Engerlinge im Grünland – wie können wir damit leben?

veröffentlicht am 29.03.2019

Nahezu ganz Oberösterreich zählt nunmehr zum Befallsgebiet des Maikäfers bzw. seines Engerlings. Nur Teilgebiete von Grieskirchen, Vöcklabruck und Ried scheinen derzeit noch ausgenommen. Langjährige Erfahrungen zeigen: Rechtzeitige Bekämpfung und richtige Folgebewirtschaftung bringen einen dauerhaften Erfolg.

Der Maikäfer hat eine typische Gradation, wie man seinen Vermehrungsrhythmus nennt. Es kann alle 30-40 Jahre zu einer Massenvermehrung kommen. Dazwischen verschwindet er nahezu ganz. Und so eine „Maikäfer-Periode“ dauert dann auch 30-40 Jahre. So mancher ist überrascht „plötzlich“ vor einem Engerlingschaden zu stehen, mit 100-150 Engerlingen/m² und mehr. Aber er ist nicht plötzlich aufgetaucht.
Bei dieser Befallszahl ist der Maikäfer sicher schon 3-6 Jahre (entspricht 1-2 Befallszyklen) in der Region vorhanden.
Es war einfach die erstmals extrem lang andauernde Trockenperiode von Anfang April bis Ende August, die den Fraßschaden unübersehbar zu Tage treten hat lassen. In den langjährigen Befallsgebieten stehen wir heute bei durchschnittlich 300-400 Engerlingen/m², mit bis 700 Engerlingen/m² auf Einzelflächen. Die Schadschwelle liegt im Flugjahr bei 35-40 Engerlingen und im folgenden Hauptfraßjahr bei 25-30 Engerlingen/m².


Wie geht es weiter?
Wir werden noch rund 15 Jahre mit dem Engerling zu kämpfen haben. In den Befallsregionen werden alle Grünflächen betroffen sein, vor allem jene, die schon länger stickstoffreduziert geführt wurden und entsprechende Pflanzenbestände entwickelt haben, vor allem auf Böden, die sich leichter erwärmen (Südlagen, leichte Böden und Schotterböden). Bei sehr hoher Befallsdichtewerden allerdings die Eier in fast allen Böden abgelegt, auch nordseitig und auf Bachwiesen.
Die Landwirte in den „neuen“ Befallsgebieten sollen sich darauf einstellen, dass der Druck in den kommenden Jahren größer wird. Sie können aber von den umfangreichen Erfahrungen in der Bekämpfung profitieren ohne sich auf Experimente einzulassen.


Maikäfer oder Junikäfer?
Seit 2018 wissen wir, dass neben dem Maikäfer auch der Junikäfer in Oberösterreich verbreitet ist. Vor allem im östlichen Mühlviertel und im Süden Oberösterreichs dürfte sich der Junikäfer etabliert haben. Für manche Bekämpfungsmethoden (Pilzgerste) und für den richtigen Bekämpfungszeitpunkt ist es wichtig zu wissen, welcher Engerling im Boden frisst. Die Arten unterscheiden sich an der Behaarung am Hinterleibsende des Engerlings, was nicht immer leicht zu erkennen ist.


Der Maikäfer-Engerling wird 2019 sein Hauptfraßjahr haben, während der Junikäfer heuer fliegen wird. Schäden durch den Junikäfer-Engerling sind erst wieder 2020 zu erwarten.

 

Mechanische Bekämpfung
Wir empfehlen vor allem die mechanische Bekämpfung, weil sie nicht nur sicher und sehr wirksam ist und zudem vergleichsweise wenig kostet, sondern weil damit auch ein neuer Grünlandbestand angelegt wird, der bei entsprechender Folgebewirtschaftung über mehrere Flugzyklen hinweg eine neuerliche starke Eiablage erschwert.


Bewährt haben sich besonders:
• Kreiselgrubber
• Kreiselegge

Es muss zweimal, im Abstand von 1-5 Tagen möglichst bis max. 10 cm Tiefe bearbeitet werden. Optimalerweise bei direkter Sonneneinstrahlung! Daran schließt die Saat von Deckfrucht (max. 70 kg/ha Hafer oder Sommerroggen) und Grünlandmischung an.

Den Maikäfer-Engerling frühestens ab Ende Mai bekämpfen! Vorher hat es keinen Sinn.

2018 wurde erstmals auch die Rotoregge großflächig eingesetzt. Das Bekämpfungsbild erweist sich als sehr gut.

Wichtige Anmerkung zur Kreiselegge: Die Zinken müssen unbedingt auf Griff, das heißt vorgreifend, arbeiten – nicht nachlaufend.

Dazu sind Geräte mit entsprechenden Zinken und Verstellmöglichkeiten notwendig. Gerade Zinken oder nachlaufend arbeitende Zinken haben eine deutlich geringere Wirkung und bringen die Gefahr von Verdichtung und Verschmierung am Bearbeitungshorizont.

Der Zinkenrotor arbeitet auch gut und ergibt eine gute Tragfähigkeit in der Zeit nach der Bekämpfung, bildet aber leicht einen Schmierhorizont.

Die Fräse mischt mehr als sie bekämpft und stößt in Böden mit Steinen und in Hanglagen rasch an Grenzen. Die Gefahr von Verdichtungen und Verschmierungen ist hoch.

Richtige Wahl der Grünlandmischung
Bis zu max. 3 Schnitte: >GRÜNLANDPROFI B
4 und mehr Schnitte:   >GRÜNLANDPROFI EB
Saatmenge: 28-30 kg/ha.

Die Grünlandmischung unbedingt oberflächlich ablegen und anschließend mit Profilwalze anwalzen.

 

Richtige Folgebewirtschaftung
Nach der Bekämpfung wird ein neuer optimaler Pflanzenbestand etabliert. Um einen gräserreichen, vitalen Bestand abzusichern und neuerliche Engerlingschäden zu vermeiden, muss das Grünland entzugsorientiert bewirtschaftet
werden.
Die wesentlichen Maßnahmen sind:
• regelmäßige Erhaltungskalkung
• entzugsorientierte Stickstoffversorgung, 40-50 kg/ha N/ha und Aufwuchs (im Durchschnitt)
• Phosphorversorgung mindestens 8 mg P2O5.
• optimales Güllemanagement
• Schnitthöhe 6-7 cm
• scharfe Messer
• periodische Nachsaat
• Bodenuntersuchung alle 5 Jahre


Für die Details der mechanischen Bekämpfung steht die umfangreiche Beratungsbroschüre „Der Feld-Maikäfer – Grünlandwirtschaft mit dem Engerling“ zur Verfügung (Kosten: € 7,00).
Sie ist erhältlich im Kundenservice der Landwirtschaftskammer OÖ.
Email: kundenservice@lk-ooe.at
Telefon: 050 6902 1000.


DI Peter Frühwirth

LK Oberösterreich