02.09.2025

Ertragspotenzial Raps ausnutzen 2025

Rapsanbau ist über seinen Erlös und seine Vorfruchtwirkung attraktiv – dafür brauchen wir hohe Erträge. In den letzten Jahren stagnieren die Rapserträge in der Praxis oder sind sogar rückläufig. Was sind die Ursachen und wie können wir gegensteuern?

Herausforderungen im Herbst meistern

„Im Winter die Gfria, im Frühjahr die Blia, immer Sommer die Dia, im Herbst zweng Gschirr“ analog zu diesem alten Spruch aus dem Weinbau könnte man die Situation im Raps 2025 sehen…. trotz Erdfloh im Herbst, Stängelrüssler schon im Winter, physiologischer Knospenwelke und Rapsglanzkäfer im Frühjahr waren die Erträge oftmals eine positive Überraschung und Raps stellte seine enorme Kompensationsfähigkeit unter Beweis.

Wir als Betriebsleiter sind gefordert alle Produktionsfaktoren zu optimieren. Die geänderten Klimabedingungen mit längerem Wachstum im Herbst in Verbindung mit dem Wirkstoffverlust im Pflanzenschutzbereich stellen für den Rapsanbau eine Herausforderung dar. Mit der Auswahl der richtigen, nährstoffeffizienten und gesunden Sorte in Verbindung mit der Spurenelementbeize Opticare, der insektiziden Beizung Buteo start und optimaler Bestandesführung legen wir bereits im Herbst (und nur hier) den Grundstein für maximale Erträge!

Hoher Schädlingsdruck im Herbst (vor allem durch Kohlerdfloh, Rapserdfloh und Rübsenblattwespe) kann zu einem verzettelten Auflauf und starken Schäden durch Blattflächen- und Minierfraß führen – sehr frühe Aussaaten sind tendenziell stärker betroffen. Lange Vegetationszeit bis tief in den November hinein stellt je nach Region aber auch bei späteren Aussaatterminen eine entsprechende Vorwinterentwicklung sicher. Zunehmende Trockenheit im Frühjahr zeigt uns auf, wie wichtig eine optimale Herbst(wurzel)entwicklung für Ertrag und Ertragssicherheit ist.

Rübsenblattwespe, Larve und Schadbild

Auch die im Frühjahr 2025 wieder verstärkt (analog zu 2018) auftretende physiologische Knospenwelke lässt sich in ihren Auswirkungen durch ein starkes Wurzelsystem und eine optimale Nährstoffversorgung reduzieren. Unterscheidbar sind die Auswirkungen von physiologischer Knospenwelke und Rapsglanzkäferschäden am ehesten dadurch, dass bei Knospenwelke eher kurze Stielchen am Trieb verbleiben während bei Glanzkäferschäden die Stielchen in voller Länge mit einer sichtbaren Verdickung am Ende vorhanden sind.

Die Sorte und die Wurzel machen den Ertrag – das Ertragspotenzial des Raps wird in wesentlichem Ausmaß im Herbst durch entsprechend tiefe Bodenbearbeitung und exakte Aussaat festgelegt und muss durch geeignete Düngungs-, Unkraut und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen bzw. einem – der Witterung und Bestandesentwicklung angepassten Fungizideinsatz abgesichert werden.

