70 Jahre Saatbau – wir leben den Wandel

veröffentlicht am 11.02.2020

Am 22. Mai 2020 jährt sich die Gründung der SAATBAU LINZ zum 70. Mal. Damals wurden fünf regionale Saatgutgenossenschaften zur OÖ Landessaatbaugenossenschaft verschmolzen.

Triebfeder der Entwicklung war Landeshauptmannstellvertreter und Agrarlandesrat Johann BLÖCHL aus Lasberg bei Freistadt. Der Mühlviertler BLÖCHL wollte in der Besatzungszeit bei der Produktion von Kartoffel-Pflanzgut vom schwierigen Import der Vorstufen aus Ostdeutschland unabhängig werden, da im zweiten Weltkrieg das heimische Zuchtmaterial verloren ging.

Kartoffeln waren zu dieser Zeit die mit Abstand wichtigste Feldkultur. Keine andere Pflanze zeichnete sich durch eine so hohe Produktivität und Vielfalt an Vorteilen aus. Kartoffeln spielten eine zentrale Rolle in der Ernährung, sowohl in der direkten Verwertung über die Küche als auch über die tierische Veredelung. Am Höhepunkt der Verbreitung wuchsen Kartoffeln auf über 190.000 ha in Österreich.

SAATBAU LINZ Zentrale 1961Die Kartoffel hat die damalige Bedeutung längst verloren, heute gibt es nur mehr rund 20.000 ha davon. Der Mais hat ihr den Rang abgelaufen, ist besser in der Produktivität, sowohl in der Fütterung als auch in der Stärkeproduktion, als Energiepflanze oder für die Erzeugung von Lebensmitteln. Inzwischen hat Triticale einen prominenten Rang bei Futtergetreide eingenommen. Der Anbau von Sommergetreide ist klimabedingt rückläufig. Immer öfter hören wir von Hirse und seiner möglichen Zukunft in unseren Breiten. Die Sojabohne ist seit 2017 stabil viertgrößte Kultur in Österreich. Der Kürbisanbau hat längst die Grenzen der Steiermark verlassen. Grünbrachen und Zwischenfrüchte sind aus unseren Fruchtfolgen nicht mehr wegzudenken. Nach Sorten für neue Eiweißpflanzen wie z.B. Kichererbsen wird dringend gesucht. Experimentierfreudige Bauern aus Ostösterreich haben es mit Reis, Edamame und zuletzt mit Erdnüssen versucht und damit ganz gute Erfahrungen gemacht. Die Vielfalt im heimischen Obst- und Gemüsebau wird immer größer, das Sortiment zunehmend exotischer. Die Qualität von Wein aus Oberösterreich braucht sich inzwischen nicht mehr zu verstecken. Ein Fünftel der heimischen Ackerfläche wird heute von Biobauern kultiviert. Ein Großteil der Landwirte wirtschaftet viehlos. Mehr als zwei Drittel der Bauern gehen einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit nach.

Recht viel mehr Veränderungen sind schwer vorstellbar – und trotzdem wissen wir genau, dass es so weitergehen wird, nicht nur aus Gründen des Klimawandels. Der ständige Wandel ist eine verlässliche Konstante.

SAATBAU LINZ Zentrale 2020Die Entwicklung der SAATBAU seit 1950 verlief spiegelbildlich zu den Veränderungen im Ackerbau. Die Bedingungen haben sehr oft gedreht. Die SAATBAU hat zwar die vielen Winde nicht ändern können, aber sie hat es über sieben Jahrzehnte sehr gut verstanden, die Segel darauf auszurichten und neu zu setzen. Zum Erfolg haben sehr viele beigetragen: die Kunden und Partner im täglichen Geschäft, die Lieferanten, die Politik und die Behörden, die Mitarbeiter und die Eigentümer.

Wir möchten uns heuer in Demut an die Gründung und die besonderen politischen Umstände im Jahr 1950 erinnern und sehr dankbar sein für das, was bisher geschaffen wurde. Miteinander wollen darauf hinwirken, dass wir den Wandel auch weiterhin leben können.

 


Geschäftsführer SAATBAU LINZ

Karl Fischer