13.02.2022
Aktuelle Ergebnisse zur teilflächenspezifischen Aussaat von Mais
Die teilflächenspezifische Aussaat bei Mais ermöglicht deutlich differenzierte Bestandesdichten auf ein und demselben Feld, präzise ausgerichtet auf die Nährstoffversorgung, die Bodenbeschaffenheit und vor allem im Trockengebiet auf die Wasserspeicherfähigkeit (nutzbare Feldkapazität) der jeweiligen Feldstückszonen. Zu diesem Thema führen wir seit 4 Jahren auf mehreren Standorten Versuche durch – teilweise in Kooperation mit der Innovation Farm Wieselburg.
Die Parzellen mit teilflächenspezifischer Saatstärke (anhand der Werte aus den Applikationskarten) werden mit Parzellen mit fixen Bestandesdichten über die gesamte Vegetation verglichen, beobachtet und schlussendlich im Herbst ertraglich ausgewertet. Voraussetzung ist, auf den zu vergleichenden Parzellen sowohl in der teilflächenspezifischen als auch in der Variante mit fixer Saatstärke, immer die gleiche Gesamtmenge an Saatgut pro Hektar zu verwenden. Dadurch werden die Saatgutkosten für den Landwirt konstant gehalten und die Wirtschaftlichkeit kann über die Ertragsauswirkung beurteilt werden.
Auffällig ist, dass in den unterschiedlichen Versuchen der Jahre 2018 – 2020 die relativen Mehrerträge zwar zwischen den Jahren und Standorten schwankten (+2,6 % bis +5,3 %), die absoluten Mehrerträge sich aber bei gleichen Saatgutkosten immer in einem Bereich von 300–530 kg/ha bewegten.
In der Zusammenfassung der Versuchsergebnisse für das Jahr 2021 kann man sagen, dass die Erträge mit steigender Reifezahl der verwendeten Sorte, höherer Inhomogenität der Flächen und schlechterer Wasserversorgung steigen! Warum?

Auf dem Standort Hörsching (OÖ) bei Familie Nöbauer wurde die Sorte SY CALO (RZ 250), ein früher hartmaisbetonter Sortentyp verwendet. Die Basissaatstärke war 80.000 Korn und wurde in der teilflächenspezifischen Variante von 67.500 – 92.500 Korn variiert. Aufgrund ausreichender Niederschläge betrug der Mehrertrag auf diesem Standort im Mittel von 6 Wiederholungen nur bescheidene 86 kg/ha (9.440 kg / ha bei fixer Saatstärke im Vergleich zu 9.526 kg /ha bei teilflächenspezifischer Aussaat).
Am Standort Wieselburg (BVW Wieselburg) wurde die Sorte Arno (RZ 330) verwendet. Die Basissaatstärke betrug 85.000 Korn und wurde in der teilflächenspezifischen Variante von 70.000 – 100.000 Korn variiert. Aufgrund ausreichender Niederschläge wurde auf diesem Standort im Mittel von 3 Wiederholungen kein Mehrertrag realisiert, sondern sogar ein Minderertrag von 64 kg/ha eingefahren (11.662 kg/ha bei fixer Saatstärke im Vergleich zu 11.598 kg/ha bei teilflächenspezifischer Aussaat).
Am ersten Standort im Trockengebiet in Guntersdorf bei Hollabrunn (Weinland Agrar) auf einem sehr inhomogenen Standort beginnt sich das Bild zu wandeln. Hier wurde die Sorte ARNAUTO (RZ 390) verwendet. Die Basissaatstärke betrug 70.000 Korn und wurde in der teilflächenspezifischen Variante von 55.000 – 80.000 Korn variiert. Auch auf diesem Standort waren die Niederschläge ausreichend, es konnte ein Mehrertrag im Mittel von 4 Wiederholungen von 467 kg/ha (oder von 4,1 %) erzielt werden (11.460 kg/ha bei fixer Saatstärke im Vergleich zu 11.927 kg/ha bei teilflächenspezifischer Aussaat). Ein parallel dazu angelegter Saatstärkenversuch, zeigte mit steigenden Saatstärken deutlich steigende Erträge. 55.000 Korn/ha = 10.721 kg/ha, 60.000 Korn/ha = 11.161 kg/ha, 70.000 Korn/ha = 11.978 kg/ha, 80.000 Korn/ha = 12.821 kg/ha und 90.000 Korn/ha = 13.371 kg/ha.