Zentrale Erfolgsfaktoren im Rapsanbau

Ausfallraps beseitigen

Eine der größten Gefahren für die Entwicklung der neu ausgesäten Rapsbestände sind vom Wind verbreitete Sporen von Ausfallrapsbeständen aber auch Schädlinge wie Rübsenblattwespe, Rapserdfloh, Ackerschnecken und Mäuse finden in Ausfallraps ideale Bedingungen vor. Spätestens zum Aufgang der neu gesäten Bestände sollte der Ausfallraps in der Region durch eine etwas tiefere Bodenbearbeitung beseitigt sein. Im Idealfall erfolgt hier gleichzeitig die Aussaat einer kruziferenfreien Begrünungsmischung um den durch die Zersetzung der N-reichen Ernterückstände freiwerdenden Stickstoff deren Menge schnell 60 – 80 kg N betragen kann für die Folgefrucht Weizen oder Mais zu konservieren und vor Auswaschung zu bewahren. Der Wert dieser zu konservierenden Nährstoffe schwankt je nach Düngerpreisniveau, ist aber immens wichtig für den meist folgenden Weizen, um dort auch bei eingeschränktem Düngungsniveau hohe Erträge mit hoher Qualität produzieren zu können.

Bodenbearbeitung vor Raps

Die Sorte und die Wurzel machen den Ertrag – das Ertragspotenzial des Raps wird in wesentlichem Ausmaß im Herbst durch entsprechend tiefe Bodenbearbeitung und exakte Aussaat festgelegt. Eine gute Wurzelausbildung ist hauptverantwortlich für Höchsterträge und abhängig von der Durchwurzelbarkeit des Bodens, d.h. eine ausreichend tiefe Lockerung ist eine Grundvoraussetzung. Ob mit oder ohne Pflug ist nicht so entscheidend, sehr wohl aber die Bearbeitung auf Krumentiefe. Für den Pflug spricht der geringere Unkraut- und Ausfallgetreidedruck nach der Saat, die bessere Mäuse- und Schneckenbekämpfung sowie die Freiheit des Saathorizontes von Ernterückständen wodurch die Wirkung der Bodenherbizide verbessert wird. Dagegen natürlich die erhöhte Erosions- und Verschlämmunsgefahr.

Für die Tiefenlockerung mittels Grubber spricht die bessere Vermischung des Strohs mit dem Boden (keine Strohmattenbildung) und mehr organische Masse an der Bodenoberfläche wodurch die Erosion und Verdunstung reduziert wird, darunter kann in trockenen Jahren aber der Bodenschluss und damit der Feldaufgang leiden. Rapssaatgut – generell gilt je kleiner der Samen desto geringer der Keimwasserbedarf, Rapssaatgut hat aufgrund seines Ölgehalts im Korn in Relation zu seinem Gewicht aber einen relativ hohen Wasserbedarf. Ziel des Saatbetts ist es möglichst viel Feinerde im Keimhorizont bei gutem Bodenschluss zu schaffen und gleichzeitig die Struktur zu erhalten um Verschlämmungen vorzubeugen.

Unter trockenen Bedingungen gilt one pass – rum und rein, d.h. direkt nach der Bodenbearbeitung säen um die Bodenfeuchtigkeit zu nutzen.

Ziel aller Maßnahmen der Bodenbearbeitung ist es auch, das der größte Teil des Strohs bereits vor dem Anbau der Folgefrucht abgebaut ist und im Sinne eines falschen Saatbetts möglichst viele Unkraut- und Ungrassamen bereits vor der Saat auflaufen und mit der Aussaat beseitigt werden. Vor allem bei Stroheinarbeitung kommt es durch die zeitliche Überschneidung von Strohabbau und Wachstum der jungen Rapspflanzen zu einer Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe. Eine N-Düngung im Herbst wird gerade bei Stroheinarbeitung notwendig sein. Hier spielen Vorfrucht, Anbautermin, allgemeine Versorgung des Feldes und auch Witterung nach dem Aufgang eine wesentliche Rolle.

Saatstärke

Die Saatstärke sollte sich bei Liniensorten wie RANDY bei früher Aussaat bei ca. 50 K/m² und bei Normalsaat bei ca. 50 – 60 K/m² bewegen. Bei Hybridrapssorten mit rascher Herbstentwicklung wie DK EXAURA, LG AUCKLAND und dem kohlhernietoleranten RICHMOND kann bei früher Aussaat mit ca. 40 K/m², bei Normalsaat mit 40 – 50 K/m² und bei Spätsaat mit 50 – 60 K/m² gesät werden.

