach den Auflagen der sachgerechten Düngung beachten.
In diesem Sinne wünscht ihnen die SAATBAU LINZ viel Erfolg, für Fragen zu Sorten und Bestandesführung bzw. zum aktuellen Frühjahrsanbau stehen ihnen unsere Mitarbeiter im Außendienst, unsere Sortenberater und auch ich gerne zur Verfügung!

Albert Müllner
Fachberatung
SAATBAU LINZ
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