| Saatstärke | Nassmais | Erntefeuchte | Trockenmais | Relativertrag |
| Körner/ha | kg/ha | % | kg/ha | % |
| lt. Karte ca. 64.800 | 15.507 | 28,3 | 12.569 | 106,3 |
| 64.800 fix | 14.730 | 28,0 | 11.998 | 101,5 |
| 70.000 fix | 15.227 | 28,3 | 12.342 | 104,4 |
| lt. Karte ca. 64.300 | 14.896 | 29,8 | 11.777 | 99,6 |
| 64.300 fix | 14.394 | 29,1 | 11.514 | 97,4 |
| 70.000 fix | 14.659 | 29,3 | 11.687 | 98,9 |
| lt. Karte ca. 64.900 | 14.858 | 29,1 | 11.885 | 100,5 |
| 64.900 fix | 13.991 | 30,1 | 11.007 | 93,1 |
| 70.000 fix | 14.555 | 28,3 | 11.797 | 99,8 |
| lt. Karte ca. 65.500 | 14.228 | 28,6 | 11.476 | 97,1 |
| 65.500 fix | 13.944 | 28,2 | 11.321 | 95,8 |
| 70.000 fix | 14.247 | 28,4 | 11.529 | 97,5 |
| Mittel 4 Wiederholungen laut Aussaatkarte: | 14.872 | 29,0 | 11.927 | 104,1 |
| Mittel 4 Wiederholungen laut Aussaatkarte fix: | 14.265 | 28,9 | 11.460 | 100,0 |
| Mittel 4 Wiederholungen 70.000 Korn fix: | 14.672 | 28,6 | 11.839 | 103,3 |
Tabelle 1: Versuchsergebnis teilflächensp. Aussaat Mais 2021 am Standort Guntersdorf mit ARNAUTO® Sorte DKC4541
Auf dem BIO Standort im burgenländischen Steinbrunn wurde die Sorte ABSOLUTO (RZ 420) ausgesät. Die Basissaatstärke betrug hier, trotz des trockenen Standorts, aufgrund der erfolgten Düngung und damit einhergehenden guten Nährstoffversorgung 80.000 Korn. In der teilflächenspezifischen Variante wurde von 65.000 – 95.000 Korn variiert, wodurch ein Mehrertrag im Mittel von 3 Wiederholungen von 348 kg/ha (oder entsprechend 2,9 %) im Vergleich zur fixen Saatstärke erzielt werden konnte (12.056 kg/ha bei fixer Saatstärke im Vergleich zu 12.404 kg/ha bei teilflächenspezifischer Aussaat).
Nun zu den Standorten im Süden Österreichs, in die Steiermark südlich von Graz wo im Jahr 2021 ungünstige, sehr trockene Bedingungen herrschten.
Auf dem Standort in Premstätten beim Betrieb Lienhart Horst wurde ebenfalls die Sorte ABSOLUTO (RZ 420) ausgesät. Die Basissaatstärke betrug hier 80.000 Korn. In der teilflächenspezifischen Variante wurde von 65.000 – 95.000 Korn variiert. Die Trockenheit hat den Beständen zugesetzt und die Erträge reduziert – es konnten nur 8.961 kg/ha bei fixer Saatstärke im Vergleich zu 9.379 kg/ha bei teilflächenspezifischer Aussaat geerntet werden. Nichtsdestotrotz ergibt sich ein Mehrertrag im Mittel von 3 Wiederholungen von 418 kg/ha (oder entsprechend 4,7 %) im Vergleich zur fixen Saatstärke.