Düngung und Spurenelemente

Die Grunddüngung wird zu Raps idealerweise schon zur Grundbodenbearbeitung gegeben und eingemischt, kann aber auch noch zur Aussaat oder danach gegeben werden – achten Sie bei der Kalidüngung auf trockene Bestände.

  • Der Stickstoffbedarf bei Winterraps liegt bei ca. 50 kg Rein-N pro Tonne Ertragserwartung. Dieser Bedarf muss in Summe aus Herbstaufnahme, Nmin im Frühjahr, Nachlieferung aus dem Boden und Zufuhr über Mineraldünger oder organische Düngung gedeckt werden. N-Dünger und deren Preise, spielen für den wirtschaftlichen Rapsanbau eine essentielle Rolle – sollte sich Raps schon deutlich vor Ende Oktober blaurot verfärbt und damit Nährstoffmangel zeigt, setzt er weniger Verzweigungen, weniger Knospen und Schoten an und Sie verzichten damit auf Ertrag. Aber Achtung – die blaurote Färbung muss nicht immer Stickstoffmangel sein, sondern kann auch eine Anthocyanfärbung durch tiefe Temperaturen sein. Ein idealer Rapsbestand mit 10 – 12 Blättern und ca. 10 – 15 mm Wurzelhalsdurchmesser kann bis zu 100 kg N/ha und darüber bereits im Herbst aufnehmen und bis ins Frühjahr konservieren. Somit kann Raps je nach Bodengüte, Vorfrucht, Stroheinarbeitung oder -abfuhr und langjähriger organischer Düngung eine Düngung von ca. 30 – 50 kg N/ha im Herbst benötigen. Der Zeitpunkt und die Menge der Düngung richtet sich nach der Entwicklung und dem Saatzeitpunkt. Während bei früh gesätem Raps (v.a. Hybridraps) zugewartet werden kann (soll), um ein Überwachsen zu vermeiden sollte später (bzw. witterungsbedingt zu spät) gesäter Raps unmittelbar zur Saat mit Dünger versorgt werden. In jedem Fall sind natürlich die Richtlinien der sachgerechten Düngung, etwaige Düngungsverbote und die Verbotszeiträume zu beachten.
  • Der Spurenelementbedarf bei Raps liegt bei ca. 600 g/ha Bor, ca. 1.700 g/ha Mangan und ca. 5 – 12 g/ha Molybdän (Quelle: Yara)
  • Bor als das wichtigste Spurenelement im Rapsanbau wird vor allem bei Trockenheit und hohen pH- Werten festgelegt. Aus diesem Grund empfehlen wir im Herbst eine zumindest einmalige Zugabe von 150 g/ ha. Es ist wie im Frühjahr darauf zu achten, dass durch den Effekt mancher Borprodukte, den pH-Wert stark zu erhöhen, die Wirksamkeit und Wirkdauer von Insektiziden deutlich herabgesetzt werden kann. Um das zu verhindern, muss in diesen Fällen der pH-Wert wieder abgesenkt werden (z.B. durch Zugabe von Zitronensäure).
