Im Grünland- und Feldfutterbau Gülle optimal einsetzen

veröffentlicht am 08.03.2019

Norbert ECKER, Agrar-EN, hat in den letzten Jahren viele Erfahrungen zur Wirksamkeit von Gülle in der Praxis und an Hand von Untersuchungsergebnissen gemacht. Ziel dabei ist es, den Einsatz von Gülle noch wirkungsvoller und effizienter zu gestalten.

Oberstes Ziel
Gülle muss rasch in den Boden kommen, damit die Pflanzenwurzel die Nährstoffe erreicht. Bei 4-6-schnittigen Flächen ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetter zum Ausbringen der Gülle optimal (bedeckter Himmel, niedrige Temperaturen, leichter Nachregen) gegeben ist, nicht immer sicher. Aspekte wie Homogenität und die Konsistenz der Gülle gewinnen daher stark an Bedeutung.
Je dünner (< 5 % Trockensubstanz TS), desto rascher wird die Gülle aufgenommen, je dicker (> 6 % TS), desto mehr haftet bei trockenen Bedingungen die Gülle am Blatt an. In diesem Fall des Anhaftens an den Blättern ist mit hohen N-Verlusten durch Abgasung, bzw. Phosphor-Verlusten durch oberflächiges Abrinnen bei Starkregen zu rechnen.
 
Unterschiedliche TS-Gehalte
Je nach Art der Tiere, welche gehalten werden, unterscheiden sich Güllen in ihren Nährstoffen. Neben der Intensität in der Fütterung ist auch der TS-Gehalt von Bedeutung:
Rindergülle: 7 % TS = 50 – 60 % NH₄
Schweinegülle: 6 % TS = 60 – 70 % NH₄
Biogasgülle: 5 % TS = 75 – 80 % NH₄
 
Gülle separieren:
Dieses Verfahren gewinnt immer mehr an Bedeutung. Es wird dabei ein Teil des Feststoffes aus der bestehenden Güllegrube durch Separieren abgeschieden. Die flüssige Phase liegt dann je nach Intensität der Separierung bei ca. 4 % TS, also ideal für die Düngung in den jeweiligen Bestand. Sofern es die gesamte N- bzw. P-Bilanz am Betrieb erlaubt, kann in diese flüssiges Phase auch z.B. AHL als zusätzlicher N-Träger mit eingemischt werden. So kann eine zusätzliche Überfahrt eingespart werden.
Die feste Phase hingegen eignet sich perfekt als „Humusmehrer“ vor der Aussaat von Zwischenfrüchten im Sommer auf Ackerflächen. Bei reinen Grünlandbetrieben hingegen kann damit ein Kali-Überschuss durch den Verkauf dieses Feststoffes reguliert werden. Ein ausgeglichenes P:K-Verhältnis im Boden wird durch eine solche Maßnahme schnellererreicht.
Das Separieren ist mit Kosten verbunden. Es ist daher sinnvoll, nur so viel Gülle zu separieren, wie der jeweilige Einsatz erfordert. Passen die Wetter Bedingungen zum Ausbringen, ist der Einsatz eines modernen Schwenkverteilers ausreichend.
Wird Gülle mittels bodennaher Technik wie Schleppschlauch bzw. Schleppschuh ausgebracht, ist darauf zu achten, dass der TS-Gehalt soweit gesenkt wird, dass es zu keiner Bandablage der Gülle kommt. Oft führen diese Bänder zu Problemen durch hohe Rohaschegehalte im Folgeaufwuchs.
Schleppschuhverteiler neuerer Bauart gewähren, dass die Grasnarbe so weit geöffnet wird, dass Gülle tatsächlich am Boden abgelegt wird. Hier sind die Abgasungsverluste auch bei hohen Temperaturen zum Zeitpunkt der Ausbringung gering. In Hanglagen ist diese Technologie nur bedingt, wenn überhaupt einsetzbar.
 