| Saatstärke | Erntefeuchte | Trockenmais | Relativertrag |
| Körner/ha | % | kg/ha | % |
| lt. Karte ca. 83.400 | 25,0 | 9.194 | 101,3 |
| 83.400 fix | 25,0 | 8.839 | 97,4 |
| 80.000 fix | 25,3 | 8.390 | 92,5 |
| lt. Karte ca. 85.900 | 25,4 | 9.352 | 103,1 |
| 85.900 fix | 26,5 | 8.739 | 96,3 |
| 80.000 fix | 26,0 | 8.664 | 95,5 |
| lt. Karte ca. 86.600 | 25,1 | 9.859 | 108,7 |
| 86.600 fix | 25,4 | 9.398 | 103,6 |
| 80.000 fix | 26,0 | 9.059 | 99,8 |
| lt. Karte ca. 72.200 | 27,5 | 9.112 | 100,4 |
| 72.200 fix | 26,6 | 8.868 | 97,7 |
| 80.000 fix | 25,7 | 9.408 | 103,7 |
| Mittel 4 Wiederholungen variabel laut Ausaatkarte: | 25,8 | 9.379 | 104,7 |
| Mittel 4 Wiederholungen laut Aussaatkarte fix: | 25,9 | 8.961 | 100,0 |
| Mittel 4 Wiederholungen 80.000 Korn fix: | 25,8 | 8.880 | 99,1 |
Tabelle 2: Versuchsergebnis teilflächensp. Aussaat Mais 2021 am Standort Premstätten mit ABSOLUTO® Sorte DKC5065
Der höchste absolute und relative Mehrertrag wurde abschließend auf dem sehr schotterigen, trockenen Standort in Seibersdorf bei St. Veit bei der Familie Hammer eingefahren. Erschwerend zu der extremen Trockenheit waren hier die Wasservorräte des Bodens durch eine winterharte Zwischenfrucht, welche abgeerntet wurde. Im Versuch wurde die Sorte ABSOLUTO (RZ 420) ausgesät mit einer Basissaatstärke von 80.000 Korn sowie in der teilflächenspezifischen Variante von 65.000 – 95.000 Korn variiert. Leider hat auch auf diesem Standort die Trockenheit den Beständen massiv zugesetzt – 5.832 kg/ha konnten bei fixer Saatstärke im Vergleich zu 6.575 kg/ha bei teilflächenspezifischer Aussaat geerntet werden. Dadurch beträgt der Mehrertrag im Mittel von 4 Wiederholungen 743 kg/ha (oder entsprechend 12,7 %) im Vergleich zur fixen Saatstärke auf diesem Standort.
Vorläufiges Fazit aus den Versuchsjahren 2018 - 2021
Frühere, v.a. hartmaisbetonte Sorten können abgesenkte Saatstärken auf den schwächeren Bodenstellen in Jahren mit ausreichenden Niederschlägen nicht so gut kompensieren. Sie reagieren in der teilflächenspezifischen Aussaat in sehr guten Jahren mit Ertragsverlusten auf den Bodenstellen mit der niedrigen Saatstärke. Zwar werden diese durch höhere Erträge auf den Abschnitten mit erhöhter Saatstärke ausgeglichen, die Mehrerträge (sofern vorhanden) bleiben aber je nach Jahr in einem überschaubaren Rahmen.
Im Gegensatz dazu können späte Zahnmaissorten auf den schlechten Bodenstellen (durch Absenkung der Saatstärke und damit verbesserter Stresstoleranz in trockenen Jahren und Lagen) stabilere Erträge liefern. Sie reagieren in Jahren mit ausreichenden Niederschlägen nicht so negativ auf die geringeren Saatstärken auf den schwächeren Feldabschnitten, da sie eine bessere Kompensationsfähigkeit besitzen. Das führt in Verbindung mit den Mehrerträgen durch die Erhöhung der Saatstärke auf den besseren Bodenstellen zu doch deutlichen Mehrerträgen auf allen Standorten von 2018 – 2021 (sowohl in den trockenen als auch in den guten Maisjahren).
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