  • Deutlich niedriger als der Bedarf bei Bor ist der Bedarf an Molybdän. Als essentieller Pflanzennährstoff ist Molybdän an wichtigen Stoffwechselvorgängen in der Pflanze beteiligt. Molybdän nimmt unter den Mikronährstoffen eine gewisse Sonderstellung ein. Die Aufnahme durch die Pflanzen ist mit den oben genannten 5 – 12 g/ ha außerordentlich gering. Anders als bei Bor, Kupfer, Mangan und Zink erhöht sich mit steigendem pH-Wert die Verfügbarkeit (Stichwort: Kalkung). Molybdän nimmt in der Rapspflanze eine wichtige Stellung in der Stickstoffverwertung ein, ist an der Proteinbildung beteiligt und sichert die optimale Effizienz des eingesetzten N-Düngers. Ein Mangel kann zu Nitratanreicherungen und Deformationen in den Blättern führen. Bor und Molybdän haben auch Einfluss auf die Pollenfertilität und Pollenbildung, ein Mangel kann Befruchtungsstörungen auslösen. Eine direkt am Saatkorn aufgebrachte Menge Molybdän (Opticare Beizung bei den Hybriden DK EXAURA, LG AUCKLAND, ARTEMIS, sowie der Kohlhernieresistenten Hybride RICHMOND und der Liniensorte RANDY) sichert die ausreichende Versorgung der jungen Rapspflanze im Herbst gerade unter ungünstigen Witterungs- oder Bodenverhältnissen ab, somit ist im Herbst keine zusätzliche Düngung notwendig.
  • Kalkung – das Wetter wir immer unberechenbarer – größere Niederschlagsereignisse nach der Aussaat (wie im Jahr 2024 in weiten Teilen Niederösterreichs) führen oft zu Problemen mit dem Feldaufgang: 800 – 1000 kg/ha Branntkalk  oberflächlich auf den vorbereiteten Acker ausgebracht und dann im Zuge der Aussaat in den Boden eingearbeitet bringt vielerlei Vorteile: die Krümmelstabilität des Oberbodens bliebt auch bei stärkeren Niederschlagsereignissen erhalten, der Boden verschlämmt nicht so schnell, das Wasser kann besser in den Boden eindringen (weniger Erosion), der pH-Wert wird stabilisiert, eine gewisse phytosanitäre Wirkung gegen Schnecken und ein nachgewiesene Wirkung gegen Kohlhernie bringen zusätzliche positive Effekte. Damit kann aus dem kleinen Samenkorn der Keimling durch die vor Verschlämmung geschützte Bodenoberfläche rasch und zügig auflaufen. Sollte vor der Saat noch keine Kalkung erfolgt sein, so besteht mit Kalkstickstoff die Möglichkeit ab dem 4. Blattstadium eine Maßnahme zur Erhöhung des pH-Werts zu setzen, mit der gleichzeitig auch phytosanitäre Effekte (z.B. gegen Kohlhernie und Schadpilze) erzielt werden kann. Auf gut abgetrocknete Rapspflanzen bei der Anwendung ist zu achten!
Schädlinge