Möglichkeiten zur Gülleverdünnung:
• Zugabe von Wasser:
Grundsätzlich ist die Zugabe von Wasser eine gute Möglichkeit, dicke Güllen zu verdünnen. Es gehen dabei keine Nährstoffe verloren. Die Kosten für die erhöhte Transpormenge sind jedoch relevant und liegen mit € 3,7/m³ (Schlagentfernung zum Hof 5 km) rasch einmal über dem Nährstoffwert der Gülle. Weiters fehlt es gerade in den Sommermonaten oft an ausreichendem Wasser, um einen Verdünnungseffekt zu erreichen.
• Mischen von verschiedenen Güllearten:
Eine sehr wirkungsvolle Methode ist das Mischen von z.B. Ringergülle mit Schweinegülle. So wird neben einer Verdünnung der Rindergülle auch ein sehr guter Ausgleich der Hauptnährstoffe Phosphor und Kali erreicht. In diesem Fall kommt Gülle oft einem gleichwertigen Mehrnährstoffdünger mit ca. 2,5 kg N : 2,5 kg P : 2,5 kg K gleich. In Acker-Grünland-Regionen kann diese Maßnahme Vorteile bringen.
 
NH₄+-(Ammonium)-Dünger und seine Wirkung im Boden
Diese Form von N ist nur zum Teil von den Pflanzen aufnahmefähig. Viel mehr muss dieses NH₄+ durch die sogenannte Nitrifikation in NO₃-(Nitrat) umgewandelt werden. Diese Umwandlung übernehmen sogenannte nitrifizierende Bakterien wie Nitrobakta bzw. Nitrosomas im Boden.
Diese Bakterien leiden unter Sauerstoffmangel, welcher durch Bodenverdichtungen herbeigeführt wird. In einem modernen Güllemanagement sollte daher auch das Thema Bodendruck beachtet werden.
Verschlauchungssysteme bzw. Reifendruckregelanlagen sind dabei unverzichtbare Technologien. Nur fitte Böden, welche aktiv bewachsen werden, können Gülle vollständig verwerten.
 
Vermeidung von N-Verlusten bei Ausbringung der Gülle ist das Ziel
Bei steigenden Tagestemperaturen steigt auch der N-Verlust beim Ausbringen durch die Abgasung von NH₃ (Ammoniak). Umso höher der Ammoniumgehalt in der Gülle ist, umso wichtiger ist es, dass Gülle bodennah bzw. mit Verteilsystemen, welche ein großtropfiges Ausbringbild haben, ausgebracht wird. Gülle wirkt als Nährstoffvorlage im Boden und nur zu einem ganz kleinen Teil über das Blatt. Gülle im Grünland bzw. Feldfutter muss daher homogen sein und darf max. 4 – 5 % TS haben.
Bei steigender Bodentemperatur erhöht sich die Nitrifikation. Das heißt, Gülle zeigt seine volle Wirkung in Hinblick auf N-Wirksamkeit bei Bodentemperaturen über 12 °C.
In der Regel liegen diese Temperaturen im Frühjahr ab 15. – 25. April vor. Ein zu frühes Andüngen der Wiesenbestände bzw. dem Feldfutter im Frühjahr kann daher zu einer schlechten Wirkung des in der Gülle enthaltenen N führen. Hier ist bei genügend Grubenlagerraum einer mineralischen Andüngung unter Ausnützung des sogenannten „Priming Effekt“ der Vorrang zu geben. Gülle nach dem letzten Schnitt hingegen wird aufgrund der noch vorhandenen Bodentemperatur rasch mineralisiert. Die Folge sind oft noch überwachsene Bestände, welche dann mastig in den Winter gehen. Die Anfälligkeit auf verschiedenste Roste bzw. Rhizoctonia (Wurzelhalsfäule) steigen dadurch. Die Effizienz dieser Maßnahme ist daher im Rahmen des betrieblichen Güllemanagements zu hinterfragen. Gülle, zum Zeitpunkt des Entzuges gedüngt, wird immer bedeutungsvoller.
 
