Wintertriticale ist mehr als ein Lückenfüller

veröffentlicht am 29.08.2019

In Österreich findet man auf 60.000 Hektar Anbaufläche Wintertriticale. Nachfolgend einige Hinweise zu dessen Anbau und Kulturführung.

Robust, ertragreich und vielseitig in der Nutzung, egal ob konventionell oder biologisch produziert – das einst überwiegend als Futtergetreide angebaute Wintertriticale verdankt seinen Aufstieg vor allem neuen Verwertungsrichtungen. Beispielsweise verarbeitet Agrana im Werk Pischelsdorf jährlich etwa 40.000 t (15 % der Jahresernte) zu Bioethanol. Im Futterbereich hat sich neben der Körnernutzung auch Triticale als Ganzpflanzensilage etabliert.

Sortenwahl nach Lage und Nutzung

Jede Verwertungsrichtung stellt spezifische Anforderungen an die Pflanze. Zur Verspritung gefordert sind z. B. hoher Stärke- und niedriger Proteingehalt, ein hohes TKG sowie ein niedriger Fusariengehalt. Wichtigste und erste Entscheidung zum Anbau ist deshalb die Sortenwahl, denn je nach Nutzungstyp und Anbaugebiet gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Informationen dazu liefert die beschreibende Sortenliste der Ages (www.bsl.baes.gv.at/kulturen/getreide/triticale).

Aus dem Programm der SAATBAU LINZ ist die wüchsige und robuste Sorte >CLAUDIUS prädestiniert für schwächere  Böden sowie zur Nutzung als Ganzpflanzensilage in der Rinderfütterung oder in Biogasanlagen. Auch unter Bio-Bedingungen erzielt CLAUDIUS gute Erträge.

Demgegenüber sind die kurzstrohigen und standfesten Sorten >TRIBONUS und >AGOSTINO mehr für Lagen mit intensiver Güllewirtschaft geeignet. Sehr gut ausgeprägt sind bei diesen Sorten auch das hl-Gewicht und die Auswuchsfestigkeit.

Kulturführung

Ein Vorteil beim Anbau von Wintertriticale ist, dass der Saatzeitpunkt sehr flexibel im Zeitraum von Ende September bis Ende Oktober gewählt werden kann. Die Saatstärke richtet sich nach dem Anbauzeitpunkt, dem Bodenzustand und der vorhandenen Sätechnik und liegt in der Bandbreite von 250 Körner/m² (ca. 100kg/ha) bis 430 Körner/m² (ca. 200kg/ha).
Die Düngestrategie sollte bei Ethanoltriticale auf einen niedrigen Proteingehalt abzielen. Die N-Düngung sollte man auf zwei Gaben beschränkten und zwar zu Vegetationsbeginn und zum Beginn des Schossens. Bei schwächeren Beständen sollte die erste Gabe früh und mit Nitrat-N erfolgen, um eine Zieltriebanzahl von 400 bis 600 Ähren/m² zu erreichen. Eine dritte Düngergabe ist bei Hochertragsbeständen und bei Futtertriticale empfehlenswert, um Rohprotein und hl- Gewicht zu optimieren.

Pflanzenschutz

Eine Einkürzung mit Wuchsreglern ist empfehlenswert bei langhalmigen Sorten sowie auf Standorten mit guter Wasserversorgung. Auf Fusarium sollte besonders geachtet werden. Zur Feldhygiene sollte Maisstroh sorgfältig eingearbeitet werden. Bei viel Regen in der Blüte ist ein Fungizidschutz ratsam. Diese Maßnahmen zielen auf niedrige Mykotoxingehalte, was in der direkten Verfütterung und auch in der Verspritung wichtig ist.

Bei Verkauf als Marktfrucht erzielt Futtertriticale ähnliche Preise wie Futterweizen. Tendenziell vorteilhafter ist die Vermarktung als Bioethanoltriticale, da sich hier der Preis eher am Mahlweizen orientiert.

 

Andreas AUINGER

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