Im Herbst haben wir es bei den tierischen Schädlingen v. a. mit Kohlerdfloh, Rapserdfloh, Rübsenblattwespe, Kleiner Kohlfliege, Schnecken und Mäusen zu tun. Eine intensive Beobachtung der Bestände in Verbindung mit der insektiziden Beizung Buteo start + Opticare sichert die Herbstentwicklung. Mit Buteo start steht uns eine insektizide Beizung zur Verfügung, die einen Schutz der Jungpflanzen bis zum 2 – 3 Blatt Stadium des Raps ermöglicht.

  • Beim Rapserdfloh, einem 3-5 mm großen, glänzend schwarzen Käfer ist es zu empfehlen, Gelbschalen aufzustellen und die Fraßtätigkeit zu beobachten bzw. die Monitoringergebnisse unter www.warndienst.at (Rapsschädlinge) abzurufen. Bei starkem Fraß an den Keim und Laubblättern (über 10 % der Blattfläche) bzw. bei Fangzahlen je Gelbschale von mehr als 35 Rapserdflöhen in 3 Wochen empfiehlt sich eine Behandlung mit registrierten Produkten. Die Behandlung mit registrierten Insektiziden sollte wenn möglich eher in den Abendstunden erfolgen und kann mit Fungizidmaßnahmen kombiniert werden. Ansonsten sollte mit dem Insektizideinsatz der Hauptzuflug bis zum ersten Larvenschlupf (meist Ende Sept. – Anfang Oktober) abgewartet werden. Die Larven sind schwerer bekämpfbar und der Hauptschaden wird durch den Minierfraß der Larven im Stängel verursacht. Die Larven bohren sich auf dem Weg Richtung Vegetationskegel mehrmals in die Blattstiele der Laubblätter ein und wieder aus. Damit führen sie zu Wachstums-depressionen (gerade im Frühjahr 2021 wurde in vielen Beständen der Vegetationskegel massiv geschädigt), schaffen Eintrittspforten für Krankheitserreger (Phoma) und vermindern die Winterfestigkeit der Bestände. Am besten mit Phyrethroiden bekämpfbar sind die Käfer bzw. Larven wenn sie sich noch nicht in den Blattstiel eingebohrt haben bzw. diesen kurz verlassen. Systemisch wirkende Produkte wie Carnadine sollten eher in diesem späteren Stadium zur Larvenbekämpfung eingesetzt werden. Verstärkter Erdflohdruck wird vor allem bei angrenzenden Ausfallrapsbeständen und Zwischenfrucht-beständen beobachtet.
  • Auch regional stärkeres Auftreten der Rübsenblattwespe, die in vielen Beständen bis zum Kahlfraß führen kann, ist möglich. Die Rübsenblattwespe tritt vor allem nach wärmeren Sommern stärker auf und ist eine 6-8 mm lange Wespe. Nach der Eiablage schlüpfen die Larven, die ca. 10-20 mm lang werden, und an der Blattfläche fressen.
  • Bei der Kleinen Kohlfliege schädigt die 3. Generation des Jahres, zu frühe Aussaat (vor 20. August) fördert den Befall massiv, sie ist schwierig zu bekämpfen und der Aussaattermin ist die effizienteste Maßnahme!
  • Schnecken werden durch Hohlräume und viele Ernterückstände gefördert, eine intensive Bodenbearbeitung und gute Rückverfestigung vermindern den Druck. Eine Kontrolle des Befalls mittels Schneckenfolie (mit ein paar Korn Schneckenkorn darunter) ist v.a. bei feuchten Bedingungen notwendig. Bei Bedarf muss Schneckenkorn ausgebracht werden – oftmals ist wenn gepflügt wurde und bei moderatem Druck eine Randbehandlung ausreichend – gerade bei pfluglosem Anbau können sie aber auch flächendeckend auftreten und vor allem in der Phase der Keimung bis zum Auflauf massive Schäden verursachen. Bei der Einzelkornsaat kann in Verbindung mit aufgebauten Granulatstreuern die Schneckenkornmenge reduziert und in ein Band auf die Saatreihe konzentriert werden.
  • Mäuse führen vor allem im Osten Österreichs immer wieder zu deutlichen Schäden, hier ist eine intensive Bodenbearbeitung mit Zerstörung der Gangsysteme und einer Verminderung der Nahrungsquellen effizienter als chemische Maßnahmen.
Krankheiten und Wuchsregulierung

Alle Maßnahmen mit Fungiziden im Herbst haben einerseits das Ziel, ein Überwachsen der Bestände (Abheben des Vegetationskegels und Sprossstreckung) zu verhindern. Eine Sprossstreckung vor Winter erhöht nicht nur das Auswinterungsrisiko, sondern mindert auch die Verzweigungsleistung der Rapspflanze und schränkt den Tiefgang der Rapswurzel ein.

Andererseits werden durch Fungizide Infektionen mit Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) hintangehalten, was vor allem in engen Rapsfruchtfolgen wichtig ist. Auf dem Bild sind sehr schön die Infektionen im Herbst auf den Blättern zu erkennen – auf hellem Untergrund die Pyknidien auf denen Pyknosporen gebildet werden, die vor allem über Wind und Regen verbreitet werden. Innerhalb der Pflanze ist der Pilz in der Lage, sich von der Blattspreite über den Blattstiel in Richtung Stängel und Wurzelhals auszubreiten und dort Vermorschungen hervorzurufen. Besonders bei frühen Infektionen ist ein höheres Schadpotenzial gegeben und entsprechend zu reagieren. Bekämpfungsmöglichkeiten im Frühjahr sind nur mehr in eingeschränktem Umfang möglich.

