Bestandesführung bei Winterweizen optimieren

veröffentlicht am 25.02.2019

Aufgrund der je nach Region durch Trockenheit mangelnden oder verspäteten Aufgänge bei Winterweizen kommen die Bestände unterschiedlich entwickelt aus dem Winter. Das aktuelle Entwicklungsstadium, die angestrebte Nutzung (QW, MW oder FW) und vor allem die Sorte haben massiven Einfluss auf die Düngung und weitere Bestandesführung.

Das soll anhand zweier unterschiedlicher Standorte im Bezirk Oberwart, Südburgenland erläutert werden.

Erster Standort:

Sortenversuchsstandort mit 10 verschiedenen Sorten, Vorfrucht Körnermais, gepflügt und Anbau um den 10. Oktober 2018.

Der Auflauf war gleichmäßig und schnell, somit sind alle Sorten ausreichend bestockt.

Die Bestandesführung für Qualitätsweizen wird anhand der Sorte AURELIUS erklärt.

AURELIUS ist ein neuer Qualitätsweizen mit einer sehr langen postfloralen Phase. Was bedeutet das nun für die Praxis?

AURELIUS ist eine Sorte mit sehr früher Blüte und nachfolgend mittelfrüher Reife, d.h. einer trotz mittelfrüher Reife sehr langen Kornfüllungsphase und damit hat die Sorte die Fähigkeit, Höchsterträge auch unter trockenen Abreifebedingungen sicher zu erreichen.

Vom Typ her ist AURELIUS in der Bestandesführung ein Kompensationstyp. Generell führen zu dichte Bestände beim Qualitätsweizen zu schwächeren Qualitäten, enttäuschen oft im Ertrag und sind auch anfälliger für Fusarium.

Daher gilt es, zu dichte Bestände zu vermeiden um gute Erträge und Qualitäten zu erreichen.

Für AURELIUS empfehlen wir für diesen stark bestockten Bestand zur ersten Gabe eine N Düngung von 40 – 50 kg/ha nach Vorfrucht Raps, 50 – 60 kg N nach Vorfrucht Sojabohne und 60 – 80 kg N nach Vorfrucht Körnermais oder Getreide (höhere Menge für die Strohverrottung).

Die zweite Gabe soll je nach weiterer Bestandesentwicklung in EC 31 oder wenn der Bestand noch immer zu dicht ist erst in EC 32 gegeben werden, sollte aber - um die Kornzahl pro Ähre abzusichern - durchaus bei 50 – 70 kg/ha liegen – Zeitpunkt und Menge natürlich abhängig von der Düngerart und der Bodenfeuchte.

Für die dritte Gabe gilt die einfache Faustregel mit 10 kg Rein-N pro Tonne Ertragserwartung für einen Qualitätsweizen mit 14 % Protein.

Schwächer bestockte Bestände sollten generell um ca. 20 kg/ha höher angedüngt werden, um die nötige Bestandesdichte zu gewährleisten.

Das gleiche gilt auch für Sorten wie RGT REFORM oder dem Futterweizen FRISKY die eher Bestandesdichtetypen sind.

 

Zusätzlich zur N-Düngung sollte bei Qualitätsweizen auch die Schwefel- und Manganversorgung beachtet werden.

Die Schwefelmenge sollte ca. 20 % der gedüngten N-Menge in Summe aus Bodenmineralisation und Düngung betragen und wenn sie schwefelhaltige Dünger verwenden, vor allem zur ersten und dritten Gabe eingesetzt werden.

Manganmangel ist je nach Standort und Witterung vor allem auf lockeren, stark puffigen Böden mit höheren pH-Werten möglich. Auf diesen Standorten können sie den Mangel durch Walzen verringern bzw. zu Pflanzenschutzmaßnahmen einen manganhaltigen Blattdünger zufügen.

Manganmangel zeigt sich im Frühjahr am ehesten daran, dass die Pflanzen in der Spur grün sind und zwischen den Spuren bei lockerem, puffigen Boden gelb werden.

Wachstumsregler sollten in diesen stärker bestockten Beständen eher früher und eventuell im Splitting eingesetzt werden.

 

 

Zweiter Standort:

Ebenfalls Sorte AURELIUS, Vorfrucht Sojabohne, stark wechselnder Boden;

Anbau am 2.10. 2018 aber teils verzögerter Auflauf erst gegen Ende Oktober durch die Trockenheit.

Für die stärker entwickelten Feldstellen gilt die gleiche Empfehlung wie am ersten Standort mit 50 – 60 kg N/ha zur Andüngung und 50 – 70 kg N/ha zur 2. Gabe in EC 31-32.

Die schwächer entwickelten Feldteile oder Bestände sollten höher angedüngt werden mit 60 – 80 kg/ha zur ersten Gabe und vor allem sollte die zweite Gabe spätestens im 1. Knotenstadium zum Beginn des Schossens gedüngt werden.

Als Dünger kommen vor allem NAC, NPK und Gülle in Frage wobei natürlich die Wirkungsgeschwindigkeit einkalkuliert werden muss!

Geplante Wachstumsreglermaßnahmen sollten (wenn überhaupt – neue Sorten wie AURELIUS, TIBERIUS, FRISKY haben eine sehr gute Standfestigkeit) etwas später erfolgen.

Mit diesen Maßnahmen sollten Sie die 450 – 600 Ähren/m ² die je nach Sortentyp für Höchsterträge notwendig sind erreichen.

Bitte wie immer bei den Düngungsempfehlungen das Ertragspotenzial und Ziel sowie die Richtlinien der sachgerechten Düngung betreffend Mengen und Zeitpunkte beachten.

 

Viel Erfolg im Jahr 2019 mit Ihrem Winterweizen - egal ob sie Qualitäts-, Mahl- oder Futterweizen produzieren wollen!

Für Fragen zu Sorten und Bestandesführung steht ihnen >Ihr Berater und ich gerne zur Verfügung!

 

Beratung Pflanzenbau

Albert MÜLLNER

Tel: +43 664 142 60 05

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