Phosphor im Boden als Basis nährstoffreicher Futterbestände
Viele meiner langjährigen Untersuchungen zeigen, dass auf langen Dauergrünlandflächen die P-Werte in den letzten Jahren stark gesunken sind. Grund dafür ist, dass die natürliche P-Nachlieferung aufgrund zum Teil zu hoher pH-Werte im Grünland (Einsatz von Mg-Karbonaten, div. Steinmehlen oder geogen hohe Mg-Werte) nicht mehr gegeben ist bzw. die Entzüge aufgrund steigender Erträge nicht mehr ausreichend ergänzt werden.
Neben einer gezielten N-Strategie erfordert meiner Meinung nach auch die Zufuhr von P eine genaue Planung. Oft kommen weicherdige Rohphosphate auf Standorten mit pH-Werten über 6,2 zum Einsatz. Hier ist die Löslichkeit nur mehr in einem geringen Maße möglich und es sind wasserlösliche P-Formen zu verwenden. In diesem Fall ist jedoch auf leichteren Standorten < 15 % Ton unbedingt ein Splitting der Gaben durchzuführen. P mineralisch gedüngt empfiehlt sich auf Entzug zum jeweiligen Aufwuchs zu geben.
 
Neueste Ergebnisse im Hinblick auf austauschbare Kationen
Beim Einsatz von ammoniumreichen Düngern (wie Gülle einer ist) kommt es im Zuge der bereits angesprochenen Nitrifikation im Boden zur Freisetzung von sogenannten H+-Ionen.
Diese können bei fehlendem Kalzium im Boden dazu führen, dass die Säurebildung sehr rasant voran schreitet und so die Verfügbarkeit von Kali, Mg, Na, bzw. Ca selbst gehemmt wird.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir auf manchen Standorten mit hohem Tonanteil und bei Einsatz von hohen Güllemengen sehr hohe H+-Konzentrationen vorfinden. Diese können dann nur in Form von freiem Ca, also Branntkalk CaO reduziert werden. Der Einsatz von Branntkalk in Verbindung mit Gülle ist jedoch differenziert zu betrachten und bedarf einer gezielten Strategie. Wichtig ist: wer mit Branntkalk auf Grünland bzw. Feldfutter arbeitet, muss je nach Konzentration des Kali (< 3 % am Austauscher) dafür sorgen, dass es in den ersten beiden Jahren nach der Kalkung zu keiner Kali-Unterversorgung kommt. Eine spezifische Betrachtung ist anhand einer Bodenuntersuchung möglich. Das Beimischen von CaC0₃ (kohlensaurer Kalk) in die Gülle kann diesen Effekt der Erhöhung der Ca-Konzentration am Austauscher nicht erwirken. Gülle und Kalk in einem Arbeitsschritt ausgebracht, gewinnt in der Praxis immer mehr an Relevanz. Eine Bindung des Geruchs ist in der Regel gegeben.
Das Heben des pH-Wertes im Boden ist möglich, wenn die Feinheit des eingebrachten Kalkes eine rasche Löslichkeit im Boden sicherstellt. Beim Einbringen in die Gülle ist auf eine exakte Homogenisierung zu achten, ansonsten kommt es immer wieder zu Sinkschichten in der Grube bzw. konzentrierten Ausbringschatten auf dem jeweiligen Bestand. Eine Kombination von Kalken, welche Branntkalk beinhalten, ist in jedem Fall zu unterlassen.
 
N-Stabilisierung in Gülle bei Grünland
Moderne Formen der N-Stabilisierung durch mineralische Vorlage von DMPP- bzw. DCD-Düngern bewirken, dass auch der durch Gülle vorgelegte N verzögert wirksam wird. Dies ist daher im Grünland bzw. Feldfutterbau auf leichteren Standorten je nach Schnittintervall überlegenswert. Auf schwereren Standorten ist vom Gebrauch solcher Stabilisatoren abzuraten, da hier die gedüngte Gülle für den jeweiligen Aufwuchs zu spät wirksam wird. Die Folge sind Silagen, welche zum Schnittzeitpunkt den gedüngten N noch nicht umgesetzt haben. Analytisch zeigen sich in solchen Fällen oft niedrige Rohproteinwerte, dafür jedoch sehr hohe Nitratwerte im Futter.
 
Fazit
Gülle ist ein hochwertiger Mehrnährstoffdünger, der in Zukunft aufgrund steigender Nährstoffpreise noch gewaltig an Bedeutung gewinnen wird.
Die Praxis sowie viele Analyseergebnisse zeigen, dass sowohl N als auch P bei intensiver Rinderhaltung im Nährstoffkreislauf des Betriebes weitestgehend vorhanden sind. Ein Güllemanagement hilft, diese vorhandene Resource optimal zu nutzen.
 
 
Norbert ECKER, Agrar-EN