Es gibt Unterschiede bei den Fungiziden hinsichtlich ihrer Wirkungsschwerpunkte, manche haben mehr wachstumsregulatorische Wirkung, manche mehr fungizide Effekte. Die Wahl des Produktes hängt von der Anfälligkeit der Sorte der Anbauhäufigkeit des Raps in der Fruchtfolge, der Herbstwitterung und dem bisherigen Befall bzw. von der bisherigen vegetativen Entwicklung des Rapses ab. In sehr früh gesäten, dichten Beständen sollte die Anwendung bereits ab dem 4 Blattstadium erfolgen. Allgemein ist die Wirtschaftlichkeit (nach Abzug der Kosten) fungizider Maßnahmen im Herbst zumeist höher als im Frühjahr. Herbst 65%, Frühjahr 45%, Blüte 85% (Quelle: LfL Bayern; 5 Versuche 2015).

Im Endeffekt ist aber doch der Schwerpunkt der Fungizidmaßnahmen die Absicherung der Winterfestigkeit während die Sortenwahl die sicherste Maßnahme gegen Phoma bleibt und das Befallsrisiko deutlich senkt – so sind die Sorten LG AUCKLAND, DK EXAURA in den Einstufungen der AGES mit Note 4 um bis zu 2 Noten besser eingestuft als vergleichbare Sorten mit Anfälligkeitsnoten bis 5 (DK Excited, Architect) oder 6 (KWS Demos, Absolut).

Wasserrübenvergilbungsvirus (Turnip yellows virus – TuYV)

Das TuYV Virus gehört in die gleiche Virusfamilie wie das Gerstengelbverzwergungsvirus. Es ist in den Leitbahnen der Pflanze lokalisiert und hat einen sehr großen Wirtspflanzenkreis, der mehrere Pflanzenfamilien umfasst. Neben Raps werden von den Brassicaceae u.a. auch Rübsen, Ölrettich, Senfarten und Kohlgemüsearten infiziert. Das Virus wird ausschließlich durch verschiedene Blattlausarten übertragen. Von ihnen ist die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) der effektivste Überträger

  • Symptome sind mehr oder weniger stark ausgeprägte violette Verfärbungen an den Blatträndern und -spitzen. Im Frühsommer verstärken sich diese Symptome bis zur Rotfärbung. Blattverfärbungen haben häufig aber auch andere Ursachen wie Staunässe, Bodenverdichtungen oder Nährstoffmangel.
  • Wuchsdepressionen, kleinere Blätter, eine geringere Pflanzenhöhe und weniger Hauptzweige.
  • Die Virusinfektion führt zu einer verminderten Anzahl Samen pro Schote und reduziert den Ölgehalt in den Samen – zusätzlich wird die Ölqualität negativ beeinflusst, indem der Gehalt an Erucasäure und Glucosinolaten erhöht wird. Um das Virus sicher nachzuweisen ist ein Labortest erforderlich. Letztendlich kann der Virusbefall zu wirtschaftlich relevanten Ertragsverlusten führen. Die Angaben hierzu variieren sehr stark und belaufen sich auf bis zu 46 % bei einem 100%igen Befall.

Es sind im Wesentlichen folgende Faktoren, die das verstärkte Auftreten des Wasserrübenvergilbungsvirus begünstigt haben:

  • Mildere Herbst- und Winterwitterung, die zum einen die Entwicklung und Vermehrung der Blattläuse beeinflusst und zum anderen zu einer verlängerten Infektionsperiode im Herbst führt.
  • Durch den zunehmenden Zwischenfruchtanbau stehen ununterbrochen Virusquellen und Vermehrungspflanzen (‚grüne Brücken‘) für die Blattläuse zur Verfügung.
  • Durchwuchs- und Ausfallraps dienen ebenso als Virusquellen für die Blattläuse.
  • Durch den Wegfall der gut wirksamen insektiziden Saatgutbeizen sind die Jungpflanzen gegen Blattläuse nicht mehr geschützt. Frühinfektionen sind besonders gefährlich!

Welche Möglichkeiten haben sie als Landwirt, dem Befall entgegenzuwirken?

  • Ackerhygiene: die gründliche Beseitigung von Ausfallraps und Ackerunkräutern.
  • Der Einsatz von Insektiziden gegen die Blattläuse ist nur wenig effektiv, da die Grüne Pfirsichblattlaus gegen fast alle bekannten Wirkstoffgruppen bereits Resistenzen ausgebildet hat. (Quelle: Dr. A. Habekuß, Julius Kühn-Institut, Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz, Quedlinburg).

Die effektivste Maßnahme im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes ist der Anbau von TuYV resistenten Sorten wie ARTEMIS oder den neuen Sorten LG AUCKLAND und DK EXAURA. DK EXAURA, der in der AGES Sortenliste gleichzeitig auch mit Ertragsnote 9 die im Gesamtgebiet ertragsstärkste Hybridrapssorte Österreichs ist und mit deutlich überdurchschnittlichen Korn- und Ölerträgen in beiden Anbaugebieten beschrieben wird ist somit die interessanteste Neuzulassung zum Herbstanbau 2025!

Unkrautbekämpfung

Der wichtigste Faktor, um unerwünschte Unkräuter hintanzuhalten ist eine erfolgreiche Herbstunkrautbekämpfung in Verbindung mit einem wüchsigen, gut Unkrautunterdrückenden Rapsbestand. Alle Maßnahmen, die eine zügige Bestandesentwicklung fördern, stärken die Konkurrenzkraft Ihres Rapsbestandes und reduzieren den Unkrautdruck. Die Unkrautbekämpfung sollte im Raps im Vorauflauf oder im frühen Nachauflauf mit Schwerpunkt auf Kamille und Klettenlabkraut (je nach Region auch Storchschnabel und Besenrauke) durchgeführt werden, da die Wirkung der meisten Produkte auf keimende und kleine Unkräuter am besten ist. In diesem Fall ist das richtige Stadium der Unkräuter für den Zeitpunkt der Anwendung wichtiger als die passende Bodenfeuchte.

  • Es stehen in den letzten Jahren aber auch Metazachlorfreie Produkte für den späteren Nachauflauf (ab dem 2 Blatt bzw. 6 Blattstadium) bzw. für Wasserschon und -schutzgebiete zur Verfügung. Nachauflauf Herbizide können einerseits gezielt auf das vorhandene Unkrautspektrum abgestimmt werden, andererseits können sie zur Korrektur eingesetzt werden, wenn es im Vor- oder frühen Nachauflauf trockenheitsbedingte Wirkungslücken geben sollte.
  • Ausfallgetreide und Gräser können mit zugelassenen Herbiziden bekämpft werden, wüchsige Witterung und ein eventueller Netzmittelzusatz sichern die Wirkung ab.
  • Problemstandorte mit Ackerfuchsschwanz- und Weidelgrasdruck können im Spätherbst mit Spezialgräserherbiziden wie Kerb FLO effizient behandelt werden.

Fazit

Hohe Rapserträge werden durch Sie im Herbst angelegt – über Bodenbearbeitung, Aussaat, Sortenwahl und Ackerhygiene sind viele Probleme im Vorfeld besser zu lösen als durch Pflanzenschutz! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, die geplanten Maßnahmen in Ihrem Rapsbestand umzusetzen und stehe für Fragen gerne zur Verfügung!

Albert MÜLLNER
Beratung Pflanzenbau
SAATBAU LINZ

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